Einträge ‘Atomenergie’

Unterschriftensammlung zur Kündigung des EURATOM-Vertrags

Montag, Januar 19th, 2015

Ungeachtet der Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima unterstützen die Europäische Union und die EU-Kommission nach wie vor die Atomenergie. Durch die jüngst gefällte Entscheidung für die Subvention von zwei neuen Reaktoren im britischen AKW Hinkley Point wurde zudem deutlich, dass selbst vor dem weiteren Zubau von Kernenergieanlagen kein Halt gemacht wird.

Vor dem Hintergrund, dass die bestehende europäische Gesetzeslage den Ausbau und die Förderung der Atomenergie allerdings noch immer konkret vorschreibt, darf dies nicht verwundern. Als juristische Grundlage hierfür gilt der EURATOM-Vertrag aus den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Um diesen Missstand zu bereinigen, eine vollständige Abkehr von der Atomkraft überhaupt erst zu ermöglichen und damit die Bahn für eine rasche Energiewende zu ebnen, haben Heinz Stockinger von der Plattform gegen Atomgefahren (PLAGE) und der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell ein Manifest zur Kündigung des EURATOM-Vertrags verfasst.

Wenn auch Sie sich für ein baldiges Ende der Kernenergie stark machen möchten, unterzeichnen Sie das Manifest und erhöhen damit den politischen Druck auf die Europäische Union! Senden Sie hierfür einfach das mit Namen und Hauptfunktion(en) ergänzte Schriftstück postalisch an

PLAGE
Nonntaler Hauptstr. 86
5020 Salzburg / Österreich

Alternativ können Sie das unterzeichnete Dokument auch als Fax an die Nummer 0043-662-643567 oder via E-Mail an info[at]plage.cc schicken.

 

Quelle:
Hans-Josef Fell

Bild:
korneloni / www.pixelio.de

Bodenatlas 2015 zeigt globale Hinterlassenschaften der Atomenergie

Montag, Januar 12th, 2015

Ein erschreckend anschauliches Bild der über- und unterirdischen radioaktiven Kontamination der Erde bietet der „Bodenatlas 2015“, der jüngst von der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Institute for Advanced Sustainability Studies, dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland sowie der Le Monde diplomatique veröffentlicht wurde. Auf der in diesem Zusammenhang angefertigten Karte wird deutlich, in welchem Ausmaß die Hinterlassenschaften der Atomenergie dem Planeten Erde und den Menschen noch in den nächsten zehntausenden Jahren zu schaffen machen werden.

Welche Spuren der neuzeitliche „homo oeconomicus“ durch seine Lebensweise und sein exzessives Konsumverhalten darüber hinaus bereits auf dem Planeten hinterlassen hat, und inwiefern dies vor allem die Bewohner der ärmeren Erdteile negativ zu spüren bekommen, lesen Sie in der Gesamtausgabe des „Bodenatlas 2015. Daten und Fakten über Acker, Land und Erde“, der hier kostenlos zum Download bereit steht. Ebenfalls kostenfrei kann hier auch die gedruckte Version bestellt werden.

 

Quelle: www.bund.net
Karte: Bodenatlas 2015 / www.bund.net

EU-Atomsubventionen stoppen!

Freitag, Dezember 12th, 2014

Die Europäische Kommission hat im Oktober die umstrittenen Milliarden-Subventionen für das Atomkraftwerk Hinkley Point C in England genehmigt. Damitt folgt die Europäische Kommission der Empfehlung von Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Zur Begründung der beihilferechtlichen Genehmigung der Subventionen für das Atomkraftwerk Hinkley Point C verweist die EU-Kommission auf ein „echtes Marktversagen“. Im Verlauf der Untersuchung hätten die britischen Behörden nachweisen können, dass mit der Beihilfemaßnahme ein derartiges Marktversagen behoben werden könne. Anfängliche Zweifel der Kommission, wie in dem 70 seitigen EU-Prüfbericht vom Dezember 2013 zuvor dargelegt, hätten durch die Briten nachträglich „ausgeräumt werden können“.

