Strom und Markt

Studie: Konventionelle Energieerzeugung rund doppelt so teuer wie Erneuerbare

Würden die versteckten Kosten der konventionellen Energien nicht von der Allgemeinheit getragen, sondern direkt auf den Strompreis umgelegt werden, müssten die Verbraucher tief in die Tasche greifen: Eine „Konventionelle-Energien-Umlage“ wäre im Jahr 2015 mit etwa 10,6 Cent/kWh rund doppelt so hoch wie die aktuelle EEG-Umlage für Erneuerbare Energien (6,17 Cent/Kwh). Das ergibt eine Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace Energy.

Aufgrund der immer höheren Folgekosten der Konventionellen (z.B. für Gesundheit, Rückbau der AKW, Atommülllagerung, Klima- und Umweltschäden, …) hätten die Verbraucher in den kommenden Jahren sogar mit noch weit mehr finanziellen Belastungen zu rechnen. Die Umlage für die Erneuerbaren (EEG) dagegen sinkt bereits heute. In diesem Zusammenhang erinnert die Greenpeace Energy ihrer Studie deshalb noch einmal konkret daran, dass die Energiewende nach EEG §1 neben dem Klimaschutz auch eine Verringerung der „volkswirtschaftlichen Kosten der Energieversorgung auch durch die Einbeziehung langfristiger externer Effekte“ zum Ziel hat.

Die vollständige Studie zu den wahren Kosten der konventionellen Energieerzeugung finden Sie hier!

 

Quelle: Hans-Josef Fell
Bild: Uwe Schlick / www.pixelio.de

 

Prognose: 2014 niedrigster Energieverbrauch seit Wiedervereinigung

Nach Einschätzung der AG Energiebilanzen wird der inländische Verbrauch an Primärenergie bis Ende des Jahres auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung 1990 fallen. Dabei verlieren die konventionellen Energien immer mehr an Bedeutung, während der Beitrag der Erneuerbaren steigt.

Ausschlaggebend für die Prognose sind die Zahlen der ersten drei Quartale des laufenden Jahres: Mit 9.501 PG lag der Primärenergieverbrauch bereits deutlich mit 6,7 Prozent unter dem Wert desselben Zeitraums im Vorjahr. Da die Verbrauchssenkung alle fossilen Energieträger betraf und sich die Regenerativen dagegen weiter etablieren konnten, erwartet die AG Energiebilanzen einen Rückgang ähnlicher Größenordnung auch bei den CO2-Emissionen.

Die Nutzung von Energie aus Wind, Sonne und Co. konnte im Verlauf des bisherigen Jahres um 1,6 Prozent auf 1.200 PJ zulegen. Die Windkraft steigerte ihren Beitrag dabei um fast 16 Prozent, auch die Photovoltaik gewann 15 Prozent hinzu. Im Ganzen kletterte der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Primärenergieverbrauch in den ersten neun Monaten des Jahres 2014 auf 11,2 Prozent. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr der Wiedervereinigung erreichte dieser Wert gerade einmal 1,5 Prozent. Interessant ist auch der Anteil der Erneuerbaren beim Bruttostromverbrauch: Der liegt in den ersten neun Monaten 2014 bei 28 Prozent (1990: 3,1 Prozent)

 

Quelle: IWR Pressedienst, AG Energiebilanzen
Bild: haushaltsgeld.net /
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Billiger Strom für industrielle Großverbraucher

Auch wenn häufig genau das Gegenteil angenommen wird: Die Strompreise, die die energieintensiven Betriebe in Deutschland bezahlen, sind im internationalen Vergleich keineswegs hoch. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Aufrag des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE).

Tatsächlich, so heißt es in der Studie, klaffen die Industriestrompreise je nach Branche stark auseinander. Teile der deutschen Industrie kommen somit in den Genuss zum Teil sogar sehr günstigen Stromtarifen. Die gängigen Statistiken des europäischen Statistikamtes Eurostat erwiesen sich nach den Untersuchungen der FÖS als fehlerhaft: Während darin von einem Durchschnittspreis von 10,6 Cent pro Kilowattstunde (2013, ohne Strom- und Mehrwertsteuer) für deutsche Großverbraucher ausgegangen wird, errechnete das Forum mit 4,8 Cent einen Wert, der nicht einmal der Hälfte der Eurostat-Annahme entspricht. Verantwortlich für den günstigen Bezugspreis seien vor allem die umfangreichen Privilegien, die die Industrie in Deutschland zu Gute kommen, wie etwa Ausnahmen, Steuervergünstigungen oder Sonderregulierungen bei Abgaben- und Umlagezahlungen.

