Eintr&aauml;ge ‘Atomkraft’

Erneute Kernspaltung in Fukushima befürchtet

Donnerstag, November 3rd, 2011

Im japanischen Unglücks-AKW Fukushima hat angeblich eine neue Kernspaltung stattgefunden. Der Kraftwerksbetreiber Tepco bestätigte, im Reaktor 2 sei das Gas Xenon 133 und 135 gefunden worden. Bei den Gasen handelt es sich um Nebenprodukte einer atomaren Reaktion.

Da diese radioaktiven Isotope über nur geringe Halbwertszeiten verfügen, können diese erst kürzlich entstanden sein. Die Halbwertszeit von Xenon 133 beträgt etwa fünf Tage, die von Xenon 135 weniger als 10 Stunden. Strahlungs-, Druck-, und Temperaturverhältnisse im Reaktor seien jedoch nur unwesentlich verändert, so Tepco. Dennoch begann der AKW-Betreiber, dem Reaktor Borsäure über die Kühlwasserzuleitung zuzuführen, um die Gefahr einer unkontrollierten Kettenreaktion zu minimieren und einer atomaren Katastrophe entgegenzuwirken.

Tepco-Sprecher Osamu Yokokura beschwichtigte: “Wir haben bestätigt, dass der Reaktor stabil ist, und wir glauben nicht, dass dies einen Einfluss auf unsere künftige Arbeit haben wird.” Eine Untersuchung des Vorfalls sei jedoch eingeleitet worden, teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde mit.

Japan forciert trotzdem weiter für Export seiner Atomtechnologie

Der Export von Atomtechnologie ist ein lukratives Geschäft, und er ist für Japans Regierung von zentraler strategischer Bedeutung. Entsprechend bemüht sich die Regierung darum, ihn voranzutreiben – ungeachtet der Atomkatastrophe.

Im Frühjahr wurden die Verhandlungen der japanischen Regierung mit entsprechenden Partnerländern zunächst auf Eis gelegt, nun gehen Staatschef Yoshihiko Noda und sein Außenminister Koichiro Genba wieder auf Werbetour.

Japans zweitgrößte Zeitung “Asahi Shimbun” berichtete, die Verhandlungen über ein Abkommen zur zivilen Nutzung von Atomkraft mit Indien seien wieder aufgenommen worden. Zudem wird Technologie nach Vietnam exportiert, um dem Land beim Bau von zwei AKW in der Provinz Ninh Thuan zu helfen. Neben Indien und Vietnam laufen außerdem Verhandlungen mit der Türkei, Brasilien, Südafrika und den Vereinigten Arabischen Emiraten über Abkommen zur zivilen Nutzung von Atomkraft. Der Export von Hightech-Gütern – also zum Beispiel von AKW-Komponenten wie Druckbehältern, Dampferzeugern und Turbinenbäumen oder von Hochgeschwindigkeitszügen – ist eine zentrale Säule von Japans Wachstumsstrategie. Premier Noda bemüht sich, die seit 2008 lahmende Konjunktur anzukurbeln, die horrenden Staatsschulden abzubauen und den an die Decke gehenden Energiebedarf zu decken.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) solle aus der Katastrophe von Japan Lehren für den künftigen Umgang mit Notfällen ziehen, forderte kürzlich der stellvertretende chinesische Uno-Delegierte Wang Min. Das durch das Unglück erschütterte Vertrauen in die Atomenergie müsse wiederhergestellt werden.

Quellen: www.klimaretter.info, www.spiegel-online.de

Energiewende: UBA-Kurzstudie zur Energieversorgung

Freitag, Juni 3rd, 2011

Das Umweltbundesamt hält einen schnellen Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft ab dem Jahr 2017 für möglich und mit den Klimaschutzzielen vereinbar. So die neue Kurzstudie, die im Auftrag von Umweltminister Norbert Röttgen erstellt und vor Kurzem publiziert wurde. Damit der Atomausstieg klappt, empfiehlt die Behörde ein abgestuftes Vorgehen.

So sollen die ältesten sieben Atomkraftwerke und das Atomkraftwerk Krümmel schnellstmöglich abgeschaltet werden. Krümmel hat eine Leistung von 8,4 MW, die Netto-Gesamtleistung der 17 deutschen Atomkraftwerke beträgt 20,5 Gigawatt. Das UBA geht davon aus, dass derzeit Reservekapazitäten von rund 10 Gigawatt Leistung vorhanden sind. Deshalb seien auch bei Abschaltung der 7 Altmeiler und Krümmel Versorgung und Netzstabilität gewährleistet. Nach übereinstimmender Einschätzung der Übertragungsnetzbetreiber und der Bundesnetzagentur sei die Lager derzeit zwar angespannt, aber beherrschbar.

