Eintr&aauml;ge ‘Bundesregierung’

Deutsche Energieagentur lehnt Reserve-Atomkraftwerke ab

Donnerstag, Juli 14th, 2011

Atomkraftwerk Unterweser

Statt AKW vorhalten, lieber “Verbraucher” gezielt abschalten

Die Deutsche Energie-Agentur (kurz: dena) rechnet mit einem weitaus stärkeren Zuwachs an Strom aus erneuerbaren Energien als es die Bundesregierung in ihren Planungen vorsieht und betrachtet daher das geplante Reserve-AKW als nicht notwendig, wie der Fernsehsender n-tv heute auf seiner Internetseite vermeldet.

Der Chef der Deutschen Energie-Agentur Dena, Stephan Kohler, habe sich folglich dagegen ausgesprochen, ein altes Atomkraftwerk als Reserve für Engpässe im Winter am Netz zu lassen. “Im kommenden Winter könnte es knapp werden, aber nach unseren bisherigen Berechnungen kann die Versorgungssicherheit gewährleistet werden”, wird Kohler zitiert. Nach Ansicht Kohlers gibt es demnach eine Alternative zu einem Reservekraftwerk.

Derzeit prüft die Bundesnetzagentur, so weiter in der Meldung von n-tv, ob eines der abgeschalteten AKW als Reserve am Netz bleiben soll. Dazu der DENA-Chef Kohler: “Wir sollten nicht nur auf die Kraftwerke schauen, sondern in bestimmten Situation auch verbraucher gezielt abschalten.” Nach Meinung von Kohler gäbe es durchaus Möglichkeiten der Industrie für einzelne Abschaltungen – und schon entsprechende Angebote von Unternehmen. Dafür müsse man zwar etwas bezahlen. “Aber das wäre kostengünstiger, als ein Kernkraftwerk in Reserve zu halten.”

Die Annahmen der Bundesregierung, nach denen erneuerbare Stromquellen bis 2020 einen Anteil von rund 35 Prozent ausmachen, stufte Köhler zudem als überholt ein. Die Annahmen auf Bundesebene stimmten nicht mehr mit den Planungen der Länder überein. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz werde nicht gesteuert, in welchen Regionen der Ausbau wie schnell voranschreiten solle. Deshalb habe die Dena die Länder nach ihren tatsächlichen Plänen gefragt.

Die Windkraft an Land wächst schneller als prognostiziert

Das Ergebnis sei, dass 50.000 Megawatt allein aus Windkraft an Land bis 2020 nicht unrealistisch seien, sagte Kohler. “Das übersteigt, was bundesweit unterstellt wurde.” Mehrere Zeitungen hatten bereits berichtet, dass laut Dena schon 2022 bis zu 58 Prozent Ökostrom zu erwarten seien, insbesondere weil die Onshore-Windkraft regelrecht boomt. Nun erläuterte Kohler Details.

“Zum Beispiel Schleswig-Holstein hat die für Windparks freigegebene Fläche von 0,5 Prozent auf 1,5 Prozent erhöht”, sagte er. “Deshalb ist zu erwarten, dass allein hier 13.000 Megawatt Onshore-Windkraft gebaut werden. Bisher war man von 3700 Megawatt ausgegangen.” Für die Flächen stünden auch Investoren bereit.

“Da alle Länder die Energiewende vorantreiben, würde es laut deren Planungen insgesamt über 60.000 Megawatt Windkraft an Land bis 2020 geben”, so der Dena-Vorsitzende. “Wir können nicht sagen, ob die Planungen der Länder komplett Realität werden. Aber eine Verdoppelung des Zubaus auf jährlich 3000 Megawatt ist realistisch.” Also könnten bis 2020 rund 25.000 Megawatt zugebaut werden. Im vergangenen Jahr habe der Zuwachs noch 1600 Megawatt betragen.

Olympischer Gedanke: Wettbewerb der Länder und Kommunen angefacht!

Um die Steigerungen zu erreichen, müssten Höhenbeschränkungen von Windkraftwerken aufgehoben werden. “Da hören wir, dass Länder und Kommunen dazu bereit sind – nicht flächendeckend, aber auf relevanten Flächen”, sagte Kohler. Die Länder gingen in Konkurrenz zueinander. “Es gibt fast einen olympischen Gedanken.”

Deshalb forderte der Dena-Chef: “Wir werden einen noch stärkeren Netzausbau benötigen als in unserer Netzstudie II angenommen.” In dieser Studie ging die Dena davon aus, dass 3600 Kilometer Höchstspannungstrassen bis zum Jahr 2020 neu gebaut werden müssen. “Sonst werden Windkraftwerke gebaut, und der Strom kann nicht abtransportiert werden”, mahnte Kohler.

Quelle: n-tv

Greenpeace: Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke unverantwortlich

Montag, September 6th, 2010

Nach monatelangem Atom-Poker haben sich die Spitzen von Union und FDP am Sonntag auf längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke verständigt. Die 17 Atommeiler sollen im Schnitt zwölf Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant – gestaffelt nach älteren und jüngeren Kraftwerken.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat die Einigung der schwarz-gelben Koalition auf eine Verlängerung der Atomlaufzeiten um durchschnittlich zwölf Jahre als “schwarzen Tag für Deutschland” kritisiert. “Eine unverantwortliche Entscheidung”, sagte Atomexperte Tobias Münchmeyer am Sonntagabend in Berlin. Allein tausende Tonnen an zusätzlichem Atommüll würden dadurch anfallen.