Umwelt- und Naturschutzverbände empört

Zahlreiche Umweltschutzverbände wollen das nicht hinnehmen und auch Österreich klagt vor dem EuGH. Greenpeace: „Es gibt absolut keine rechtliche, moralische und umweltspezifische Rechtfertigung, Steuergelder dafür zu verwenden, die gefährlichste und teuerste Energiequelle zu subventionieren. Alle Hoffnungen der europäischen Atomkraftgegner ruhen nun auf Österreich. Die Bundesregierung muss die Verhinderung von Atomsubventionen nun zur Priorität erklären“, fordert Julia Kerschbaumsteiner, Energiesprecherin von Greenpeace.

Stoppt Brüssel – jetzt!

Jede EU-Bürgerin und jeder EU-Bürger hat das Recht, Beschwerde einzulegen. Die Elektrizitätswerke Schönau haben dies bereits getan und hierfür eine Kampagnenseite eingerichtet. Dieser Beschwerde hat sich jetzt auch der Vorsitzende des Vereins Energiewende Landkreis Starnberg e.V. angeschlossen.  Auf der Kampagnenseite www.ews-schoenau.de/kampagne kann man  in wenigen Minuten kostenlos mitmachen.

Also! Beschwert Euch!

Und vielen Dank für Euer Engagement!

 

Quelle: iwr-pressedienst, Elektrizitätswerke Schönau

Artikelfoto: BUND

DIW-Studie: EU-Grünbuch beruht auf veralteten Modellrechnungen

Mittwoch, Oktober 16th, 2013

DIW-Studie: EU-Grünbuch beruht auf veralteten Modellrechnungen

Während im Moment der öffentliche Fokus einmal mehr auf der Erhöhung der EEG-Umlage liegt, scheint die Frage nach den Kosten der konventionellen Energieträger zunehmend eine nur mehr marginale Rolle zu spielen. Mitschuld hierfür könnte, nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die Europäische Kommission in Brüssel tragen. Diese hatte zuletzt in ihrem Grünbuch „Ein Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030“ die Politik dazu aufgefordert, Einschätzungen für umwelt- und energiepolitische Entwicklungen jenseits des Jahres 2020 zu entwickeln. Laut einer Analyse des DIW basieren die Ausführungen jedoch, ähnlich wie bereits die „Energy Roadmap 2050“ aus dem Jahr 2011, auf veralteten Szenarioannahmen.  Konkret wurde vor allem kritisiert, dass die Kommission die Kosten für Atomenergie und CO2-Abscheidung systematisch unterschätzt. „Die Kosten für Atomenergie sind durch erhöhte Sicherheitsanforderungen nach dem schrecklichen Reaktorunfall in Japan nochmals weiter enorm gestiegen […]. Zusätzlich entstehen Kosten für die Endlagerung und sonstige Risiken, die zu großen Teilen von der Bevölkerung getragen werden“, so Prof. Dr. Claudia Kemfert vom DIW in der aktuellen Ausgabe der Schrot und Korn. Dies sei auch daran erkennbar, dass die in England geplante Umlage für den Neubau von Atommeilern den Verbraucher sogar mehr belasten würde, als es der Beitrag für die erneuerbaren Energien im Moment in Deutschland tut. Die Kosten regenerativer Energieträger werden dagegen nach der DIW-Studie systematisch überschätzt, respektive die für Photovoltaik, deren Kapitalkosten bereits heute teils unter den Werten liegen, die die Europäische Kommission für 2050 erwartet. Die Berliner Wirtschaftsforscher fordern daher eine Aktualisierung der Modellrechnungen, damit der europäischen Politik eine realistische und belastbare Entscheidungshilfe an die Hand gegeben wird, mit der sie tatsächlich einen nachhaltig erfolgreichen Weg in Richtung Energiewende beschreiten kann.

Die Studie des DIW Berlin finden Sie hier. Das Interview mit Prof. Dr. Claudia Kemfert in der aktuellen Ausgabe der Schrot und Korn finden Sie hier.

 

Quelle: diw.de, schrotundkorn.de
Bild: erneuerbareenergien.de

Energiewende: Anteil Erneuerbare Energien und Kernenergie fast gleich hoch

Dienstag, Dezember 13th, 2011

Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien und Atomenergie ist in Deutschland nahezu gleichauf. Auch 2011, wie bereits in den vergangenen Jahren, wurden die regenerativen Energien weiter ausgebaut. Das internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) berichtet über einen Anteil von rund 19 Prozent am Strombedarf, dies entspricht rund 113 Milliarden Kilowattstunden. Grundlage dafür sind erste Schätzungen und Erhebungen für das Jahr 2011.