Es wird angenommen, dass im laufenden Jahr 2014, vor allem wegen der niedrigen Börsenstrompreise, der genannte Wert von 4,8 Cent sogar noch weiter auf bis zu 4,1 Cent sinken wird.

 

Quelle: Bundesverband Erneuerbare Energien
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Ökostrom kaum teurer als konventioneller Strom

Ökostrom als teure Alternative zu konventionellem Strom? Die Realität sieht anders aus, wie das Internet-Vergleichsportal Verivox herausgefunden hat: Ökostromangebote seien in Wirklichkeit auf annähernd gleichem Preisniveau – in bestimmten Fällen könne mal als Kunde sogar bares Geld durch den Umstieg auf einen Ökotarif sparen.

Laut Verivox kostete der Ökostrom im Mai durchschnittlich 27,95 Cent/kWh. Für einen durchschnittlichen 4-Personen-Haushalt, der jährlich rund 4.000 kWh Strom verbraucht, würde dies zu Gesamtkosten in Höhe von 1.118 Euro führen. Der Preis für das günstigste Angebot mit Gütesiegel läge derzeit bei 954 Euro pro Jahr. Damit gewinnt der Ökostrom den direkten Vergleich zum Grundversorgungstarif: Darin würden bei gleicher Abnahmemenge durchschnittliche Kosten von 1213 Euro entstehen.

Dementsprechend groß ist bisweilen auch das Interesse an den Umweltstromtarifen. Wie Verivox mitteilte, suchten rund 70 Prozent aller Kunde, die sich im vergangenen Jahr auf dem Portal über neue Anbieter informierten, gezielt nach Ökostrom.

 

Quelle: enerIgate messenger Nr. 97
Bild: Uwe Schlick / www.pixelio.de

dena veröffentlicht Positionspapier zu Pumpspeicherwerken

Pumpspeicherwerke sind im Moment die einzig verfügbaren großtechnischen Stromspeicher und gelten, so Stephan Kohler, Vorsitzender der Deutschen Energie-Agentur (dena), als wesentliche Komponente für die Energiewende“. Unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen ist ihr wirtschaftlicher Betrieb jedoch akut gefährdet – infolge bleiben wichtige Investitionen aus. Aus diesem Grund hat die dena-Plattform „Pumpspeicherwerke – Partner der Energiewende“ ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie klare politische Handlungsempfehlungen formuliert.

Unter anderem legt die Strategieplattform nahe, Pumpspeicherwerke diskriminierungsfrei bei der möglichen Einführung eines Kapazitätsmechanismus zu berücksichtigen. Mit diesem Mechanismus, den die Bundesregierung plant, soll sichergestellt werden, dass immer ausreichend Kraftwerke mit garantierter Leistung zur Verfügung stehen.

Die dena-Plattform betont außerdem den vielseitigen volks- und energiewirtschaftlichen Mehrwert von Pumpspeicherwerken: „Sie machen es möglich, die erneuerbaren Energien mit ihrer stark schwankenden Erzeugung in das Stromsystem zu integrieren. Um ihre Zukunft zu sichern, müssen wir das Strommarktdesign weiterentwickeln und wirtschaftliche Anreize für die Speicherung von Strom setzen“, so Kohler.

Das Positionspapier sowie weitere Informationen rund um das Thema finden Sie hier!

 

Quelle: Deutsche Energie-Agentur (dena)
Bild: Hurry /
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2014: Mehr Unternehmen von EEG-Umlage befreit

Nach Informationen der FAZ werden im kommenden Jahr rund ein Fünftel Unternehmen mehr von der EEG-Umlage befreit. Demnach müssten zwischen 2.700 und 2.800 Betriebsstellen entweder gar keine Ökostromumlage bezahlen oder einen geringeren Betrag als üblich. Wie hoch der Betrag ausfällt, um die die Stromrechnung der Unternehmen nach unten korrigiert wird ist noch unklar, beantragt sei jedoch eine Kürzung von 5,1 Milliarden Euro – knapp eine Milliarde mehr als im Jahr 2013. Angesichts der wachsenden Kritik von der Europäischen Union am in Deutschland praktizierten Befreiungsmodell wollten SPD und CDU die Ausnahmezahlen ursprünglich überprüfen und korrigieren. Stattdessen wurden die entsprechenden Bescheide, die in der Regel erst nach Weihnachten in die Post gehen, auf ausdrücklichen Wunsch der Bundesregierung in diesem Jahr bereits am Nikolaustag verschickt, um den betroffenen Unternehmen eine „gewisse Rechtssicherheit“ zu verschaffen.