Problematisch könnte Situation eventuell im kommenden Winter werden. Damit der Netzbetrieb sicher ist, soll nach Ansicht der Übertragungsnetzbetreiber und der Bundesnetzagentur die Krafwerkseinspeisung in Süddeutschland über den Winter um 2000 MW gegenüber dem aktuellen Moratorium erhöht werden, was einem befristeten Weiterbetrieb von 1-2 Kernkraftwerken bis zum Frühjahr 2012 entspricht.

Das UBA gelangt jedoch zu der Einschätzung, dass in dem Szenario, das dieser Forderung zugrunde liegt,  offenbar zentrale Alternativen nicht oder nicht genügend berücksichtigt wurden. Das UBA konstatiert, dass die Ergebnisse nicht ausreichend belastbar seien. “Es hat keine hinreichende Berücksichtigung aller Maßnahmen stattgefunden, die zur Gewährleistung der Netzsicherheit eingesetzt werden können”, schreibt das UBA in der Zusammenfassung der Kurzstudie.

Das UBA empfiehlt die Festlegung einer Reihenfolge für die Stilllegung der restlichen Atomkraftwerke auf Basis einer genauen Überprüfung. Die AKW könnten jedoch, so das UBA, alle so zeitnah abgeschaltet werden, dass ab 2017 kein Strom mehr aus Atomkraftwerken stammt. Durch die bestehenden Kraftwerkskapazitäten, die Fertigstellung geplanter und im Bau befindlicher GuD-Kraftwerke sowie neuer, zu errichtender Biomassekraftwerke in Kraft-Wärme-Kopplung im Umfang von 5 GW könne die Abschaltung der AKW kompensiert werden.

Die vollständige Kurzstudie finden Sie hier: Umstrukturierung der Stromversorgung

Atomenergie als Brückenenergie schädlich

Freitag, Mai 13th, 2011

Regierung und Opposition sind sich derzeit uneinig darüber,  in welchem Jahr – 2020, 2025 oder 2030 – der geplante Atomausstieg möglich ist. Laut Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, wäre ein Ausstieg sogar in den nächsten zehn Jahren realistisch. Dies geht aus einem Interview mit dem Münchner Merkur hervor.

Wie schnell ein Ausstieg aus der Atomenergie möglich ist, hängt wesentlich von wirtschaftlichen sowie technischen Faktoren ab. In Bezug auf die technische Frage ist Prof. Bullinger davon überzeugt, dass die Kernenergie als Brückentechnologie nicht nötig sei, sondern im Gegenteil, der ansteigende Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland durch die geringe Flexibilität der Atomkraftwerke sogar behindert werde. Bezüglich der wirtschaftlichen Frage meint Bullinger, dass die Energiewende zu schaffen sei. Bis 2015 würden die Kosten für den Umstieg steigen – auf bis zu 13 Milliarden Euro jährlich – danach sinke aber die Belastung. Bis 2050 könnten durch die Energiewende sogar insgesamt 700 bis 800 Milliarden Euro eingespart werden.

Wind- und Solarenergie – Energiealternativen mit Potenzial

Um die Energiewende schaffen zu können, sind sowohl Wind- als auch Solarenergie notwendig. In Deutschland liegt der Anteil der Windenergie derzeit bei sieben Prozent. Langfristig könne dieses Potenzial auf 30-40 Prozent ausgeweitet werden. Die Solaranlagen tragen zur Zeit zwei Prozent zur Stromerzeugung bei. Prof. Bullinger geht davon aus, dass die Preise für Solarstrom weiter sinken und in etwa fünf Jahren Solarstrom für 11 bis 16 Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden könnte. Langfristig sei so mit einem Anteil von 14-15 Prozent zu rechnen. Gemeinsam mit der Windenergie würde dies den bisherigen Anteil der Atomenergie übersteigen, der momentan bei rund 22 Prozent liegt.

