Geisterdebatte um Kosten der Energiewende

geld matttilda #1694790Sind die Erneuerbaren Energien die Ursache für die hohen Energiepreise? Das ist in vielen Köpfen offensichtlich fest verankert. Und dann rutscht auch noch der Ölpreis in den Keller. Brauchen wir also diese irrwitzig teure Energiewende überhaupt noch? Sollten wir sie nicht besser gleich stoppen?

Kritiker und Gegner der erneuerbaren Energien verschweigen allzu gerne, dass auch Atom und Kohle in der Vergangenheit stark subventioniert worden sind. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin spricht von einem dreistelligen Milliardenbetrag, der die Kosten für Rückbau und Endlagerung noch nicht einmal berücksichtigt. Vor allem aber sind diese Kosten – anders als bei der Energiewende – nicht auf die Strompreise umgewälzt worden.

Eine kluge Energiewende ist nicht zu teuer

„Was die Gespensterdebatte um angebliche Kosten und Strompreise vornehmlich verschweigt: Bei den genannten 24 Milliarden Euro handelt es sich nicht um Kosten im klassischen Sinne, sondern um Investitionen, die in der deutschen Volkswirtschaft Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen“, schreibt die Wissenschaftlerin in einem am Mittwoch veröffentlichen Kommentar. Sie kritisiert das Bundeswirtschaftsministerium, das sich „auch dieses Mal dieser hysterischen Debatte“ anschließe.

Vor knapp einer Woche hatte der CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs vor einem „finanziellen Desaster“ bei der Energiewende gesprochen und Sofortmaßnahmen verlangt. Die schnellstmögliche Abschaffung der Einspeisevergütung für erneuerbare Energien und die Umstellung auf Ausschreibungen, wie sie das Bundeswirtschaftsministerium mit der EEG-Reform dieses Jahr plant, ist laut Kemfert eine direkte Reaktion auf diese unseelige Kostendebatte. Zugleich verweist sie darauf, dass sich in anderen Ländern gezeigt habe, dass Ausschreibungen nicht automatisch den Preis für erneuerbare Energien und somit die Kosten senken würden.

Nach Ansicht von Kemfert ist zudem der Strompreis nicht als Indikator für die Kosten der Energiewende geeignet. „Die Strom-Börsenpreise, die immerhin ein Fünftel des Endkundenpreises ausmachen, sind sehr niedrig, sie werden jedoch nur selten an die Stromkunden weitergegeben. Der Strompreis steigt vor allem deswegen, weil der Kohle-Lobby Subventionsgeschenke in Milliardenhöhe gemacht wurden. Die wahren Energiekosten-Tsunamis entstehen ohnehin woanders: durch Altlasten der Atomenergie, Umweltverschmutzung und den Klimawandel.“

Sie plädiert dafür, trotz oder gerade wegen des niedrigen Ölpreises genau jetzt in die Energiewende zu investieren.

„Durch die Energiewende werden weniger fossile Energien importiert, dies hat die Energiekosten im letzten Jahr um circa 15 Milliarden Euro gesenkt“, schreibt Kemfert. Weitere Milliarden ließen sich einsparen, wenn man auf konsequentes Energiesparen setzen würde. Je niedriger Preis und Verbrauch, umso geringer die Energiekosten, so die einfache Rechnung. Der derzeit niedrige Ölpreis sei für die Energiewende hinderlich. Damit drohe der Umstieg auf erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität und Energieeffizienz verschoben zu werden. „Das verteuert den Prozess maßgeblich“, so die DIW-Wissenschaftlerin.

Langfristig seien die fossilen Energien aber keine Option und auch ein Umbruch braucht Zeit, weshalb die heutigen Investitionen elementar seien – auch und gerade für die Zukunft. „Je länger wir sie verschieben, desto teurer wird es tatsächlich. Nicht die Energiewende an sich ist teuer, sondern eine hysterische Kosten-Strompreis-Debatte macht sie teuer: Abrupte Änderungen in der Energiepolitik gefährden den Erfolg, sind ineffizient und teuer. Eine kluge Energiewende schafft hingegen eine langfristig nachhaltige Energieversorgung“, so das Fazit von Claudia Kemfert.

Anbei der vollständige Beitrag von Prof. Claudia Kemfert

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