Einträge ‘Akzeptanz’

10-H-Regel Was das Windkraft-Urteil für Bayern bedeutet

Freitag, Mai 13th, 2016

Neue Windräder können in Bayern weiter nur mit großem Abstand zu Siedlungen gebaut werden. Das entschied der Bayerische Verfassungsgerichtshof. Das Umweltbundesamt und auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz warnen bereits vor einem Aus der Energiewende.

In Bayern müssen neue Windkraftanlagen die 10-fache Entfernung ihrer Höhe zu Siedlungen einhalten. Windräder sind aber meist erst ab einer Höhe von etwa 200 Metern bis zur Rotorspitze rentabel. Trotzdem wies der Bayerische Verfassungsgerichtshof mehrere Klagen unter anderem der Opposition zurück. Das bedeutet in Bayern faktisch das Aus für die Windenergie.

Im Februar 2014 hatte die CSU durchgesetzt, dass der Abstand eines Windrads zur nächsten Siedlung mindestens das Zehnfache („10H“) der Bauhöhe betragen muss. Unter anderem wurde dies mit der Akzeptanz begründet, obwohl wissenschaftliche Erkenntnisse dies eindeutig widerlegen.

Erhöht der Abstand die Akzeptanz?

Genau diese Frage hat die Professorin Gundula Hübner gemeinsam mit Johannes Pohl im Auftrag der Fachagentur „Windenergie an Land“ im vergangenen Jahr untersucht. Dazu wertete die Psychologieprofessorin von der Universität Halle-Wittenberg vier Studien aus, die auf 20 Standorte bezogen die Einstellungen von 1.300 Menschen abgefragt hatten. Das Ergebnis lautet eindeutig: Nein. „Ein bedeutsamer Zusammenhang mit dem Abstand lässt sich weder für die Akzeptanz noch für die Stresswirkung von Windenergieanlagen nachweisen“, heißt es im Fazit der Studie.

Tatsächlich stellen die Forscher fest, dass diejenigen, die Windräder direkt in der Nachbarschaft hatten, die Windenergie insgesamt positiver sehen als Menschen, die weiter weg wohnen. Das ist auch das Ergebnis einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im vergangenen Oktober für die Wind-Agentur erhoben hat. Im Oktober 2015 sind dafür 1007 Personen befragt worden. 81 Prozent der Befragten halten einen weiteren Ausbau der Windenergie für „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Die Hälfte der Befragten hat Windräder in der Nachbarschaft. Von diesen Anrainern bewerteten 80 Prozent die Windenergie positiv. Von den Nicht-Anwohnern sind „nur“ 74 Prozent der Windenergie gegenüber positiv eingestellt.

Bei modernen 200-Meter-Windkraftanlagen bedeutet dies einen Abstand zur Wohnbebauung von zwei Kilometern. Gemeinden können allerdings eine Ausnahme von der Regel beschließen, indem sie einen Bebauungsplan aufstellen. Doch diese scheuen davor zurück, wurde doch den Bürgern mit dieser Festlegung suggeriert, dass dieser Abstand eine Bedeutung habe – zum Beispiel hinsichtlich Sicherheit. Dabei ist diese Festlegung völlig willkürlich und auf Druck einer Minderheit jedoch umso lauter protestierender Bürger entstanden, denen Windräder einfach nicht gefallen.

