BMWi startet auf Cebit den Weg zum „Micro Grid“

Computerwolke wird zum Stromhandelsplatz

Am Anfang stand ein ministerieller Wettbewerb, um die Potenziale von „Cloud Computing“ für die Wirtschaft zu erschließen. Das Vorhaben „PeerEnergyCloud“ plant nun, in der „Wolke eines Rechnernetzwerks“  neue Steuerungs- und Optimierungsprozesse für den  Datenaustausch in Stromnetzen zu entwickeln. Dieser Schritt zum „Smart Grid“ wurde im März 2011 auf der CeBIT in Hannover bekannt.

Hinter dem Vorhaben steht ein Partnerkonsortium aus dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), AGT Germany, SEEBURGER AG und den Stadtwerken Saarlouis. Sie gehören zu den zwölf Gewinnern des Technologie- und Förderwettbewerbes „Trusted Cloud“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Das Projekt, das sich mit der Entwicklung von Lösungen zur intelligenten Nutzung erneuerbarer Energien befasst, ist ab sofort für drei Jahre angesetzt.

Verbrauchergenauer Strom

Ganz praktisch geht es darum, den Stromverbrauch in privaten Haushalten mit der Erzeugung in den Kraftwerken abzustimmen. Private Haushalte verbrauchen rund ein Drittel des Stroms, der von Kraftwerken produziert wird. Gegenwärtig ist aber der tatsächliche Strombedarf zu einem bestimmten Zeitpunkt für die Stromerzeuger nicht verbrauchergenau voraussagbar. Standardlastprofile sind ungenau, der Lastgang lässt sich kaum optimieren, der Netzausbau muss sich an Spitzenlasten orientieren, Reserve-Kraftwerke sind betriebsnotwendig.

Ziel von „Peer Energy Cloud“ sind innovative Erfassungs- und Prognoseverfahren darüber wie sich Lastgänge, also Stromverbräuche, im Zeitablauf entwickeln. Dadurch ließe sich der Lastfluss optimieren und ein virtueller Markplatz für den Stromhandel innerhalb eines so genannten „Micro Grids“ aufbauen. Dieser Marktplatz ermöglicht einen lokalen Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch von Elektrizität innerhalb eines Subnetzes, was unmittelbar zu einer Entlastung übergeordneter Netzebenen führt. Dieser Ansatz trägt vom Verbraucher aus zur Verbesserung der Netzstabilität bei und verringert den Bedarf an einem kostenintensiven Ausbau überregionaler Stromnetze.

Vertrauen aufbauen

Methoden der Künstlichen Intelligenz leiten dabei aus Daten über den Stromverbrauch an einzelnen Steckdosen ganze Aktivitätsprofile individueller Haushalte her. Um die Akzeptanz beim Bürger zu fördern, ist ein umfassender Schutz der Privatsphäre vorgesehen durch die Verarbeitung dieser Profile in einer ‚trusted cloud‘.  Die Stadtwerke Saarlouis werden als Anwendungspartner in Feldversuchen Pilotprojekte mit 500 Haushalten durchführen und die Genauigkeit der Messverfahren überprüfen.

Der Software-Anbieter SEEBURGER AG plant, einen neuartigen Marktplatz für Peer-To-Peer-Energiehandel zu ermöglichen, der Sensor- und Energiedaten beispielsweise für vertrauenswürdige Mehrwertdienste nutzbar macht. Informations- und Kommunikationstechnologien spielen bei der Peer Energy Cloud eine zentrale Rolle. In dem Projekt soll eine vertrauenswürdige Umgebung geschaffen werden, in der diese Herausforderung sicherer und zuverlässiger gemeistert wird.

Technologien für die Trusted Cloud

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) fördert durch „Trusted Cloud“ die Entwicklung und Erprobung von innovativen, sicheren und rechtskonformen Cloud Computing-Diensten mit insgesamt rund 50 Mio. Euro. Hinzu kommen Eigenmittel der Projektbeteiligten in etwa gleicher Höhe, so dass insgesamt rund 100 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Das BMWi-Technologieprogramm „Trusted Cloud“ ist Teil des Aktions-programms Cloud Computing, das das BMWi im Oktober 2010 gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft gestartet hat. Hierbei werden Pilotvorhaben in den nächsten drei Jahren innovative Lösungen für den sicheren Einsatz von Cloud Computing in unterschiedlichen Branchen entwickeln und erproben. Die zwölf Gewinner teilen sich die vier Cluster: Basistechnologien, Industrie, Gesundheit sowie öffentlicher Sektor. Das Peer Energy Cloud Konsortium gewann im Cluster der Industrie.

Quelle: BINE Informationsdienst

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