Die bedeutendste regenerative Energie ist in Deutschland laut Forum mit 40 Milliarden Kilowattstunden die Windenergie. Das größte Wachstum mit einem Plus von 58 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Kilowattstunden verzeichnete hingegen die Solarenergie. Die Stilllegung der Kernkraftwerke nach dem Reaktorunfall in Fukushima führt dazu, dass 2011 voraussichtlich noch rund 110 (2010 waren es noch 140,6) Milliarden Kilowattstunden Strom aus Kernenergie erzeugt werden, so das IWR. „Erneuerbare Energien und Kernenergie stehen im Jahr 2011 an einem Wendepunkt“, kommentiert Dr. Norbert Allnoch, IWR-Direktor. Des Weiteren prognostiziert er, dass spätestens 2012 die regenerative Stromerzeugung in Deutschland dauerhaft über der aus Kernenergie liegen wird.

Quelle: IWR

Erneute Kernspaltung in Fukushima befürchtet

Donnerstag, November 3rd, 2011

Im japanischen Unglücks-AKW Fukushima hat angeblich eine neue Kernspaltung stattgefunden. Der Kraftwerksbetreiber Tepco bestätigte, im Reaktor 2 sei das Gas Xenon 133 und 135 gefunden worden. Bei den Gasen handelt es sich um Nebenprodukte einer atomaren Reaktion.

Da diese radioaktiven Isotope über nur geringe Halbwertszeiten verfügen, können diese erst kürzlich entstanden sein. Die Halbwertszeit von Xenon 133 beträgt etwa fünf Tage, die von Xenon 135 weniger als 10 Stunden. Strahlungs-, Druck-, und Temperaturverhältnisse im Reaktor seien jedoch nur unwesentlich verändert, so Tepco. Dennoch begann der AKW-Betreiber, dem Reaktor Borsäure über die Kühlwasserzuleitung zuzuführen, um die Gefahr einer unkontrollierten Kettenreaktion zu minimieren und einer atomaren Katastrophe entgegenzuwirken.

Tepco-Sprecher Osamu Yokokura beschwichtigte: „Wir haben bestätigt, dass der Reaktor stabil ist, und wir glauben nicht, dass dies einen Einfluss auf unsere künftige Arbeit haben wird.“ Eine Untersuchung des Vorfalls sei jedoch eingeleitet worden, teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde mit.

Japan forciert trotzdem weiter für Export seiner Atomtechnologie

Der Export von Atomtechnologie ist ein lukratives Geschäft, und er ist für Japans Regierung von zentraler strategischer Bedeutung. Entsprechend bemüht sich die Regierung darum, ihn voranzutreiben – ungeachtet der Atomkatastrophe.

Im Frühjahr wurden die Verhandlungen der japanischen Regierung mit entsprechenden Partnerländern zunächst auf Eis gelegt, nun gehen Staatschef Yoshihiko Noda und sein Außenminister Koichiro Genba wieder auf Werbetour.

Japans zweitgrößte Zeitung „Asahi Shimbun“ berichtete, die Verhandlungen über ein Abkommen zur zivilen Nutzung von Atomkraft mit Indien seien wieder aufgenommen worden. Zudem wird Technologie nach Vietnam exportiert, um dem Land beim Bau von zwei AKW in der Provinz Ninh Thuan zu helfen. Neben Indien und Vietnam laufen außerdem Verhandlungen mit der Türkei, Brasilien, Südafrika und den Vereinigten Arabischen Emiraten über Abkommen zur zivilen Nutzung von Atomkraft. Der Export von Hightech-Gütern – also zum Beispiel von AKW-Komponenten wie Druckbehältern, Dampferzeugern und Turbinenbäumen oder von Hochgeschwindigkeitszügen – ist eine zentrale Säule von Japans Wachstumsstrategie. Premier Noda bemüht sich, die seit 2008 lahmende Konjunktur anzukurbeln, die horrenden Staatsschulden abzubauen und den an die Decke gehenden Energiebedarf zu decken.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) solle aus der Katastrophe von Japan Lehren für den künftigen Umgang mit Notfällen ziehen, forderte kürzlich der stellvertretende chinesische Uno-Delegierte Wang Min. Das durch das Unglück erschütterte Vertrauen in die Atomenergie müsse wiederhergestellt werden.

