Einträge ‘EEG Umlage’

Solar-Initiativen zur EEG-Umlage

Dienstag, Oktober 30th, 2012

Die EEG-Umlage ist eine notwendige und sehr sinnvolle Investition in eine zukunfts-fähige Stromversorgung. Sie führt daneben zu hohen Einsparungen an Klima- und Umweltschäden, erhöht die Unabhängigkeit von Energieimporten und stärkt besonders die ländlichen Räume in unserem Land.

Der Erfolg dieser Investition zeigt sich im Zubau der EE-Anlagen bei gleichzeitiger Kostensenkung (Solarstrom inzwischen ab 13 Ct/kWh). Wenn die Anlagen abge-schrieben, aber noch betriebsfähig sind, winkt uns langfristig eine sehr günstige Stromversorgung! Fossiler Strom aber wird immer teurer, selbst wenn man die vielen nicht im Strompreis enthaltenen Zusatzkosten (Umweltschäden etc.) außer Acht lässt.

Die fossile Stromwirtschaft empfindet dies zu Recht als existenzielle Gefahr für ihre Geschäfte und übt entsprechend Druck auf die Politik aus. Die schwarz-gelbe Koalition bläht absichtlich die EEG-Umlage künstlich auf, um den Atomausstieg und die Energiewende zu untergraben und regierungsnahen Wirtschaftssektoren Vorteile zu verschaffen.

Die Solarinitiativen werden sich mit aller Kraft gegen die von der FDP und Teilen der CDU geplante Verstaatlichung der Energiewende einsetzen. Notwendig ist zwingend eine faire Reform der EEG-Umlage, um die schwerwiegenden, von der Koalition selbst verursachten Fehlentwicklungen abzustellen. Gleichzeitig fordern wir eine wirksame Unterstützung der einkommensschwachen Bürger, damit sie mit steigenden Strom-, Heizöl- und Benzinpreisen besser zurecht zu kommen. Die Solarinitiativen sind gerne bereit, ihren Teil hierzu beizutragen.

Am 2. November ist der Energiegipfel im Kanzleramt. Es gibt eine Vielzahl von Aktionen, die sich für die Energiewende einsetzen und sich gegen das Vorhaben wenden, das EEG zugunsten einer Quotenregelung abzuschaffen. Bitte beteiligen Sie sich! Es sind nur noch 9 Tage bis zum Energiegipfel – jede Stimme wird gebraucht!

Das ausführliche Rundschreiben der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solar-Initiativen mit einer Auswahl unterstützenswerter Aktionen finden Sie hier!

Erneuerbare Energien sind nicht Kostentreiber der EEG-Umlage

Montag, Oktober 15th, 2012

„Solange noch herkömmliche Energien im Spiel sind, muss es einen dauerhaften politisch gesicherten Preisvorteil geben. Dies ist nur über Instrumente wie das EEG oder durch Steuervorteile in Höhe der vermiedenen sozialen Kosten möglich.“

Dr. Hermann Scheer (1944-2010)

Die heutige Bekanntmachung der neuen EEG-Umlage für das kommende Jahr durch die Übertragungsnetzbetreiber suggeriert, dass die Kosten der Erneuerbaren Energien stark steigen würden. Die steigende EEG-Umlage ist jedoch auf den Tatbestand von zusätzlichen Kostentreibern zurückzuführen, die sie unnötig erhöht und die strompreissenkende Wirkung der Erneuerbaren nicht berücksichtigt. Denn der reine Förderungsanteil für den Zubau von Erneuerbare-Energie-Anlagen an der gesamten EEG-Umlage 2013 von 5,28 Cent/kWh steigt nur von rund 2,1 auf 2,3 Cent/kWh, das ist weniger als die Hälfte der gesamten Umlage.

„Bei einem stetigen Ausbau der Erneuerbaren Energien ist diese kleine Erhöhung eine hoch effiziente und äußerst profitable Investition, bei einer Beschäftigung von 380.000 Menschen in Deutschland, einem Anteil Erneuerbarer Energien von mittlerweile fast 25  % an der deutschen Stromerzeugung und einer weltweit führenden und innovativen Industrie“ meint Prof. Peter Droege, Präsident von Eurosolar.

