Schienenverkehr diskutiert Risiken des Klimawandels

Verkehrsunternehmen und Behörden verständigen sich über Anpassungsbedarf

Berlin/Frankfurt a. M., 9. Februar 2011 – Rund 50 Fachleute aus Verkehrsunternehmen, Behörden und Wissenschaft diskutierten gestern in Frankfurt am Main, wie Unternehmen und Politik den Folgen des Klimawandels für den Schienenverkehr begegnen können. Nach Expertenmeinung werden zukünftig etwa Extremniederschläge oder Hochwasser Infrastruktur und Fahrzeuge stärker treffen.

Der von der Universität Oldenburg und dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gemeinsam mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Deutschen Bahn veranstaltete Workshop brachte erstmals ein so breites Spektrum an privaten und öffentlichen Vertretern des Schienenverkehrs zum Thema Klimaanpassung zusammen.

Die Experten diskutierten den Einsatz temperaturbeständiger Materialien, veränderte technische Normen sowie neue Trassenführungen als Handlungsoptionen. „In Zukunft kommt es darauf an, Transparenz in der Kostenfrage zu schaffen. Es ist wichtig zu klären, wer bezahlt, wenn beispielsweise Gleisanlagen aufgrund häufigeren Hochwassers höher gelegt werden müssen“, unterstrich Klaus Eisenack, Juniorprofessor für Umweltökonomie an der Universität Oldenburg. Die Workshop-Teilnehmer betonten, dass Anpassungsmaßnahmen bei den Kriterien für die Vergabe von öffentlichen Geldern im Nah- und Fernverkehr stärker berücksichtigt werden müssen. Zudem wurde darauf eingegangen, wie Fragen der Klimasicherheit in Umweltverträglichkeitsprüfungen einzubinden sind.

Der Workshop fand im Rahmen des Forschungsprojektes „Chamäleon“ statt, das sich mit Anpassung an den Klimawandel in Unternehmen der öffentlichen Versorgung befasst. Auf dem Workshop stellten die Wissenschaftler eine deutschlandweite Befragung zum aktuellen Stand der Anpassung in Schienenverkehrsunternehmen vor, die sie in Kooperation mit dem VDV durchgeführt hatten. „32 Prozent der Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen haben, sehen ihren operativen Betrieb bereits heute von den Folgen des Klimawandels betroffen. Vor allem intensivere Extremwetterereignisse machen den Unternehmen zu schaffen“, so Maja Rotter, Wissenschaftlerin am IÖW. Trotz steigenden Problembewusstseins und zunehmender Auseinandersetzung mit Klimafolgen müssen in der Branche allerdings noch konkrete Anpassungsmaßnahmen an den vom Menschen verursachten Klimawandel entwickelt werden.

Der Branchenverband kündigte an, sich weiterhin mit dem Thema zu befassen. Uta Maria Pfeiffer vom VDV: „Unsere Branche ist sich bewusst, dass in diesem Bereich noch viele Aufgaben zu erledigen und Investitionen zu tätigen sind. Um die Versorgungssicherheit im Schienenverkehr auch bei fortschreitendem Klimawandel zu gewährleisten, sind die Verkehrsunternehmen bei der Finanzierung der entsprechenden Maßnahmen auch weiterhin auf die Unterstützung der Politik angewiesen.“

Redaktionelle Hinweise:

Die Ergebnisse des Workshops und der Unternehmensbefragung zum Anpassungsbewusstsein und -handeln in deutschen Schienenverkehrsunternehmen werden in Kürze über die Projektwebseite www.climate-chameleon.de bereitgestellt.

Die Forschungsgruppe „Chamäleon – Adaptation an den Klimawandel in Unternehmen der öffentlichen Versorgung“ untersucht betriebliche wie politische Anpassungsoptionen an den Klimawandel in Unternehmen des Verkehrs- und Energiesektors. Die Forschungsgruppe besteht aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunkts Sozial-ökologische Forschung (SÖF) gefördert.

Fachliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Klaus Eisenack
Leiter Forschungsgruppe „Chamäleon“Universität Oldenburg
Department für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften
Fon: 0441-798-4518
Email: klaus.eisenack@uni-oldenburg.de

Dr. Esther HoffmannForschungsgruppe „Chamäleon“
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
Fon: 030-884 594-22
Email: esther.hoffmann@ioew.de

Quelle: Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), www.ioew.de

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