DIW-Studie: EU-Grünbuch beruht auf veralteten Modellrechnungen

DIW-Studie: EU-Grünbuch beruht auf veralteten Modellrechnungen

Während im Moment der öffentliche Fokus einmal mehr auf der Erhöhung der EEG-Umlage liegt, scheint die Frage nach den Kosten der konventionellen Energieträger zunehmend eine nur mehr marginale Rolle zu spielen. Mitschuld hierfür könnte, nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die Europäische Kommission in Brüssel tragen. Diese hatte zuletzt in ihrem Grünbuch „Ein Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030“ die Politik dazu aufgefordert, Einschätzungen für umwelt- und energiepolitische Entwicklungen jenseits des Jahres 2020 zu entwickeln. Laut einer Analyse des DIW basieren die Ausführungen jedoch, ähnlich wie bereits die „Energy Roadmap 2050“ aus dem Jahr 2011, auf veralteten Szenarioannahmen.  Konkret wurde vor allem kritisiert, dass die Kommission die Kosten für Atomenergie und CO2-Abscheidung systematisch unterschätzt. „Die Kosten für Atomenergie sind durch erhöhte Sicherheitsanforderungen nach dem schrecklichen Reaktorunfall in Japan nochmals weiter enorm gestiegen […]. Zusätzlich entstehen Kosten für die Endlagerung und sonstige Risiken, die zu großen Teilen von der Bevölkerung getragen werden“, so Prof. Dr. Claudia Kemfert vom DIW in der aktuellen Ausgabe der Schrot und Korn. Dies sei auch daran erkennbar, dass die in England geplante Umlage für den Neubau von Atommeilern den Verbraucher sogar mehr belasten würde, als es der Beitrag für die erneuerbaren Energien im Moment in Deutschland tut. Die Kosten regenerativer Energieträger werden dagegen nach der DIW-Studie systematisch überschätzt, respektive die für Photovoltaik, deren Kapitalkosten bereits heute teils unter den Werten liegen, die die Europäische Kommission für 2050 erwartet. Die Berliner Wirtschaftsforscher fordern daher eine Aktualisierung der Modellrechnungen, damit der europäischen Politik eine realistische und belastbare Entscheidungshilfe an die Hand gegeben wird, mit der sie tatsächlich einen nachhaltig erfolgreichen Weg in Richtung Energiewende beschreiten kann.

Die Studie des DIW Berlin finden Sie hier. Das Interview mit Prof. Dr. Claudia Kemfert in der aktuellen Ausgabe der Schrot und Korn finden Sie hier.

 

Quelle: diw.de, schrotundkorn.de
Bild: erneuerbareenergien.de

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