Die folgenden Kostenfaktoren beschweren die EEG-Umlage zusätzlich:

  • Ausgeweitete Industrieprivilegien (Besondere Ausgleichsregelung). Die EEG-Umlage könnte um ca. 1,4 Cent/kWh befreit werden, wenn alle Stromverbraucher zur Finanzierung der EEG-Umlage herangezogen würden und die kostensenkende Wirkung der Erneuerbaren Energien auf die Börsenpreise (sog. Merit-Order-Effekt) mit der EEG-Umlage verrechnet würde
  • Steigende Vergütungszahlungen für einen unnötigen Offshore-Windenergieausbau
  • Prämien zur Direktvermarktung (Marktprämie) des regenerativen Stroms, die jährlich zirka 500 Mio. Euro Zusatzkosten ergeben

Die Begründung der steigenden EEG-Umlage mit den zu hohen Kosten des Ausbaus der Erneuerbaren Energien verschleiert die eigentliche Tatsache, dass der Strompreis in den letzten Jahren kontinuierlich durch die preistreibenden fossil-atomaren Energieträger gestiegen ist, so Dr. Axel Berg, Vorsitzender von Eurosolar-Sektion Deutschland. Denn würde man – wie beim transparenten EEG – alle Subventionen für das konventionelle Energiesystem dem Strompreis zurechnen, würde dieser um 10 Cent/kWh teurer werden.

Durch die politische und mediale Konzentration auf die gestiegene EEG-Umlage, können die Erzeuger konventioneller Energie permanent Druck auf die Politik ausüben, um das wirksame EEG als Ganzes in Frage zu stellen. Dies erklärt auch, warum der Wirtschaftsminister eine radikale Überarbeitung des EEGs vom Umweltminister noch unbedingt vor der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2013 fordert.

Eurosolar, eine Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien, fordert die Befreiung der EEG-Umlage von unnötigen Kosten und dem Festhalten an den Grundprinzipien des EEGs, wie Vorrang, Abnahmepflicht und feste Vergütung für regenerative Energien. Dass diese wichtigen Prinzipien des EEGs nun über die Kostenfrage angegriffen werden und der regenerative Ausbau nach dem Umweltminister nun auf allen Ebenen, quantitativ, zeitlich und räumlich gemaßregelt werden sollen, hatte schon Dr. Hermann Scheer in seinem letzten Buch „Der energethische Imperativ“ vorhergesehen. Das EEG ist die transparenteste Rahmengebung für den beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien und international als das erfolgreichste Förderinstrument anerkannt.

Quelle: Eurosolar

Bild: fotolia

EEG-Umlage preist mehr ein als nur die Förderung Erneuerbarer Energien

Freitag, September 7th, 2012

In wenigen Wochen werden die Übertragungsnetzbetreiber ihre Prognose zur Höhe der EEG-Umlage 2013 veröffentlichen. Wie hoch die Umlage im kommenden Jahr sein wird, hängt von mehreren Faktoren ab: Die Umlage wird von der Förderung der Erneuerbaren Energien, wie etwa von der Marktprämie oder der Entlastung energieintensiver Unternehmen beeinflusst. Diese zusätzlichen Kostenfaktoren führten bereits in diesem Jahr dazu, dass die EEG-Umlage derzeit 3,59 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh) beträgt, obwohl die Förderung der Erneuerbaren Energien nach Berechnungen des Instituts für ZukunftsEnergiesysteme (IZES) lediglich 2,83 ct/kWh benötigt. Des Weiteren sind energieintensive Unternehmen von der EEG-Umlage befreit, was zu einer zusätzlichen Belastung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie der Privathaushalte führt. Selbst die Bundesnetzagentur wird dies mit Sorge betrachtet.