Sinnvolle Investitionen

Neben dem Netzausbau müsste vor allem in intelligente Speicher investiert werden. Für Stromspeicher gibt es mehrere Möglichkeiten: Beispielsweise könnten Batterien von Elektroautos in naher Zukunft als dezentrale Speicher dienen. Aber auch der Strom aus Windkraft könnte nach Norwegen geleitet werden, um damit Pumpspeicherkraftwerke zu betreiben. Die technischen Möglichkeiten dazu sind längst vorhanden.

Laut Fraunhofer-Präsident Bullinger würde für den Wissenschaftsstandort Deutschland die Energiewende ein enormes Potenzial bieten. In der Photovoltaik sowie in der Materialforschung, z.B. für Rotoren von Windkraftanlangen ist Deutschland derzeit führend.

Quelle: Münchner Merkur
Foto: www.brainding.de
Verfasser: Energiewende Landkreis Starnberg e.V., A. Opel

Ethikkommission diskutiert zur Zukunft der Energieversorgung

Samstag, April 30th, 2011

In der öffentlichen Beratung der Ethikkommission zur Zukunft der Energieversorgung kamen vergangenen Donnerstag vor allem Wissenschaftler zu Wort. Während eines zunächst sieben minütigen Statements konnten die Fachleute ihre Einschätzung zu den verschiedenen Zukunftsoptionen abgeben. Anschließend fand eine offene Fragerunde unter Leitung des Kommissions-Vorsitzenden Prof. Dr. Klaus Töpfer statt. Während sich die Vertreter der technischen Fachbereiche zu den Möglichkeiten des Ausstiegs aus der Kernenergie und dem Einsatz alternativer Energietechniken äußerten, befassten sich die Experten der gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen mit Fragen zu Risiken und Gefahren, Wohlstand und anderen ethischen Aspekten im Zusammenhang mit der der künftigen Energieversorgung.

Ausstieg bis 2017 möglich

Prof. Eicke Weber vom Fraunhofer ISE hält einen Ausstieg bis zum Jahr 2017 für möglich und betonte die bereits erreichten Kostendegressionen z.B. im Bereich der Photovoltaik. Als Vertreter für alle Sparten der erneuerbaren Energien gehören für ihn aber auch die weiteren regenerativen Sparten zur Energieversorgung der Zukunft. Prof. Eberhard Umbach vom Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) rechnete vor, wie sich ein Atomausstieg auf die Klimabilanz auswirken würde. Über die Einschätzung von Risiken sprach Frau Prof. Rafaela Hillerbrand vom Philosophischen Institut der RWTH Aachen. Ihrer Einschätzung nach sei auffällig, dass die Befürworter der Kernenergie stets auf die geringe Eintrittswahrscheinlichkeit von AKW-Unfällen hinwiesen, während sich die Gegner zumeist auf die immens hohen Schäden fokussierten, die im Fall der Fälle eintreten könnten. Prof. Ferdi Schüth vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung ist der Auffassung, dass die größte Unsicherheit bei einer Abschaltung der Atomkraftwerke in Deutschland die Netzstabilität sei. Erzeugungskapazitäten seien hingegen genügend vorhanden. Zudem geht Schüth nicht davon aus, dass die Nutzung von CO2 aufgrund des zu geringen Potenzials eine nachhaltige Option zur Verbesserung der Klimabilanz sei.

In einer dritten Runde werden aktuell weitere Forschungsinstitutionen wie Öko-Institut oder DIW, Unternehmensvertreter wie Schüco-Chef Dirk U. Hindrichs sowie Verbandsvertreter und Politiker angehört und deren Vorschläge und Statements diskutiert.

Weitere News und Meldungen zum Thema finden sich aufder Internetseite des IWR-Pressedienstes bzw. direkt unter den folgenden Links:
Ethikkommission: Schütz schlägt Aufschlag für fossile Energie vor
IWR: Beschleunigungs-Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien notwendig
Klimaschutz: Alternative zu Kyoto – Der CERINA-Plan
Zum Karriereportal der Energiewirtschaft

Quelle: IWR

Live-Ticker zur Ethikkommission

Donnerstag, April 28th, 2011

Wie kann eine sichere Stromversorgung ohne Atomkraft garantiert werden? Diese Frage wird heute in einer zehnstündigen öffentlichen Sitzung in Berlin  von der Regierung eingesetzte Ethikkommission erörtert.

.ausgestrahlt und IPPNW kommentierten live die Sitzung der „Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung“.  Mit einem Live-Ticker begleiten die atomkritischen Organisationen von 9 bis 20 Uhr die Sitzung auf der Webseite:  www.ausgestrahlt.de.