Quellen: www.klimaretter.info, www.spiegel-online.de

Deutschland bei erneuerbaren Energien in der Weltspitze

Dienstag, Juli 26th, 2011

Renewables Global Status Report 2011 weist zweistellige Wachstumsraten aus

Der heute vom Politiknetzwerk REN21 veröffentlichte „Globale Statusbericht zu erneuerbaren Energien 2011“ (Renewables Global Status Report, GSR) bestätigt den weltweiten Trend hin zu erneuerbaren Energien und unterstreicht zugleich Deutschlands Spitzenposition. Mit einem globalen Anteil von rund 16 Prozent am Endenergieverbrauch und nahezu 20 Prozent am Stromverbrauch im Jahr 2010 hält das Wachstum der erneuerbaren Energien weiter an.

Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jürgen Becker dazu: „Weltweit liegt der Anteil der Erneuerbaren zur Stromerzeugung bereits deutlich über dem Anteil der Atomenergie. Deutschland hat sich mit der Energiewende klar positioniert. Der tief greifende Umbau der Energieversorgung hin zum regenerativen Zeitalter bedeutet vor allem eine Chance für kommende Generationen. Damit sind wichtige Investitionssignale für Innovationen und technologischen Fortschritt gesetzt.“

Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gudrun Kopp: „Die Bundesregierung unterstützt den weltweiten Siegeszug der erneuerbaren Energien, der neue Märkte und Wirtschaftswachstum schafft. Auch Schwellenländer bekennen sich dazu, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern. So haben die G20-Staaten beschlossen, ineffiziente Subventionen für fossile Energien abzubauen und klimafreundliche Energieträger zu fördern.“

Die globalen Investitionen in erneuerbare Energien wuchsen 2010 um mehr als ein Drittel auf 211 Milliarden US-Dollar an (2009: 160 Milliarden US-Dollar). Politische Ziele und Förderpolitiken sind weiterhin zentral für den Ausbau der erneuerbaren Energien und existieren bereits in mindestens 191 Ländern auf Staatenebene (2005: 55 Länder). Ein wachsendes Engagement ist in Entwicklungs- und Schwellenländern zu beobachten.

Windenergie verzeichnete 2010 den größten weltweiten Zubau, gefolgt von Wasserkraft und Photovoltaik. Erstmals wurde jedoch in Europa mehr Photovoltaik- als Wind-Kapazität zugebaut. Der Zubau an Photovoltaik in Deutschland in 2010 überstieg den insgesamt weltweiten Zubau aus dem Jahr 2009, sodass Deutschland im Bereich der netzgebundenen Photovoltaik globaler Spitzenreiter war. Im Jahr 2010 wurde nur in China mehr in neue Stromerzeugungs-Kapazität aus erneuerbaren Energien investiert als in Deutschland, die USA folgen auf Rang 3.

REN21 (Renewable Energy Policy Network for the 21st Century) ist ein globales Politiknetzwerk, das 2005 im Anschluss an die Bonner Konferenz „Renewables2004“ ins Leben gerufen wurde. Neben Regierungen, internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen sind Ver-treter aus Wirtschaft, Finanzsektor sowie der Zivilgesellschaft aus dem Energie-, Umwelt- und Entwicklungsbereich vertreten.

Quelle:  BMU

Delegiertenbeschluss: BN fordert sofortigen Atomausstieg

Samstag, Mai 28th, 2011

Auf seiner Delegiertenkonferenz am 15. Mai in Amberg bekräftigte der Bund Naturschutz Bayern (BN) mit einem einstimmigen Beschluss seine Forderung nach einem sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie und die konsequente Energiewende.  Die Atomenergie wird in der Presseerklärung des Bund Naturschutz Bayern als Blockadetechnologie bezeichnet, die eine schnelle Energiewende nur verhindere. Der Verband fordert stattdessen konkrete Maßnahmen im „Dreiklang aus  Atomausstieg, Klimaschutz und Arbeitsplatzsicherung“  und appelliert an die Politiker, sofort die Energiewende einzuleiten.