“Die Laufzeitverlängerung ist ein reines Geldgeschenk der Regierung. Sie schadet Deutschland und nutzt den Konzernen”, sagte Münchmeyer. “Die Laufzeitverlängerung wird sich für die Union als Pyrrhussieg erweisen.” Das sehr lange Laufzeitplus werde vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Bestand haben. Da Schwarz-Gelb keine Mehrheit im Bundesrat hat, soll die Länderkammer umgangen werden – deshalb sind Klagen in Karlsruhe sicher.

Durchbruch in Atomstreit – Kritik am Laufzeitplus von Opposition und Umweltschutzorganisationen

Nach monatelangem Atom-Poker haben sich die Spitzen von Union und FDP am Sonntag auf längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke verständigt. Die 17 Atommeiler sollen im Schnitt zwölf Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant – gestaffelt nach älteren und jüngeren Kraftwerken. Das teilten Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Abend nach knapp zwölfstündigen Verhandlungen im Kanzleramt mit.

Im Gegenzug werden die Stromkonzerne mit Mrd.-Zahlungen auch für den Ausbau von Öko-Strom zu Kasse gebeten. Röttgen sprach hier von einem “substanziellen Beitrag” für erneuerbare Energien, Brüderle nannte einen Betrag von bis zu 15 Mrd. Euro. Atomkraftgegner reagierten empört auf den schwarz-gelben Kompromiss.

Der im Kanzleramt ausgehandelte Kompromiss sieht vor, dass jüngere Kernkraftwerke – ab dem Baujahr 1980 – 14 Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant, ältere Meiler acht Jahre zusätzlich. Das bedeutet, dass die letzten Kernkraftwerke voraussichtlich erst im Jahr 2040 vom Netz gehen. Bisher gilt nach dem von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg eine Laufzeit von 32 Jahren. Danach wäre der letzte der 17 Atommeiler in Deutschland nach aktuellem Stand 2025 vom Netz gegangen.

Röttgen sprach von einem “großen Erfolg” für die langfristige Versorgung mit erneuerbarer Energie. Brüderle nannte die Einigung ein gutes Konzept. Es würden in den nächsten Jahren 15 Mrd. Euro für die Öko-Energie “generiert”. Der Umbau der Stromversorgung werde somit forciert. Dies sei nicht nur wichtig für den Klimaschutz. Es gehe auch um die Technologieführerschaft Deutschlands.

Von der Verlängerung unabhängig sollen die Konzerne Eon , RWE , ENBW und Vattenfall ab 2011 eine Atomsteuer in Höhe von 2,3 Mrd. Euro pro Jahr zahlen. Die umstrittene neue Steuer wird aber auf sechs Jahre befristet und bis einschließlich 2016 erhoben, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Zusätzlich sollen die Atomkonzerne einen Sonderbeitrag zum Ausbau von Öko-Strom leisten. Er beträgt jeweils 300 Mill. Euro in den Jahren 2011 und 2012. Von 2013 bis 2016 liegt er bei je 200 Mill. Euro.

Die Koalition geht davon aus, dass ihr Atomkonzept nicht vom Bundesrat gestoppt werden kann. Je länger die Meiler zusätzlich am Netz sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Länderkammer zustimmen muss. Die Opposition hat bereits mit Verfassungsklagen gedroht. Das letzte Wort dürfte wohl das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe haben.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) kritisierte in der “Frankfurter Rundschau” (Montag): “Jetzt ist die Katze aus dem Sack, und die schwarz-gelbe Regierung zeigt, wie rückschrittlich sie in Energiefragen ist.” Dass die Kernkraftwerke bis zu 14 Jahre länger am Netz blieben, behindere den Ausbau der erneuerbaren Energien und koste deshalb langfristig sogar Geld.

Der Bundestags-Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, befürchtet angesichts des schwarz-gelben Kompromisses eine Atomkraft- Nutzung in Deutschland sogar bis zum Jahr 2050. Er sagte der “Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen” (Montag), erst in etwa 40 Jahren ginge nach den Regierungsplänen das letzte Atomkraftwerk vom Netz. “Auch unsere Kinder und Enkel hätten dann noch mit dieser gefährlichen Technologie zu tun.” Trittin begründete seine Berechnung so: “Von den alten Atomkraftwerken könnten die Betreiberfirmen Strommengen auf neuere Anlagen übertragen. Einzelne Meiler dürften dann noch mehrere Jahrzehnte Strom produzieren.”

Linke-Chefin Gesine Lötzsch sagte: “Der schwarz-gelbe Atomdeal trägt die Handschrift der Atomkonzerne. Die Stromlobby hat sich in entscheidenden Fragen durchgesetzt.” Die Atomkonzerne dürften mit abgeschriebenen Meilern billig Strom produzieren, ihn teuer verkaufen und die Gewinne zu großen Teilen einstecken. Lötzsch: “Dem Deal fehlt jede soziale Komponente. Noch nicht einmal eine gesetzliche Verpflichtung zu Stromsozialtarifen konnte Merkel den Konzernbossen als Gegenleistung abringen.”

Quelle: Handelsblatt online, dpa