Quelle: www.ippnw.de, www.ausgestrahlt.de;

GFK-Umfrage: Verbraucher setzen auf erneuerbare Energien

Donnerstag, April 14th, 2011

Durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima (Japan) hat die Nutzung der Kernenergie weiter an Zustimmung verloren. Während im Januar dieses Jahres noch in jedem zehnten Privathaushalt die Energiegewinnung aus Atomkraft aus Gründen der Versorgungssicherheit und zum Klimaschutz (CO2-Minimierung) für zukunftsfähig gehalten wurde, ist die insgesamt schon geringe Zustimmung in der Bevölkerung nun nahezu vollständig verschwunden. Lediglich 4 % halten Investitionen in die Kernenergie für erforderlich, wie die aktuelle Ergebnisse einer repräsentativen Befragung der GfK Marktforschung aus dem April zeigen.

Auch die Sicherstellung der Stromversorgung ist lediglich für eine Minderheit von 5 % ein Argument, an der Nutzung der Kernenergie festzuhalten. Hier zeigen sich jedoch deutliche regionale Unterschiede in der Beurteilung:  Während im den alten Bundesländern knapp 4 % der Bürger/innen in der Kernenergie eine zukunftsfähige Technologie sehen, ist davon in den neuen Bundesländern immerhin noch jeder Zehnte überzeugt.

Quelle: Newsletter TGA-Fachplaner

Tschernobyl-Tag am 25. April – Kinospot

Dienstag, April 12th, 2011

Vor 25 Jahren kam es in Tschernobyl zum SuperGAU – und alle hatten gehofft, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Dann kam Fukushima. Seit gestern ist auch der Atomunfall in Japan, der als Folge eines Erdbebens auftrat, in der höchsten Gefahrenstufe 7  auf der INES eingeordnet – analog Tschernobyl. Experten vor Ort sprechen sogar davon, dass die Strahlenbelastung diejenige von Tschernobyl weit übersteigen könnte.  Deshalb ist es umso wichtiger, so schnell es geht für eine alternative, sichere und nachhaltige Energieversorgung zu sorgen. Dafür ist ein breiter Konsens in der Bevölkerung wichtig.

Deshalb rufen viele Umweltschutzverbände und Organisationen auf, sich gegen die Kernenergie einzusetzen – insbesondere zum 25 Jahrestag der Atom-Katastrophe von Tschernobyl.

Weitere Informationen finden Sie hier!

Verfasser: Energiewende Landkreis Starnberg e.V.

Atomkraft – eine unbeherrschbare Technologie

Montag, März 14th, 2011

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert die Bundesregierung auf, aus der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima Konsequenzen für die deutschen Atomkraftwerke zu ziehen.

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima I ist das Kühlsystem eines dritten Reaktors zusammengebrochen. Beim Ausfall des Kühlsystems in einem Atomreaktor drohen die Brennstäbe zu überhitzen, es kann zu einer Kernschmelze kommen. Tepco, der Kraftwerksbetreiber, leitet Meerwasser ein, um das System zu kühlen.

Zur atomaren Lage in Deutschland

„Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel Atomkraftwerke auf den Prüfstand stellen will, muss das bedeuten, alle Atomkraftwerk in Deutschland abzuschalten, die ältesten und gefährlichsten Anlagen sofort“, sagt BUND-Vorsitzender Hubert Weiger.

Laut Prof. Dr. Klaus Buchner, Atomphysiker und Sprecher der Bundesprogrammkommission der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) ist in Deutschland das Atomkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg besonders gefährdet. „Unter den beiden Blöcken von Neckarwestheim sackt laufend die Erde ab, wobei große unterirdische Hohlräume entstehen“, erklärt er und führt aus, dass sich 1995 der Kühlturm um 14 Zentimeter absenkte und 2002 in nur 4,5 Kilometer Entfernung ohne Vorwarnung plötzlich ein 18 Meter tiefes Loch entstand. Wenig später, im Jahr 2009, wurden neue unterirdische Hohlräume nachgewiesen. „Obwohl sehr viel Beton in die neu entstandenen Hohlräume gegossen wurde, ist das Problem nicht einmal annähernd gelöst“, so Buchner.