Privilegierte Industrieunternehmen halten EEG-Umlage hoch

Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, meint: „Mindestens 0,6 Cent je Kilowattstunde sind quasi Industrieförderung, denn das EEG entlastet hunderte energieintensive Unternehmen über die Besondere Ausgleichsregelung von der Umlage, die eigentlich jeder Stromverbraucher bezahlen muss. 730 Unternehmen der Chemie-, Stahl- oder Aluminiumindustrie zahlen lediglich ein Zehntel oder ein Hundertstel der Umlage. Allein 2012 wird sich die Entlastung der privilegierten Unternehmen auf rund 2,5 Milliarden Euro belaufen. „Für diesen Betrag kommen statt der Industrie die Privathaushalte und der Mittelstand auf“, so Vohrer.

Die Ausnahmeregelung führt laut dazu, dass die privilegierten Unternehmen zwar 18 Prozent des gesamten Stroms verbrauchen, allerdings nur für einen Anteil von 0,3 Prozent am Umlagebetrag aufkommen. Das geht aus einem Evaluierungsbericht zur Ausgleichsmechanismusverordnung hervor, den die Bundesnetzagentur (BNetzA) im Mai veröffentlicht hatte. Dieses Missverhältnis hat Konsequenzen für die Höhe der EEG-Umlage: Sie könnte im Jahr 2012 lediglich 3 Cent je Kilowattstunde betragen, wenn alle umlagepflichtigen Letztverbraucher gleich belastet würden, schätzt die BNetzA. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Erneuerbaren Energien als angebliche Kostentreiber, ist diese Zahl sehr spannend“, erklärt Philipp Vohrer. „Denn sie zeigt, dass die EEG-Umlage mittlerweile weit mehr Aufgaben zu erfüllen hat, als nur die reine Förderung Erneuerbarer Energien.“

Preisentwicklung setzt sich fort

Auch in Zukunft ist ein solcher Effekt zu erwarten: Die BNetzA geht davon aus, dass die Industrieprivilegien die EEG-Umlage auch in Zukunft in die Höhe treiben werden. Denn die seit Anfang 2012 geltende Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) weitet die Privilegierung für energieintensive Unternehmen erneut aus. Entsprechend werde sich die EEG-Umlage 2013 – auch unabhängig von den Förderkosten neuer Erneuerbare-Energien-Anlagen – für die verbleibenden Stromkunden erhöhen, so die Befürchtung der BNetzA. Die Behörde beobachtet diese Entwicklung mit Sorge und empfiehlt in ihrem Bericht: „Es gilt zukünftig die richtige Balance zwischen der notwendigen Entlastung der stromintensiven Industrie und der Belastung für kleine und mittlere Unternehmen sowie der Haushaltskunden zu finden.“

Einflüsse der EEG-Umlage

Neben der Förderung Erneuerbarer Energien und den Kosten der Industrieprivilegien gibt es weitere Summanden der EEG-Umlage. Zum Beispiel den Merit-Order-Effekt: Wegen niedriger Grenzkosten verdrängt der Strom aus Wind, Sonne & Co. an der Strombörse zunehmend den teuer erzeugten konventionellen Strom. Dadurch verbilligt sich der Börsenstrompreis. Das lässt allerdings die EEG-Differenzkosten steigen – so erhöht sich innerhalb der Umlage der Bestandteil für die Förderung der Erneuerbaren.

Ein weiterer Steigerungsfaktor der EEG-Umlage sind die Kosten der seit 2012 geltenden Marktprämie. Sie gilt für Ökostrom-Anbieter, die ihren Strom nicht zu festen EEG-Konditionen an den Netzbetreiber liefern, sondern an der Börse vermarkten. Liegt der Börsenpreis unter der Vergütung aus dem EEG, bekommen die Anlagenbetreiber die Differenz erstattet. Zusätzlich erhalten die Erzeuger eine Managementprämie; für Betreiber von Biogasanlagen ist außerdem noch eine Flexibilitätsprämie vorgesehen.

Den Evaluierungsbericht der Bundesnetzagentur können Sie hier herunterladen.

Die Zusammenfassung der IZES-Studie „Eruierung von Optionen zur Absenkung der EEG-Umlage“ (Januar 2012) im Forschungsradar Erneuerbare Energien finden Sie hier.