So fordert der BN die Abgeordneten des bayerischen Landtages und die bayerische Staatsregierung auf, den Atomausstieg und die ökologische Energiewende in allen Fachressorts und auf allen Ebenen durchzusetzen. Ein neues Atomausstiegsgesetz sei zu beschließen.  Der BN wirft der Staatsregierung zudem eine Blockadepolitik vor. Die ökologischen Steuerreform sowie schärfere gesetzliche Vorschriften und Programme zur Förderung von Energiesparen und Energieeffizienz in allen Bereichen müssten nun Vorrang erhalten.

Dazu zählen laut BN auch ein Energie sparendes Mobilitäts- und Siedlungskonzept mit Priorität bei Investitionen für Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Verkehr mit Bahn und Bus.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier:
BN-DV-Beschluss_Sofortausstieg aus der Atomenergie-11-05-17

und weitere Informationen erhalten Sie auf den folgenden Internetseiten von

Bund Naturschutz Bayern

Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland

Atomausstieg-bis-2021 verlängert das Risiko


Hält Bundesumweltministesr UBA-Atomstudie zurück?

Samstag, Mai 28th, 2011

Medienberichten zufolge hält Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) eine Studie des Umweltbundesamtes zurück, wonach ein Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie bis 2017 „problemlos machbar“ sei. Das Umweltbundesamt, das dem Bundesumweltministerum unterstellt ist, sieht demnach keine Gefahr für massiv steigende Strompreise und auch keine technischen Probleme, wenn das letzte Atomkraftwerk 2017 vom Netz geht.

Röttgen hat selbst bislang keine Aussage zu einem möglichen Ausstiegstermin getroffen. Offiziell wird von der Regierung verlautbart, man wolle den Ergebnissen der Ethikkommission nicht mit konreten Jahreszahlen vorgreifen.  Dass jedoch eine Studie zurückgehalten wird, die ein Ausstiegsszenario bis 2017 für machbar hält, könnte ebenso auf einen interessengeleiteten Vorgang hindeuten wie das jetzige inoffizielle Bekanntwerden der Studienergebnisse. Indes: Die Studie war bereits im April angekündigt worden, nachdem UBA-Präsident Jochen Flasbarth in Interviews berichtet hatte, ein Ausstieg aus der Atomenergie sei bis 2017 möglich.

Verfasser: Energiewende Landkreis Starnberg e.V. , E. Villing

Quelle: Münchner Merkur, Hannoversche Allgemeine Zeitung

World Future Council: AKW-Stresstests in Europa als Placebo?

Donnerstag, März 31st, 2011

Debatte: EU-Energiepolitik nach Fukushima

Die ersten Befürworter der Atomenergie werden sich bald zurückmelden, prophezeien Experten des World Future Council (WFC) in einem Standpunkt auf EurActiv.de. Die Politik müsse sich endlich mit der Vorstellung vertraut machen, dass eine Vollversorgung mit Erneuerbaren in den kommenden Jahrzehnten möglich ist.

Atomunfälle wie Tschernobyl 1986, Ölkatastrophen wie 2010 auf der Deepwater Horizon, Kriege, die um Öl und Ressourcen geführt werden – die Gefahren unserer konventionellen Energiequellen sind uns nicht erst durch die Katastrophe von Fukushima in Folge des Erdbebens vor Augen geführt worden. Und doch scheint es, als wäre der Mensch schlicht nicht imstande, aus den Fehlern zu lernen und alle notwendigen Schritte zu tun, diese unsicheren und zerstörerischen Energien hinter sich zu lassen. Wir werden die Uhr danach stellen können, bis die ersten Atomenergiebefürworter sich wieder lauthals zurückmelden und vor einem schnellen Ausstieg aus der Atomkraft warnen. Verständlich ist, dass die Bevölkerung vor allem dann für die Gefahren unserer derzeitigen Energieversorgung sensibilisiert ist, wenn die schrecklichen Bilder einer Katastrophe allgegenwärtig sind. Verantwortungslos allerdings sind Politiker, die sich immer nur in solchen Momenten für eine saubere Energieversorgung einsetzen, und ansonsten deren Einführung mit allen Mitteln blockieren.

