Keine Windenergie in Inning?

Das Ergebnis des Bürgerentscheids liegt vor: 54 Prozent, das sind 907 Bürgerinnen und Bürger, sprechen sich gegen die Planung von drei Windrädern an der A96 aus, 46 Prozent und damit 779 Wähler stimmen mit Ja.

1686 Stimmen waren abgegeben worden. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 49 Prozent. Die Frage lautete: „Sind Sie dafür, dass im Gemeindegebiet von Inning nördlich der Bundesautobahn A 96 und innerhalb der Konzentrationsfläche des südlichen Teilflächennutzungsplans (Windkraft) bis zu drei Windenergieanlagen errichtet werden, sofern 1) die Wirtschaftlichkeit gegeben ist, und 2) die Gemeinde Inning die Windenergieanlagen unter finanzieller Beteiligungsmöglichkeit der Bürger betreibt?“ Über diese Frage wurde am 8. Februar abgestimmt. Die Nachbarn im Landkreis Fürstenfeldbruck freuen sich darüber – was übrigens ein Phänomen ist, das bundesweit beobachtet werden kann; Konkurrenzdenken kann als Begründung vermutet werden.

Scheinbarer Erfolg

In Wirklichkeit handelt es sich um einen Pyrrhussieg! Denn mit dem Denken nach dem Sankt-Florians-Prinzip ist weder die Energiewende noch die Eindämmung der Klimaerwärmung zu schaffen. Das ist wie mit dem Frosch im Kochtopf, der langsam zum Kochen erhitzt wird: der Frosch merkt es leider nicht.

Der Klimawandel führt schon jetzt zu einem Artensterben ungeahnten Ausmaßes – auch bei uns. Der Rückzug der wärmeempfindlichen Tiere hat in Deutschland längst begonnen. Er lässt sich jährlich in Kilometern beziffern. Singvögel sterben aus, weil die Insekten zur Brutzeit fehlen. Schmetterlinge sind ebenso betroffen, weil die Nahrungspflanzen fehlen, wie Greifvögel und viele Säugetiere. Dass im Mauerner Wald im vergangenen Jahr die Rotmilane nicht zum Bruterfolg gelangten, liegt indirekt vielleicht sogar am Klimawandel, vor allem aber daran, dass die Jungvögel in den mit Plastiktüten ausstaffierten Horsten ertranken! Wo bleibt der Protest gegen die Ausbeutung unserer Lebensgrundlagen, gegen die Unmengen Plastikmüll, die zudem über die Nahrungskette wieder bei uns und „in uns“ landen? Und warum regnet es bei uns immer mehr und immer heftiger?

Beim Dagegensein, wenn es um das Abwenden von unliebsamen Veränderungen vor der eigenen Haustür, also das Eigeninteresse geht, kann man mehr Leute mobilisieren, als wenn es um ein Dafürsein und vielleicht auch grundlegende Veränderungen und ganz besonders um das „abstrakte“ Allgemeinwohl geht.  In Inning war die Bürgerinitiative für Innings „Zukunft“ (BIZ) mit Behauptungen und Vermutungen unterwegs: Angstrhetorik nennt man das. Die Gruppierung, die aus dem Stand drei Gemeinderatssitze gewinnen konnte, hatte an alle Haushalte Flyer verteilt. Darin wurde nicht nur die Wirtschaftlichkeit von Windrädern auf dem Martinsberg bezweifelt – das sollte man getrost den Projektierern und Profis überlassen, dieses zu prüfen -, sondern auch gefragt, warum nicht auf die Belange von Etterschlag und Grafrath Rücksicht genommen werde. Dabei wird genau dies durch das immissionschutzrechtliche Verfahren in allen Punkten gewährleistet und auch im notwendigen Bebauungsplanverfahren. Und die Nachbargemeinden könnten sich künftig auch finanziell an den Bürgerwindrädern beteiligen und so hätten auch ihre Bürger was davon. Selbstverständlich wird umfangreich der Naturschutz  ins Feld geführt – ungeachtet der Tatsache, dass dieser in einem Planverfahren für Windenergieeine immense, wenn nicht die zentrale Rolle spielt, und die Einhaltung des Bundesnaturschutzgesetzes in Deutschland mit dem absoluten Tötungsverbot von windradrelevanten Tierarten einhergeht.

