Benzingipel in Berlin – E10 bleibt

Die Bundesregierung hat sich beim gestrigen E10-Gipfel in Berlin mit Industrie und Verbänden darauf verständigt, an der Einführung des umstrittenen Treibstoffs E10 festzuhalten.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) halten am umstrittenen neuen Treibstoff fest: „Biokraftstoffe spielen eine wichtige Rolle beim Klimaschutz und bei der Energieversorgung“, heißt es aus dem Ministerium.

Dennoch lassen nach einer Erhebung des Mineralölverbandes 70 Prozent der Autofahrer den Biokraftstoff links liegen. Tankstellen haben somit massive Absatzprobleme bei E10. Indes versichert der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA), dass 99 Prozent der in Deutschland zugelassenen Autos E10 mühelos vertragen; die so genannte DAT-Liste über die E10-verträglichen Fahrzeuge sei rechtsverbindlich. Das bedeutet, sollte einem Fahrzeug, das in dieser Liste aufgeführt ist, trotzdem etwas passieren, haftet die Autoindustrie. Das Ziel ist, Autofahren möglichst schnell die Angst vor E10 zu nehmen. An Tankstellen und Werkstätten sollen Listen ausgelegt werden, aus denen hervorgeht,  für welche Fahrzeuge der Kraftstoff E10 geeignet ist.

Die Klimabilanz des neuen Kraftstoffs ist umstritten. Obwohl laut Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung nur Biosprit gefördert und auf die festgesetzte Biokraftstoff angerechnet wird, der im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen mindestens 35 Prozent an CO2 einspart, nennt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) E10 eine ökologische Mogelpackung: Allein durch den drastisch ansteigenden Bedarf an Energiepflanzen in Deutschland müsste man 27 Prozent der gesamten deutschen Ackerfläche dafür bereitstellen. Derzeit sind es fünf Prozent. Auch der Naturschutzbund (NABU) kritisiert die Biokraftstoff-Strategie der Bundesregierung, da zum einen der Anbau direkt mit der Lebensmittelerzeugung konkurriert. Zum anderen müssen die Risiken und Nebenwirkungen durch so genannte indirekte Landnutzungsänderungen beim Anbau von Energiepflanzen kritisch betrachtet werden. Nach Berechnungen des Londoner Instituts für Europäische Umweltpolitik verursachen die EU-Ziele zum Ausbau der Agrokraftstoffe bis zum Jahr 2020 erhebliche Klimagasemissionen sowie einen zusätzlichen Flächenbedarf in Höhe von bis zu 69.000 Quadratkilometern.

Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte den umweltpolitischen Kurs der Bundesregierung: „Umweltminister Norbert Röttgen täuscht sich. E10 ist nicht der heilige Gral des Automobilverkehrs in Zeiten des Klimawandels und steigender Ölpreise. Die bessere Strategie wäre, auf verbrauchsarme Autos, Elektromobilität, Tempolimit und öffentlichen Nahverkehr zu setzen.“

Quelle: www.sonnenseite.com, www.zeit.de, www.tagesschau.de; Foto: www.hagel.at

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