Die Richter argumentieren: Je niedriger neue Windräder sind, desto mehr können nach wie vor gebaut werden – auch wenn diese nicht so rentabel sind. Es sei aber nicht auf die bestmögliche Ausnutzung der technischen Möglichkeiten abzustellen, entschied das Gericht. Es komme allein darauf an, ob ein sinnvoller Anwendungsbereich für die Windkraft verbleibe – und da dürften Windkraftanlagen unter 200 Meter Höhe nicht außer Betracht bleiben. Das bedeutet in der Realität: Es können aus wirtschaftlichen Gründen keine Windräder mehr gebaut werden, da sich der finanzielle Aufwand für den Bau unrentabler niedriger Windräder, die nicht genügend Strom erzeugen, nicht rechnet. Dazu gibt es bereits nachvollziehbare Berechnungen. So gibt es nicht nur in Bayerns Süden faktisch keinen einzigen Standort mehr, der nun wirtschaftlich betrieben werden könnte. Wieso blendet das Gericht technischen Sachverstand aus? Wo bleibt da der Realtitätssinn? Wenn der Wind in niedrigeren Höhen nicht ausreicht für den Betrieb von Windenergie, dann nützen noch so viele niedrige Windräder nichts. Außerdem bedeuten mehr Windräder doch auch mehr Verspargelung und mehr Versiegelung? In anderen Bundesländern werden viele niedrige, weniger rentable Windräder abgebaut und durch wenige hohe und leistungsstärkere Turbinen ersetzt: das nennt man übrigens Re-Powering. Das entlastet auch das Landschaftsbild und es ist effizient und sinnvoll für die Energiewende. Mit niedrigeren Windrädern – auch wenn es noch so viele sind – kann eben nicht gleichviel Strom erzeugt werden. Das Urteil ist eine Zwangsvollstreckung gegen die Energiewende und die Wirtschaft. Diese unsachliche Begründung spielt Quantität gegen Qualität aus ohne Rücksicht auf die Fakten und Tausende von Arbeitsplätzen, ja sogar billigend auf Kosten der Natur. So als ginge es nur um die Höhe – und das ist die Höhe! Der Strom kommt halt doch nur aus der Steckdose, zumindest bei den Verfassungsrichtern.

Entscheidung bereits in Hessen

Bereits im vergangenen September wurde in Hessen der Mindestabstand von Windrädern zu Siedlungen höchstrichterlich geklärt. Neue Windräder dürfen in dem Bundesland nur dann gebaut werden, wenn sie mindestens 1000 Meter von der nächsten Siedlung entfernt stehen. Der hessische Verwaltungsgerichtshof lehnte eine Klage eines Unternehmens ab, das einen geringeren Abstand durchsetzen wollte als es der im Jahr 2013 beschlossene Landesentwicklungsplan vorsieht. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.

Im Fall von Bayern hatte das Umweltbundesamt bereits die anderen Bundesländer gewarnt, ähnlich zu verfahren: Das Potenzial des Windkraftausbaus in Deutschland würde mit einem Mindestabstand von 2.000 Metern zu Wohnbebauung „praktisch auf null“ sinken, hat die Behörde errechnet. Die Energiewende wäre damit wohl am Ende.

Ein weiterer Interessanter Beirag zum Thema 10-H-Entscheidungin Bayern: http://www.tagesspiegel.de/politik/windenergie-und-die-10-h-regel-was-das-windkraft-urteil-aus-bayern-bedeutet/13571680.html

Eigene Zusammenfassung

Quellen: ntv, der tagesspiegel, br-online

EEG-Novelle gefährdet Arbeitsplätze

Samstag, April 16th, 2016

Der offizielle Referentenentwurf zum EEG 2016 liegt vor. Die Länder- und Verbändeanhörung ist damit eingeleitet worden. Dass die Mindestausschreibungsmenge weiterhin nicht definiert ist, verunsichert die Energiebranche und besonders die  Windbranche massiv. Denn gemäß der als „Weltformel“ verschrieenen Berechnung zur Ausschreibungsmenge wird die kostengünstige Windenergie auf eine Steuerungsgröße reduziert – auf Kosten von Arbeitsplätzen, Wertschöpfung und Klimaschutz.

„Dieser Entwurf steht im deutlichen Widerspruch zu der Tatsache, dass inzwischen alle Akteure im Bereich der Energiewirtschaft voll auf Erneuerbare Energien setzen“, kritisierte der Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), Hermann Albers.

Der BWE weißt das Bundeswirtschaftsministerium und Bundeskanzleramt seit mehreren Monaten auf die Defizite im EEG-Entwurf hin, der sowohl den Klimaschutzzielen als auch der Energiewende zuwider läuft und zudem erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen dürfte. So sind Tausende der aktuelle 150.000 Arbeitsplätze und die Spitzenposition der deutschen Windenergie-Branche im internationalen Markt gefährdet. Und auch die hohe Akzeptanz für die bislang günstigste aller erneuerbaren Energieformen – Windstrom – dürfte darunter leiden.