Quelle: enerIgate messenger
Bild:
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BWE sieht enormes Windenergiepotential in Bayern

Die Ökostromumlage steigt und steigt. Die Schuld daran liegt für Sylvia Pilarsky-Grosch, Präsidentin des Bundesverbandes Windenergie (BWE), allerdings kaum am Ausbau der erneuerbaren Energien. Verantwortlich seien vielmehr Privilegien für die Industrie sowie sinkende Preise an der Strombörse, die nicht an die Verbraucher weitergegeben werden. Damit in Zukunft eine saubere und nachhaltige Stromversorgung garantiert werden kann, warnt Pilarsky-Grosch vor der Gefahr, vorschnell die falschen Weichen zu stellen: Statt die Bestrebungen zur Energiewende wieder zu zentralisieren oder kurzfristig wieder auf fossile Träger wie Kohle zu bauen müsse es jetzt vielmehr gelten, eine durchdachte Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu erarbeiten.

Großes Potential sieht die BWE-Präsidentin vor allem beim Ausbau der Windenergie: Mit durchschnittlich zwischen sechs und acht Cent pro Kilowattstunde sei der Strom aus Wind bereits heute wettbewerbsfähig – „wenn wir einen fairen Vergleich anstellen und etwa die Subventionen für Kohle miteinrechnen“, so Pilarsky-Grosch. In Bayern sei daneben eine Steigerung des Anteils von Windenergie an der Gesamtstromerzeugung von derzeit einem auf bis zu zehn Prozent durchaus realistisch. Vorstöße wie der des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der eine Verschärfung der Abstandsregelungen fordert, seien daher ein falsches Zeichen. Der Schlüssel läge dagegen vielmehr in der umfassenden Aufklärung und Beteiligung der Bürger: So könne man bereits sehr bald umfassend von den gegebenen Potentialen profitieren.

Quelle: Münchner Merkur
Bild: Peter Freitag / www.pixelio.de

 

Das Spiel mit der Windkraft

In Bezug auf die Energiewende wird während des Wahlkampfes von den Parteien kräftig zurückgerudert. Falsche Signale kommen vor allem vom einstigen Vorreiterbundesland Bayern. Dennoch muss es gerade jetzt gelten, an den ursprünglichen Zielen festzuhalten, denn die Etablierung erneuerbarer Energien ist heute nicht nur so gefährdet, sondern auch so notwendig wie nie zuvor.

Die Situation in Bayern spitzt sich zu: Nach seiner Bundesratsinitiative für größere Abstandsflächen für Windkraftanlagen lässt Ministerpräsident Horst Seehofer Worten Taten folgen und ruft die Behörden bis zum Zeitpunkt der Entscheidung zur Verweigerung jeglicher Neugenehmigungen auf. Ungeachtet dessen, dass er dies ohne rechtmäßige Gesetzesgrundlage tut, zieht das bayerische Staatsoberhaupt damit die Schlinge um die Windenergie ein weiteres Mal enger. Falls sein Vorstoß tatsächlich in die Tat umgesetzt werden sollte, würde das womöglich ihr Ende im größten deutschen Bundesland besiegeln. Es stellt sich die Frage, ob sich Deutschland eine derartige energiepolitische Zäsur überhaupt leisten kann – und in Bezug auf seine Rolle als in Europa führender Strommarkt und der damit einhergehenden Vorbildfunktion – leisten darf.

In wirtschaftlicher Hinsicht ist das Spiel Horst Seehofers äußerst leichtsinnig. Mit ihren mittlerweile technologisch sehr ausgereiften Anlagen ist die Windenergie – neben den Photovoltaik-Anlagen – die bisher wichtigste Säule der Energiewende. Beide zusammen produzieren bereits heute an manchen Tagen genug Energie, um die Hälfte ganz Deutschlands mit Strom versorgen zu können. Ihr Potential reicht jedoch zu weit mehr: Laut einer Studie des Bundesumweltamts kann allein mit Wind das Fünffache des nationalen Gesamtstrombedarfs produziert werden. Auf globaler Ebene hat die Harvard University sogar Potential für eine 40-fach höhere Leistung errechnet, als auf der Erde verbraucht wird.