In Deutschland, wo vor sechs Monaten noch eine vor allem den Energiekonzernen dienende Laufzeitverlängerung verabschiedet wurde, hat als Reaktion auf den Reaktorunfall in Japan und begleitet durch das hastig beschlossene Moratorium für die Laufzeitverlängerung die Debatte um Atomenergie wieder Fahrt aufgenommen. Allein am vergangenen Wochenende gingen in vier Städten zusammen über 200.000 Menschen auf die Straße und forderten einen schnellen Atomausstieg.

Die Regierung begründet das Moratorium damit, dass man erst einmal den gesellschaftlichen Konsens suchen müsse. Dies allerdings verwundert: Der von der rot-grünen Regierung beschlossene Atomausstieg stützte sich bereits auf die große Mehrheit in der Gesellschaft, die vor einigen Monaten beschlossene Laufzeitverlängerung dagegen nicht. Das Moratorium ist damit im Grunde das Eingeständnis der deutschen Regierung, die Laufzeitverlängerung nicht im Sinne der Versorgungssicherheit der Bevölkerung, sondern in erster Linie im Interesse der Energiekonzerne verabschiedet zu haben.

Noch beim EU-Energiegipfel im Februar betonten europäische Energieminister die große Bedeutung der Nuklearenergie für das Erreichen der EU-Klimaziele. Die unvorstellbar hohen und weitreichenden Gefahren der Technologie für Mensch und Umwelt werden dabei mit dem Begriff Restrisiko beiseite debattiert und sogar für Wachstums- und Wettbewerbschancen in Kauf genommen. Fukushima zeigt nun, was der Begriff Restrisiko beinhaltet, welchen Preis dieses Risiko hat.

Der Vorschlag von EU Energiekommissar Günther Oettinger nach Stresstests für alle europäischen Atomkraftwerke ist wohl eher der verzweifelte Versuch, die Atomenergie in Europa trotz der tragischen Bilder aus Japan am Leben zu halten. Freilich kann man gegen eine erneute Sicherheitsüberprüfung von Atomanlagen schwer etwas haben. Zu vermuten steht allerdings, dass diese Stresstest nichts als ein Placebo für die Bevölkerung sind, die im Angesicht der Katastrophe von Japan besonders empfindlich auf Atomenergie reagiert.

Auch ein Stresstest wird die Sicherheit von Atomanlagen nicht garantieren. Das weltweite Atommüllproblem und die Gefahr der militärischen Nutzung von Nukleartechnologie („Proliferationsrisiko“) bleiben ebenso ungelöst. Das alles wäre bereits Grund genug, schnellstmöglich aus der Atomenergie auszusteigen.

100 Prozent Ökostrom sind möglich

Die Forderung nach einem schnellen Atomausstieg ist richtig und notwendig. Ebenso deutlich müssen wir allerdings benennen, welche politischen Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den effizienteren Umgang mit Energie konkret, zuverlässig und rasch zu erreichen. Dabei muss sich die Politik auch endlich mit der Vorstellung vertraut machen, dass eine Energieversorgung, die sich zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien speist, in Europa innerhalb der kommenden Jahrzehnte möglich und notwendig ist.

Zahlreiche Organisationen, Institute und Verbände haben die technische und wirtschaftliche Machbarkeit bereits nachgewiesen. Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) zeigten bereits Anfang 2010, dass im Jahr 2020 statt der von der EU geforderten 18 Prozent in Deutschland bereits ein Anteil der EE von knapp 30 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch möglich ist. Und genau so wie die Gefahren der Atomenergie müssen auch die enormen Möglichkeiten der  Erneuerbaren Energien überzeugend in der Öffentlichkeit vermittelt werden. Denn nur dann wird die Bevölkerung die Transformation unserer Energieversorgung mittragen.

Zusätzlich brauchen wir größere Schritte auf europäischer Ebene. Die EU-Klimaziele, die bis 2020 einen Anteil der Erneuerbaren von 20 Prozent, eine Treibhausgasreduktion von 20 Prozent und eine Senkung des Energieverbrauchs von 20 Prozent vorsehen, müssen übertroffen werden. Zu den notwendigen Maßnahmen gehören unter anderem die Stärkung der nationalen Förderinstrumente im Bereich erneuerbarer Wärme und der beschleunigte Ausbau der Stromnetze.

Quelle: EurActiv.de-Newsletter / World Future Council (WFC)