Aber auch in den anderen deutschen Atomkraftwerken gibt es unlösbare Sicherheitsprobleme. Insbesondere in den älteren Reaktoren führten Konstruktionsmängel und jahrelang ausgebliebene Nachrüstungen zu steigenden Risiken. Für wesentliche Konstruktionsmängel der alten Reaktoren wie veraltete Reaktorgebäude, Sicherheitsbehälter, Reaktordruckbehälter und Lagerbecken seien Nachrüstungen nicht möglich.

Es stellt sich verschärft die Frage nach der Sicherheit, nachdem die Kraftwerke nun vielfach sogar über den Zeitraum hinaus betrieben werden sollen, der ursprünglich in den Betriebsgenehmigungen zugrunde gelegt wurde.  „Wer nach einem solchen Störfall, wie er jetzt  in Japan eingetreten ist, einfach so weitermacht wie bisher und die Risiken weiter bagatellisiert, der handelt unverantwortlich und zynisch“, so der BUND-Vorsitzende Weiger.

Des Weiteren kritisiert der BUND die Äußerungen von Bundeskanzlerin Merkel, die Atomkraft sei für Deutschland eine wichtige Brückentechnologie. „Wer so argumentiert, der führt die Bevölkerung hinters Licht. Die Atomkraftwerke in Brunsbüttel oder Krümmel stehen nach Störfällen seit Jahren still. Sechs alte AKWs laufen für den Strom-Export. Wir können und müssen diese acht Atomkraftwerke sofort und endgültig vom Netz nehmen“, sagte Weiger. „Die Erneuerbaren Energien brauchen keine Brücke. Die Atomkraft passt nicht zum weiteren Ausbau von Sonne, Wind und Biomasse.“

Quelle: www.bund.net, www.oedp.de, www.tagesschau.de; Foto: www.brainding.de

Greenpeace: AKW-Laufzeitverlängerung ist verfassungswidrig

Freitag, Februar 4th, 2011

Karlsruher Richter sollen über neues Atomgesetz entscheiden.

Greenpeace hat gestern gemeinsam mit Anwohnern der sieben ältesten Atomkraftwerke Verfassungsbeschwerde gegen das 11. und 12. Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes eingereicht.

Die Umweltorganisation sieht in der von Schwarz-Gelb beschlossenen AKW-Laufzeitverlängerung sowie der Abschwächung von Schutzansprüchen der Anwohner von Atomanlagen das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit der Bürger verletzt.

Greenpeace klagt gemeinsam mit Anwohnern der AKW Neckarwestheim 1, Philippsburg 1, Isar 1, Biblis A und B, Unterweser, Brunsbüttel und Krümmel. Ein entsprechendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts könnte die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke wieder rückgängig machen.

“Der Deal mit den Atomkonzernen verletzt die im Grundgesetz garantierten Rechte der Bürger. Wenige profitieren von der Laufzeitverlängerung – das Risiko trägt die Allgemeinheit”, sagt Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace.”Der Weiterbetrieb der alten Reaktoren ist hochgefährlich, eine sichere Entsorgung des radioaktiven Abfalls nicht in Sicht. Es gibt keine andere Industrie, die so ungehindert Hochrisikoanlagen betreiben und den gefährlichsten Müll der Welt produzieren darf.”

Terrorgefahr für AKW kann nicht ausgeschlossen werden

Nach Ansicht der Kläger weisen die sieben ältesten deutschen Atomreaktoren erhebliche Sicherheitsmängel auf. Kein deutscher Reaktor kann dem Absturz eines großen Passagierflugzeuges standhalten. Die sieben ältesten Meiler verfügen zudem nur über einen geringen Schutz gegen den Absturz auch kleinerer Flugzeuge. Gegen einen Terrorangriff mit konventionellen Waffensystemen sind vor allem diese Anlagen ungeschützt. Greenpeace klagt derzeit zusammen mit Anwohnern auch wegen Terrorgefahr auf Widerruf der Betriebsgenehmigung für sechs der ältesten Atomreaktoren (Biblis A und B, Isar 1, Krümmel, Brunsbüttel und Philippsburg 1).

Ein weiteres Grundrechtsproblem stellt die ungelöste Frage der Endlagerung von Atommüll dar. Eine Lösung, die den nötigen Anforderungen genügt, existiert derzeit nicht. Es ist längst bewiesen, dass der Salzstock Gorleben nicht als Endlager geeignet ist, sagt Smital. Gorleben ist ein Trugbild, mit dem Gerichte und Gesellschaft getäuscht werden sollen. Zudem sehen die Kläger die Einschränkung der Klagemöglichkeit für Anwohner in der 12. Atomgesetznovelle als verfassungswidrig an.