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

EEG-Umlage: Immer weniger Firmen wollen zahlen und steigen aus

Freitag, August 31st, 2012

Immer mehr Firmen „drücken sich“ vor der EEG-Umlage. So berichtet IWR, dass sich beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)  die Anträge von Firmen auf Befreiung von der EEG-Umlage stapeln. Nach einer IWR-Anfrage vom 23. August 2012 hätten 2024 Unternehmen einen Antrag auf Befreiung von der EEG-Umlage für das Jahr 2013 gestellt. Grund ist eine gesetzliche Änderung zum 01.01.2013, wonach Unternehmen mit einem Stromverbrauch von einer Gigawattstunde (GWh) pro Jahr von der EEG-Umlage befreit/reduziert sind. Bisher lag die Grenze bei 10 GWh Stromverbrauch. Die Folge: Mit der Absenkung der Verbrauchsgrenze zahlen immer weniger Firmen in den EEG-Umlagefonds ein. Die prognostizierte Strommenge, die von der EEG-Umlage befreit ist, erhöht sich von bisher 85 Mrd. Kilowattstunden (kWh) auf etwa 107 Mrd. kWh.

Steigende Umlage durch weniger Einzahler befürchtet

Weil die Zahl derjenigen, die die EEG-Umlage zahlen, sinkt, steigt voraussichtlich die Höhe der EEG-Umlage je kWh. Mit Spannung wird erwartet, wie die Höhe der EEG-Umlage für das Jahr 2013 ausfallen wird. Mitte Oktober wird dieser Wert für das Folgejahr von den Übertragungsnetzbetreibern bekannt gegeben. Klar ist, dass sich der Beitrag pro kWh erhöhen wird, wenn sich die Zahl der an der Umlage beteiligten Unternehmen und damit die Höhe der voll umlagepflichtigen Strommenge reduziert.
Die Entlastung für die Industrie ist nach der abgenommenen Strommenge gestaffelt. Nach der sog. „Besonderen Ausgleichsregelung“ zahlen Industriebetriebe ab der ersten GWh nur zehn Prozent der Ökostrom-Umlage, ab der zehnten GWh nur ein Prozent. Für ganz große Energieverbraucher, die mehr als 100 GWh im Jahr abnehmen, ist der EEG-Umlage-Beitrag auf 0,05 Cent je kWh festgeschrieben. Private Stromverbraucher zahlen derzeit pro kWh eine EEG-Umlage in Höhe von 3,592 Cent/kWh. Das ist mehr als das 70-fache dessen, was die größten Abnehmer aus der Industrie je kWh zahlen.

Berechnung der EEG-Umlage

Die EEG-Umlage funktioniert wie ein Fonds mit Ausgaben und Einnahmen. Die Vergütungszahlungen an die Betreiber sind die Bruttoausgaben (in 2011: rd. 16,4 Mrd. Euro). Einnahmen entstehen aus den Verkaufserlösen für den EEG-Strom an der Strombörse (in 2011 laut EEG-Umlagekonto rd. rd. 4,4 Mrd. Euro). Die EEG-Umlage setzt sich grob aus den Vergütungszahlungen (Ausgaben), vermindert um die Verkaufserlöse (Einnahmen) zusammen, und beträgt für 2011 etwa 12 Mrd. Euro (vereinfachte Darstellung). Aus diesem Grund führt auch ein sinkender Strompreis an der Börse, was durch die zunehmende Vermarktung von EEG-Strom über die Börse aktuell feststellbar ist, paradoxerweise zu einer Erhöhung der EEG-Umlage. Als weitere Faktoren für die exakte Ermittlung der EEG-Umlage spielen noch eine vorzuhaltende Liquiditätsreserve sowie der Verlustvortrag aus dem Vorjahr eine Rolle. Der umzulegende Betrag für die Förderung erneuerbarer Energien wird durch die Ausnahmeregelungen für die Industrieverbraucher auf immer weniger Letztverbraucher verteilt und steigert die EEG-Umlage je kWh.