Das für Windräder vorgesehene Gebiet, das umfangreichen Untersuchungen unterzogen wird, kann in Sachen Windkraftnutzung durchaus „konfliktträchtig“ im Sinne des Natur- und Artenschutzes sein. Genau darauf wird ja dann bei den detaillierten Analysen und Untersuchungen für die Planung von Windrädern und durch eine vorgeschriebene artenschutzrechtliche Prüfung Rücksicht genommen. Und so können durchaus vorgesehene Standorte wegfallen, wenn sie dem Natur- und Artenschutz widersprechen, oder sich verschieben. Der Natur- und Artenschutz hat jederzeit Vorrang, auch wenn von Windradgegnern vehement das Gegenteil behauptet wird.

Abgesehen davon, dass der Mauerner Wald ein ganz gewöhnlicher landwirtschaftlicher Betrieb ist, also ein Wirtschaftswald, der regelmäßig durchforstet wird: Wer interessiert sich beim regulären Ernten der Bäume, also beim Holzeinschlag, für die Nistplätze von Fledermäusen und Greifvögeln? Wenn ein Wald für den Einschlag reif ist, werden oft große Flächen gerodet, das ist bei Jahrgangswäldern in unserer Region oft üblich. Die Bewohner der Bäume kommen mit der Holzwirtschaft ganz gut zurecht! Die Natur erträgt auch, wenn ein Wald großflächig in Flammen aufgeht. Der Milan baut einen neuen Horst an anderer Stelle, die Fledermäuse suchen sich eine neue Bruthöhle.

Anders bei der Holzentnahme für ein Windrad – wovon  etwa 0,2-0,5 ha Fläche betroffen sind: das gilt als  riesiges Problem für die Tiere und Pflanzen. Jede Fichte ist plötzlich pure Natur. Doch auch hierbei wird auf die Belange der geschützten Tiere und Pflanzen jederzeit intensiv Rücksicht genommen. Aber vermutlich geht es den Windradgegnern darum nicht wirklich.

Der Wald wird bei der Martinshöhe von der A 96 durchschnitten. Tausende Vögel fallen Jahr für Jahr dem Straßenverkehr zum Opfer. Eulen und Uhus, Bussarde und Milane. Vor allem letztere sterben oft an Brückenpfeilern, und vor allem an den zahlreichen Gittermasten von Stromleitungen. Dezentrale Energieversorgung braucht keine Überlandleitungen. Die Flughöhen der meisten Vögel in unseren Wäldern und auch die der Fledermäuse liegen weit unter der Höhe von Windturbinen – und die Zugvögel fliegen deutlich höher. Für Bewohner in der Umgebung von Windrädern kann man zudem auch erfolgreich Schutzmaßnahmen ergreifen.

Für Umgehungsstraßen – so auch in Inning – werden übrigens nicht wenige, sondern Hunderte von Hektar Natur rücksichtslos versiegelt und Bäume und Büsche abgeholzt. Nistmöglichkeiten für Heckenbrüter verschwinden, zahlreiche Säugetiere, ob Siebenschläfer, Igel, Hase oder Wiesel verlieren so ihr Zuhause. Die Natur zwischen Ammersee und Dorf wird rücksichtslos zerschnitten, Lebensraum für Mensch und Tier zerstört. Aber drei mögliche Windräder weit vom Dorf entfernt sind Sinnbild für Naturzerstörung und vermeintliche Gesundheitsschäden.

„Von den Befürwortern der Windanlagen war vor dem Bürgerentscheid wenig bis gar nichts zu hören“, schreibt die Süddeutsche. Und weiter:  „Die Grünen sind zwar für die Energiewende und für Windkraft, wollten aber vor dem Entscheid keinen Einfluss auf die Meinung der Bürger nehmen.“ Das wurde dann den Windenergie-Gegnern überlassen, die mit Falsch- und Fehlinformationen und mit Behauptungen und Vermutungen leichtes Spiel hatten und überzeugen konnten. Doch, es gab auch mutige Befürworter, diese haben noch versucht, durch seriöse Information das Ruder herumzureißen. Offensichtlich zu spät, wie das Ergebnis belegt.

Zum Bürgerentscheid war es gekommen, weil der Gemeinderat Inning im vergangenen November ein Ratsbegehren beschlossen hatte. Bürgermeister Walter Bleimaier (CSU) wollte zuerst die Bürger abstimmen lassen, bevor die gemeinsame Planung mit den Stadtwerken München überhaupt vorangetrieben werde. Drei Windräder wären auf der Konzentrationsfläche im Norden Innings möglich gewesen – zu einer detaillierten Untersuchung und Planung kommt es nun erst gar nicht, diese ist nun in weite Ferne gerückt. Der Klimaschutz, der zugleich Menschen, Natur- und Tierschutz bedeutet, bleibt so auf der Strecke.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Autor: Evelyn Villing, Energiewende Landkreis Starnberg e.V.

Foto: Margot Kessler, www. pixelio.de

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