Die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Bremen, Brandenburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen sowie die SPD und die Grünen wollen ebenfalls gegen die Änderung des Atomgesetzes vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Sie haben sogenannte abstrakte Normenkontrollklagen angekündigt und wollen prüfen lassen, ob das Gesetz ohne Zustimmung des Bundesrates verabschiedet werden durfte.

Neue Greenpeace-Studie: Energieversorgung Europas durch Erneuerbare Energien möglich!

Montag, Januar 24th, 2011

Ein neuer Greenpeace-Report zeigt auf, dass bis zum Jahr 2050 über 95 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien für Europa erzeugt werden können.

Die Studie “Battle of the Grids” – zu deutsch “Die Schlacht ums Stromnetz” – ist eine Anleitung für einen europäischen Systemwechsel. Die Netzintegration von 68 Prozent Erneuerbaren Energien in Europa ist bis 2030 wirtschaftlich und technisch möglich.

Dieser erste Schritt erfordert eine Investition von 100 Milliarden Euro bis 2030 in neue Netze – gerade mal ein Prozent mehr als bisher. Mit dem Umbau der Netzinfrastruktur könnte sich Europas Strom ab 2050 rund um die Uhr zu fast hundert Prozent aus Erneuerbaren Energien speisen.

“Die in der aktuellen deutschen Diskussion ständig wiederholte Behauptung, Erneuerbare Energien seien sündhaft teuer und nicht in der Lage eine verlässliche Vollversorgung mit Strom sicherzustellen, erweist sich als interessengeleitete Angstkampagne”, sagt der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Rainer Baake.

“Die Regierungen der EU-Länder – allen voran Deutschland – müssen sich für einen Systemwechsel entscheiden, ähnlich wie er in der Kommunikationstechnik von analog auf digitale Übertragung bereits vor Jahren vollzogen wurde,” sagt Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace International.

Die EU muss die Initiative für ein europaweites Stromnetz ergreifen, das den Austausch großer Mengen Strom aus variabel einspeisenden Sonnen-, Wind- und Wasserkraftwerden ermöglicht und damit auch den Bedarf an Stromspeicherkapazität reduziert.

Kostenfaktor Atomkraft

Tausende Windkraft- und Sonnenanlagen wurden im vergangenen Jahr zeitweise abgeschaltet, damit klimaschädlicher Atom- und Kohlestrom ungehindert durch die Leitungen strömen konnte. Der Grund: Atomkraftwerke sind nicht ohne Weiteres regelbar, ihr Strom verstopft regelmäßig die Netze. Um die Klimakiller Kohle und Atom vom europäischen Energiemarkt zu verbannen, muss in den Mitgliedsstaaten ein politischer Rahmen geschaffen werden. Mit der Laufzeitverlängerung setzt die deutsche Regierung das falsche Signal an Europa.

Lösungen

Der neue Greenpeace-Bericht führt die beiden Studien “Energy [R]Evolution undRenewables 24/7″ fort. Greenpeace hat gemeinsam mit dem technischen Institut “energynautics” zwei Netzausbau-Szenarien erarbeitet und stellt fest: Das Optimum liegt zwischen beiden Optionen.

Low Grid

  • Wie? Hoher Anteil dezentrale Energien, wenig Solarstrom-Import aus Nordafrika
  • Vorteil? Geringere Netzkosten
  • Nachteil? Höhere Stromerzeugungskosten

High Grid

  • Wie? Hoher Anteil an Solarstrom-Importen aus Nordafrika
  • Vorteil? Geringere Stromerzeugungskosten
  • Nachteil? Höhere Netzkosten

Die Netzinfrastruktur ist ein Schlüsselfaktor beim Systemwechsel und erfordert mehr Innovation beim Netzausbau. Greenpeace schlägt vor, entlang von Bahntrassen oder Autobahnen Stromkabel zu legen oder teilweise Oberleitungen der Eisenbahnen zu nutzen. Diese Maßnahmen stoßen auf deutlich weniger Widerstand aus der Bevölkerung und ermöglichen ein höheres Ausbautempo.

Quelle: www.greenpeace.de, www.kwh-preis.de; Foto: www.brainding.de

Studie: “Battle of the Grids” downloaden