Vom Saulus zum Paulus? Aigners Energiekonzept

Bayern wird seine letzten Atomkraftwerke im Rahmen des Atomausstiegs bis spätestens 2022 abschalten müssen. Auch deswegen ist es notwendig, sich über die künftige Stromversorgung in Süddeutschland Gedanken zu machen. Erneuerbare Energien könnten etwa verstärkt dezentral vor Ort ausgebaut werden. Deshalb braucht Bayern ein Energiekonzept, dass Aussagen dazu macht, wie hoch der Anteil von Wind- oder Solarstrom in Bayern sein soll oder auf welchen Trassen die Erdkabel verlegt werden.

Und nun die überraschende Nachricht: Das neue Energiekonzept der Bayerischen Staatsregierung sieht vor, dass bis zum Jahr 2025 der Anteil der Erneuerbaren Energien an der bayerischen Stromerzeugung auf 70 Prozent ansteigen soll! Das hört sich ja super an!

Heißt das, 10 H wird zurückgenommen und endlich können wieder Windräder dort errichtet werden, wo es sinnvoll ist? Befürwortet die Staatsregierung nun wieder den Bau von Biogasanlagen und stimmt sie dem Zubau von PV-Anlagen auf bislang „verbotenem“ Gelände wieder zu? Beginnt nun endlich der geplante, konsequente Einstieg in die Energiewende?

Aktuell liegt der Ökostrom-Anteil bei etwa 36 Prozent, will die Staatsregierung den Anteil also tatsächlich verdoppeln? Sind im lange erwarteten Energiekonzept von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) tatsächlich neue ehrgeizige Ziele gesetzt? Nein – natürlich nicht! Im Gegenteil: Von einer Verdoppelung des Ökostromanteils von derzeit 36 % auf 70 % kann nämlich keine Rede sein. Bisher wurde der Anteil der erneuerbaren Energien stets anhand des Stromverbrauchs berechnet angegeben. Nun wird plötzlich vom Anteil an der Stromerzeugung gesprochen.

Tatsächlich soll also der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2025 von derzeit knapp 65 Prozent (ohne Atomkraft) auf 70 Prozent gesteigert werden. Aigner hat also nur die Berechnungsgrundlage geändert – vom Stromverbrauch zur Stromerzeugung.

Dafür hagelt es Kritik. Deshalb beharrte Aigner offenbar darauf, weder vor der Presse noch im Landtag Einzelheiten zu nennen. Doch genauf auf diese Einzelheiten kommt es an …

Quelle: fotolia/Daniel Schönen

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