Begeisterung beim Besuch der Windanlagen in Wildpoldsried

Vergangenen Samstag besuchten mehrere Starnberger Kreisräte, Landrat Karl Roth, Ratsmitglieder sowie der Bürgermeister Rupert Monn aus der Gemeinde Berg die Gemeinde Wildpoldsried im Oberallgäu. Wildpoldsried gilt als Vorzeigegemeinde hinsichtlich kommunaler, regenerativer Energieversorgung und betreibt in diesem Zuge erfolgreich neun Windenergieanlagen. Dies ist auch der Grund für den Besuch aus dem Landkreis Starnberg: Die Umsetzung der Energiewende und das unlängst abgeschlossene Verfahren zur Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windenergie. Die ersten vier Windenergieanlagen werden aktuell in der Gemeinde Berg geplant, sie sollen bereits kommendes Jahr umgesetzt werden. Damit betritt der Landkreis Neuland – denn Windenergie stand trotz des Kreistagsbeschlusses von 2005, bis 2035 rechnerisch energieautark sein zu wollen, bislang nicht auf der Agenda. Und auch im Klimaschutzkonzept des Landkreises und der Landkreisgemeinden ist die Windkraft im Szenario einer zukünftigen Energieversorgung nicht berücksichtigt. Das soll sich nun ändern.

In der 2.500-Seelen-Gemeinde im Allgäu funktioniert das mit der Windkraft schon sehr gut. Aus regenerativen Energien wie Sonne, Wasser, Wind und Biomasse wird inzwischen 350 Prozent mehr Strom pro Jahr erzeugt, als selbst verbraucht wird. „Dabei haben immer die Bürger den Vorteil – für die Umwelt, aber vor allem für den Geldbeutel“, so Bürgermeister Zengerle in tiefstem Allgäuer Dialekt. Fünf der neun Windkraftanlagen wurden allein von Wildpoldsriedern finanziert, die selbstverständlich vom Ertrag der Anlage profitieren. Die ersten Windräder wurden im Jahr 2000 gebaut, nächstes Jahr stehen dann schon elf. Die Berger können darüber nur staunen, doch die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Windkraft ist in der Allgäuer Gemeinde mit 92 Prozent sehr hoch.

Besonderes Interesse wurde dem Thema Schall beigemessen. Zwar gilt eine Messung mit dem i-Phone, die von einem Kreisrat durchgeführt wurde, nicht als repräsentativ, aber mit 45 dbA in 80 Meter Entfernung kann auch nicht von unerträglichem Lärm gesprochen werden. In 200 m Entfernung, so die einhellige Aussage, konnten die Windräder nicht mehr gehört werden. Besonders aussagekräftig sind die Ausführungen von Anwohnern, so von einer Frau, die 450 Meter von zwei Windrädern entfernt im Weiler Hutoi wohnt: „Die Anlagen stören uns nicht. Die Eisenbahn hinter Wildpoldsried ist lauter“. Den anderen Nachbarn hingegen stören weder Eisenbahn noch Windräder, vielmehr seien der Verkehr und der damit verbunde Parkplatzmangel aufgrund der Informationstouristen ein Problem.

Die Informationsfülle während des Besuchs war offenbar riesig, doch besonders zwei Punkte werden die Berger Kommunalpolitiker und die Kreisräte mit nach Hause nehmen: Um Windkraftanlagen erfolgreich zu betreiben, muss vorher ordentlich an den Standorten gemessen werden, das heißt „Wie stark weht der Wind und in welcher Höhe bläst er am besten“. Außerdem ist eine Umsetzung derartiger Anlagen ohne Bürgerbeteiligung und ohne intensive, transparente Informationspolitik nicht möglich. Schließlich sind die Berger und die Landkreisbürger diejenigen, welche von den Windkraftanlagen profitieren sollen.

Quellen: Münchner Merkur, Süddeutsche Zeitung

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