Radioaktive Strahlung rund um Fukushima steigt

Vier Explosionen in vier Tagen seit dem verheerenden Erdbeben, dazu ein Feuer: Die Situation im beschädigten Atomkraftwerk Fukushima I gerät zunehmend außer Kontrolle. In vier der sechs Reaktoren gab es seit Samstag Explosionen oder Feuer. Anders als die Detonationen brach das Feuer in einem für Wartungsarbeiten abgeschalteten Reaktor aus. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ereignete sich das Feuer in einem Lager für verbrauchte Brennstäbe. Radioaktivität sei von dort direkt in die Atmosphäre entwichen. Nach einer erneuten Explosion in Reaktor 2 und dem Brand in Reaktor 4 hat die Strahlenbelastung ein gesundheitsgefährdendes Niveau erreicht, die Radioaktivität verbreitet sich. Eine weitere Erhöhung der Belastung wird nun auch von Regierungsseite in Japan erwartet. Auch die Reaktoren 5 und 6 scheinen zunehmend Probleme zu machen.

Der Unfall im Atomkraftwerk Fukushima hat nach Einschätzung der Französischen Atomsicherheitsbehörde ASN inzwischen die zweithöchste Stufe in der Internationalen Bewertungsskala (INES) erreicht. Das Geschehen sei mit Stufe 6 von 7 zu bewerten, teilte ASN-Präsident  André-Claude Lacoste in Paris mit. Die Katastrophe von Tschernobyl hatte die Stufe 7 auf der INES-Skala. An die Bevölkerung werden inzwischen Jodtabletten verteilt. An eine Evakuierung Tokios ist jedoch nicht zu denken – das sei logistisch nicht möglich, bestätigt der Vorsitzende des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge (DKKV), Gerold Reichenbach.

Wie es im Inneren der beschädigten Reaktoren aussieht, weiß offenbar niemand – weder Betreiber Tepco noch die japanische Behörde für Atomsicherheit.  Der Betreiber des Atomkraftwerks hat seine Mitarbeiter größtenteils abgezogen. Der Brand in Reaktor 4 wurde daher von US-Navy-Soldaten bekämpft.

Auch in Rußland wird bereits von einer erhöhten radioaktiven Strahlung über Sibirien berichtet.

Aktuelle Daten zur Strahlenbelastung in Deutschland stellt das Bundesamt für Strahlenschutz den Bürgern im Internet zur Verfügung. Die Debatte um die Atompolitik der Bundesregierung und die Verlängerung von Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke hat sich neu entfacht.

Angesichts der Situation in Japan hat die schwarz-gelbe Regierung gestern ein 3-monatiges Moratorium zur Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke verkündet. Es sollen zum einen ältere Meiler abgeschaltet werden und zum anderen eine Sicherheitsüberprüfung stattfinden. Doch Opposition, Wissenschaftler und viele Bürger halten diese Maßnahmen für nicht ausreichend.

Viele Umweltschutzorganisationen, Wissenschaftler und Experten und hunderttausend Bürger haben gestern abend für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert oder entsprechende Stellungnahmen abgegeben.

Sie fordern, dass die Laufzeitverlängerung zurückgenommen und der von Rot-Grün beschlossene Atomkonsens wieder in Kraft tritt. Eine schnellstmögliche Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien wird laut Umfragen von der Mehrheit der Deutschen gewünscht.

Damit die vom Kreistag Starnberg in 2005 beschlossene Energiewende bis 2035 erreicht wird, müssen verstärkt alle Möglichkeiten einer nachhaltigen Versorgung mit Erneuerbaren Energien einbezogen werden. Mit einem Mix aus Solarenergie (Photovoltaik, Solarthermische Anlagen), Windkraft, Bioenergie, Geothermie und Wasserkraft sowie Energieeinsparung und Energieeffizienz kann das Ziel erreicht werden. Gemeinsam handeln – jetzt!

Quellen: ARD live, reuters, ntv-live, dpa – 15.03.2011

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