So lohnt sich die Solaranlage auch künftig noch

Bundesweite Proteste vonseiten der Solarindustrie machen die Unzufriedenheit über die neuesten Kürzungen der Förderung deutlich. Ist mit der Gesetzesänderung überhaupt noch eine ökonomische Installation einer Solaranlage möglich? Die Antwort ist: Ja. Wer eine Anlage bauen oder in eine solche investieren möchte, kann – unter Beachtung einiger Grundregeln – auch künftig noch satte Gewinne machen.

Kleinanlagen

Für Kleinanlagen mit bis zu zehn Kilowatt Leistung sinkt die Förderung voraussichtlich zum 9. März, vielleicht auch erst zum 1. April, das ist noch nicht abschließend geklärt. Die Kürzung beträgt einmalig 20 Prozent. Klingt hart, tatsächlich ist sie nur leicht stärker und kommt etwas früher als die bislang geplante Kürzung von 15 Prozent zum 1. Juli.

Analysten sehen die Kürzung entspannt. „Wer eine Anlage „Made in Germany“ kauft, kann im Schnitt noch mit einer Rendite von fünf Prozent rechnen“, so Patrick Hummel von der UBS. „Wer eine Anlage mit chinesischen Modulen kauft, sogar mit sieben oder acht Prozent.“ Bei seinen Berechnungen geht Hummel davon aus, dass der Betreiber einer kleinen Solaranlage einen Teil des Stroms selbst verbraucht. Damit ist eine zweite Neuerung der Bundesregierung schon berücksichtigt: Betreiber kleiner Solaranlagen bekommen künftig für 15 Prozent ihres Jahresverbrauchs keine Förderung mehr.

Tatsächlich liegt in dieser Neuerung eine große Chance. So muss der Selbstversorger keinen teuren Strom zukaufen. Der Preisunterschied beträgt nach der Kürzung noch 4,5 Cent. Bei relativ höherem Eigenverbrauch steigt somit auch die Rendite des Anlagenbetreibers. Theoretisch können Kleinanlagenbesitzer bis zu 50 Prozent ihres Stroms selbst verbrauchen. Wer diesen Wert erreicht, wird sich auch in den kommenden Jahren noch profitabel Solaranlagen aufs Dach schrauben können. Laut Berechnungen des Instituts Prognos läge die Rendite selbst bei einem Fördersatz von 15 Cent noch bei bis zu 6,2 Prozent. Dieser Fördersatz wird nach den neuen Plänen der Regierung am 1. Oktober 2014 erreicht – und bis dahin dürften die Preise für Solarmodule kräftig gefallen sein, was wiederum die Rendite anhebt. Außerdem wird erwartet, dass die Anlagenpreise kräftig nach unten gehen werden.

Großanlagen

Bei Großanlagen, woran Privatpersonen meist über Fonds oder Bürgerkraftwerke beteiligt sind, sollte in Zukunft genau hingeschaut werden. Die Einspeisevergütung sinkt zum 9. März oder erst zum 1. April von rund 18 auf 13,5 Cent. Außerdem werden künftig nur noch 90 Prozent des Stroms vergütet. Die restlichen 10 Prozent müssen an der Börse verkauft werden und können nicht wie bei Kleinanlagen selbst verbraucht werden. Daraus ergeben sich rund sechs Cent weniger Gewinn, also weniger als sie durch die Einspeisevergütung bekommen hätten. De facto sinkt die Förderung dadurch auf rund 12,75 Cent.

Expertenmeinungen zufolge sollen Solarkraftwerke trotzdem rentabel bleiben. Nach brancheninternen Berechnungen besteht bereits bei einer Förderung von 11 Cent eine Rentabilität dieser Anlage – unter Verwendung eines Systempreises von 1,23 Euro pro Watt, 1000 Sonnenstunden im Jahr, und wenn man berücksichtigt, dass die Anlage eine durchschnittliche Lebensdauer von 30 Jahren hat.

„Nach der Absenkung rechnen wir für große Freiflächenanlagen noch mit Renditen von rund sechs Prozent“, sagt Hummel von der UBS. Für einen Privatinvestor sei das noch immer ein akzeptabler Wert. Bislang waren große Solarkraftwerke stark überfördert. „Investoren waren Renditen von 15 Prozent oder mehr gewohnt“, sagt Hummel.

Investoren müssen zudem beachten, dass sich nicht alle freien Flächen gleich sind. Oft werden Solarparks auf brachliegenden Militär-, Industrie- oder Gewerbeflächen gebaut. Diese müssen vor der neuen Nutzung aber erst umgewandelt werden, was die Kosten erhöht – und die Renditen schmälert. Solche Investitionen würden nun „für eine Übergangsphase unattraktiver“, schätzt Karl Kuhlmann, Chef der SAG Solarstrom.

Doch auch bei großen Anlagen gilt: Sinkende Modulpreise machen auch große Kraftwerksprojekte wieder rentabler.

Quelle: Spiegel

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