Gerade vor diesem Hintergrund sollten folgende Zahlen zu denken geben: Obwohl in den vergangenen Jahren Wind- und Sonnenenergie bereits stark ausgebaut wurden, stieg in Deutschland der CO2-Ausstoß im Jahr 2012 um 1,5 Prozent. So tragen auch wir nach wie vor zum weltweit ungebremsten Kohlendioxidanstieg bei. Erst im Mai hat die amerikanische Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) eine neue, magische Obergrenze an CO2-Konzentration in der Atmosphäre gemessen.

Einen nicht unerheblichen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet der Verfall der Kohlepreise. Dieser liegt vor allem darin begründet, dass der Industrieriese USA mehr und mehr auf selbstgefördertes Schiefergas  zurückgreift und somit in den vergangenen Jahren ein weltweites Überangebot provozierte. Vom billigen Einkaufspreis profitiert hat auch Deutschland – was sich etwa daran erkennen lässt, dass in der heimischen Strom- und Wärmeerzeugung in den ersten drei Monaten dieses Jahres 10,5 Prozent mehr Steinkohle verfeuert wurde als noch im Jahr zuvor.

Erschwerend hinzu kommt noch ein zweiter Umstand: Überschuss existiert nicht nur bei der Kohle, sondern auch bei CO2-Zertifikaten. Anstatt wie vorgesehen etwa 50 Euro pro Tonne Kohlendioxid rangiert der Preis tatsächlich im Moment bei nur knapp vier Euro. Aktuell sind in Europa etwa zwei Milliarden mehr CO2-Rechte im Handelssystem, als von der Industrie überhaupt benötigt werden – bereits doppelt so viel wie noch im Jahr 2011. Die vom EU-Parlament beschlossene Reduzierung der Zertifikate um 900 Millionen bis Ende 2016 ist laut Experten lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein und wird ihrer Ansicht nach das Problem kaum lösen können.

Ein auch 2013 anhaltender CO2-Anstieg, primär verschuldet durch billige Kohle und noch billigere Verschmutzungsrechte, muss umso mehr die Notwendigkeit von regenerativen, respektive von Windenergie in den Fokus rücken. Ihr Potential für die Energiewende ist, ebenso wie für die Wirtschaft, praktisch nicht hoch genug einzuschätzen. Eine Durchsetzung der Initiative des bayerischen Ministerpräsidenten wäre dagegen ein Schritt zur Abkehr einer, erwiesenermaßen, großen Chance. Gerade in den Wochen des heißen Wahlkampfs wird immer wieder deutlich, dass Horst Seehofer seinen Kurs keineswegs alleine fährt, sondern erneuerbare Energien bisweilen längst wieder länder- und parteiübergreifend in Frage gestellt werden. So sprach sich etwa auch SPD-Chef Gabriel jüngst für die Abschaffung des EEG aus, der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle forderte gar einen sofortigen Ausbaustopp für Wind- und Solarenergie. Dabei ist ein schnelles und nachhaltiges Umdenken heute wichtig als niemals zuvor. Die anstehenden Bundestagswahlen werden richtungsweisend sein. Denn die Gefahr ist groß, dass am Ende keine der Parteien – sondern vielmehr die Energiewende als ganz großer Verlierer hervorgeht.

Mehr zum Thema erfahren Sie auch in der Sendung „Experiment Energiewende – Deutschlands einsame Revolution“ am Samstag, 07. September um 12.15 Uhr auf arte (WH am Donnerstag, 19.09. um 08:55 Uhr) oder auch online in der arte mediathek.

Quellen:

BR.de: Kommunalpolitiker verärgert über Seehofer, 03.09.2013
Handelsblatt: Gabriel stellt raschen Ausbau erneuerbarer Energien in Frage, 03.09.2013
FOKUS Online: Brüderle: Ab sofort keine Windräder und Solaranlagen mehr ans Netz, 03.09.2013
profil online: Windkraft: Was die Energiewende wirklich behindert, 02.09.2013
rueckenwind-bayern.de, 03.09.2013
sonnenseite.com: Fell: Seehofer ruft staatliche Verwaltung zum offenen Rechtsbruch auf, 03.09.2013
Der Tagesspiegel: Höchststand bei CO2-Gehalt in der Atmosphäre, 03.09.2013

Bild:

www.wetter.com

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