Auch in den kommenden Wochen tritt der Verband dafür ein, dass sich die jährlichen Ausschreibungsvolumina mindestens an der Bund-Länder-Einigung aus dem April 2014 von jährlich 2.500 MW netto orientieren. Ein Festhalten an einer EE-Zielbegrenzung von 45 Prozent am Stromverbrauch hält der BWE angesichts des Potenzials der Windenergie für die Sektoren Elektromobilität und Wärme für falsch.

Die deutsche Bevölkerung will mehr Energiewende

Donnerstag, Oktober 1st, 2015

Die Energiewende findet in der deutschen Bevölkerung weiterhin sehr hohe Zustimmung. Laut einer repräsentativen Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) halten 93 Prozent der Befragten den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien für wichtig bis außerordentlich wichtig. „Die Ergebnisse zeigen: Die Bevölkerung in Deutschland befürwortet einen weiteren entschlossenen Ausbau der Erneuerbaren. Die Politik sollte diese starke Unterstützung nutzen, um den Umbau der Energieversorgung weiter mutig voranzubringen“, erklärt AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer. Für 68 Prozent der Bevölkerung ist auch der Bau von Erneuerbaren-Energien-Anlagen am eigenen Wohnort laut den Ergebnissen der Umfrage eine gute Sache. Weiteres zentrales Ergebnis: Sind die Menschen mit Erneuerbaren-Anlagen vertraut, steigt die Zustimmung zu Solar-, Windenergie- und Biomasseanlagen sogar noch an. So erklären 59 Prozent der Umfrageteilnehmer, ein Windrad in der Nachbarschaft fänden sie gut oder sehr gut. Haben die Befragten jedoch bereits Windenergieanlagen in ihrem Wohnumfeld, so klettert die Zustimmung auf 72 Prozent. Quelle: AEE

Umfrage: Bürger sind weiterhin für Ausbau Erneuerbarer Energien

Donnerstag, Oktober 18th, 2012

Die deutschen Bürgerinnen und Bürger stehen den Erneuerbaren Energien nach wie vor sehr positiv gegenüber. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest fand heraus, dass 93 Prozent den verstärkten Ausbau der Erneuerbaren Energien für „wichtig“ bis „außerordentlich wichtig“ halten. Die Umfrage wurde von August bis Oktober 2012 im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien durchgeführt.

„Die deutsche Bevölkerung steht weiterhin in großer Geschlossenheit hinter dem Ausbau der Erneuerbaren Energien“, meint Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien zu den anhaltend guten Umfragewerten. „Denn die Umstellung der Energieversorgung auf regenerative Quellen bringt dem Wirtschaftstandort Deutschland und seinen Bürgern klare Vorteile“, so Vohrer. Auch der Großteil der Befragten ist dieser Meinung: 74 Prozent sind davon überzeugt, dass Erneuerbare Energien zu einer sicheren Zukunft der nachfolgenden Generation beitragen. Über zwei Drittel sehen den Klimaschutz als besonderen Vorteil der Energie aus Sonne, Wind & Co. an. Ebenso lässt die Unabhängigkeit von Energieimporten 62 Prozent für die Erneuerbaren stimmen.

Hohe Akzeptanz auch für Stromerzeugung aus Erneuerbaren in der Umgebung

„Die vielen Vorteile der Erneuerbaren Energien tragen dazu bei, dass die Bürgerinnen und Bürger auch notwendigen Anlagen im eigenen Wohnumfeld positiv gegenüber stehen“, kommentiert Philipp Vohrer die Umfrageergebnisse. Die Akzeptanz gegenüber Anlagen in der Umgebung des eigenen Wohnorts der Befragten ist groß und hat im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht zugenommen.

In der Umfrage kam heraus, dass zwei Drittel der Befragten Erneuerbare-Energien-Anlagen in der eigenen Nachbarschaft zustimmen. An der Spitze der Beliebtheitsskala liegen die Solarparks mit 77 Prozent, gefolgt von Windenergieanlagen mit 61 Prozent. Die Akzeptanz steigt sogar noch, wenn die Befragten bereits Vorerfahrungen mit entsprechenden Erneuerbaren-Energien-Anlagen gemacht haben. Bei Biomasseanlagen würde die Akzeptanz sogar auf 54 Prozent steigen, ein Unterschied von 18 Prozent gegenüber keinerlei Vorerfahrungen.

Bürger akzeptieren Netzausbau für den Ausbau Erneuerbarer

Ein weiterer Teil der Umfrage befasste sich mit den Umständen, unter denen Bürger dem Bau einer neuen Stromtrasse in ihrer Nachbarschaft (fünf Kilometer rund um den eigenen Wohnort) zustimmen. 63 Prozent der Befragten akzeptieren neue Leitungen, wenn sie notwendig sind, um den regional erzeugten Ökostrom zu transportieren. Ebenso viele stehen dem Netzausbau positiv gegenüber, wenn er erforderlich ist, um Deutschland vollständig mit Erneuerbaren Energien zu versorgen. Für drei Viertel der Befragten wären neue Kabel akzeptabel, wenn sie unterirdisch verliefen.

Weitere Grafiken mit den Ergebnissen der Umfrage 2012 sowie die Umfrageergebnisse der Vorjahre finden Sie unter: www.unendlich-viel-energie.de/de/panorama/akzeptanz-erneuerbarer-energien.html

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

Beteiligung fördert die Energiewende

Dienstag, Januar 31st, 2012

Für Großtechnologien wie beispielsweise Windparks besteht die große Herausforderung darin, Akzeptanz der Bevölkerung zu erhalten. Das Thema Akzeptanz wurde in einem Workshop von 60 Sozialwissenschaftler und Techniker am Wuppertal Institut erforscht. „Akzeptanzforschung zu CCS“ wurde speziell bei der in Deutschland vorerst gescheiterten Technologie Carbon Capture and Strorage (CCS), dem Abtrennen und Speichern von Kohlendioxid, erarbeitet.

Seit 2009 haben das Wuppertal Institut (WI) und das Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung (IEK-STE) die Kommunikation von CCS in Deutschland beobachtet. Die Sozialforscher kommen zu dem Schluss, dass die Kommunikation stärker darauf ausgerichtet werden sollte, den Nutzen einer Technik für die Gesellschaft zu vermitteln. Kommunikation sollte die Bürger befähigen, den Nutzen einer Technik eigenständig zu bewerten. Zukünftig soll in der Akzeptanzforschung näher untersucht werden, wie die Einschätzung von Nutzen entsteht und wie sie sich stabilisiert.

Doch neben CCS haben auch andere Technologien mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Die Sozialwissenschaftler kamen bei der Kommunikation von Technik in Deutschland auf vier auffällige Aussagen. Die Technik werde als Lösung im Innovationswettlauf angeboten, sie würde immer sofort mit Folgeproblemen verbunden, sie steht für eine Entfremdung im Alltag der Menschen, die sich als Angst vor Kontrollverlust zeigt und sie wird als Sündenbock für die Vertrauenskrise zu politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern benutzt. All das könnte durch frühzeitige Beteiligungskommunikation beeinflusst werden, die nicht nur auf Wissensvermittlung setzt.

Erfolgreiche Technikkommunikation erfordert laut Jürgen-Friedrich Hake (IEK-STE) einen rechtlich und politisch verbindlichen Rahmen für Klimaschutz. WI-Chef Manfred Fischedick wies auf das vermeintliche Dilemma hin, dass Beteiligung viel Zeit koste, die man wegen der notwendigen Beschleunigung von Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Energiewende aber eigentlich nicht habe. Gut gemachte Beteiligungsverfahren könnten aber genau das Gegenteil bewirken. Indem sie kontroverse Diskussionen vorwegnehmen und die Bürger/innen stärker einbinden, können sie in der Umsetzungsphase langwierige Prozesse ersparen, seien also netto betrachtet ein beschleunigendes Instrumentarium.

Die Ergebnisse des Workshops sollen im oekom Verlag als Buch veröffentlicht werden. Außerdem sind auf der englischsprachigen Webseite umfassende Informationen über das Forschungsprojekt „CCS Kommunikation“ vorhanden.

Quelle: BINE Informationsdienst