Weitere Meldungen und Informationen zum Thema EEG-Umlage und Strompreisdiskussion
Altmaier gegen vorschnelle EEG-Reform
EEG-Umlage: Energieintensive Industrie trägt nur 0,3 Prozent
Presseinfos: Fakten rund um die Energiewende
IWR im Spiegel der Medien

Quelle: IWR-Pressedienst, 2012

Neue Studie: Kohlestrom ist teurer als erneuerbarer

Dienstag, August 28th, 2012

Kohle- und Atomstrom ist teurer als Strom aus erneuerbaren Rohstoffen. Das ist Ergebnis einer kürzlich in Berlin vorgestellten Studie des „Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft“.

Würden alle tatsächlich angefallenen Kosten auf den Strompreis umgelegt, läge die Umlage für Kohle- und Atomstrom bei 10,2 Cent je Kilowattstunde. Die EEG-Umlage, mit der der Ausbau der erneuerbaren Energien gefördert wird, ist dagegen fast dreimal niedriger: sie liegt für Privatverbraucher bei etwa 3,6 Cent – für Industriekunden ist sie noch viel niedriger.

Die Autoren der Studie  listen die umfangreichen staatlichen Förderungen auf, mit denen die Verstromung von Kohle bzw. Uran gefördert wurde. Während die Stromerzeugung mit Steinkohle zwischen 1970 und 2012 insgesamt 177 Milliarden Euro an Förderungen, Braunkohle 65 Milliarden und die Atomstromproduktion sogar 187 Milliarden Euro erhielt, kommen die erneuerbaren Energien bis heute gerade einmal auf 54 Milliarden Euro. Die Verbraucher mussten die Kosten für Kohle und Atom über Steuern und Abgaben indirekt zahlen, erklärt Swantje Küchler vom Forum. „Die Umlage für die Erneuerbaren ist dagegen wesentlich transparenter.“


Entwicklung im Vergleich: Haushaltsstrompreis und EEG-Umlage (Grafik: Büro Göppel)

Zudem seien Umweltschäden und vor allem die Kosten für die Atommüll-Entsorgung nur zum Teil von den Verursachern – den Energieversorgern – zu tragen.

Die Studie beauftragt hatten die Energiegenossenschaft Greenpeace Energy und der Bundesverband Windenergie. „Immer wieder müssen die erneuerbaren Energien als Preistreiber herhalten. Dabei sind sie schon heute günstiger als Kohle und Atom,“ sagte Marcel Keiffenheim, Leiter Energiepolitik bei Greenpeace Energy. Und BWE-Präsident Hermann Albers hofft, dass die Studie einen wichtigen Beitrag dazu liefern wird, „die gegenwärtige Kostendebatte um die erneuerbaren Energien wieder zu versachlichen.“

Die Studie sowie ein Factsheet können Sie hier herunterladen:
Studie: Was Strom wirklich kostet
Factsheet: Was Strom wirklich kostet

Quelle: Klimaretter.info, DIE ZEIT online, Bundesverband Windenergie, Greenpeace energy

 Grafik: Klimaretter.info

Bundesrat muss Verantwortung für Erfolg der Energiewende übernehmen

Donnerstag, Mai 10th, 2012

Nachdem die Regierungsfraktionen am 29. März im Bundestag gegen jede energiepolitische Vernunft drastische Kürzungen bei der Photovoltaik durchgesetzt haben, liegt es nun in den Händen der Vertreter der Bundesländer, dieses Vorgehen noch zu stoppen und Verantwortung für den Erfolg der Energiewende zu übernehmen.

Der Bundesrat entscheidet am 11. Mai 2012, ob die Photovoltaik in Deutschland noch eine Zukunft hat oder ob eine ganze Industrie und mehrere zehntausend neue und hochwertige Arbeitsplätze, die seit 1999 mit Unterstützung der deutschen Bürger entstehen konnten, innerhalb kürzester Zeit zerstört werden.

Im Kern geht es darum, ob jetzt die Systemtransformation realisiert wird, die für die Stabilisierung des Klimas, den Atomausstieg und den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien unabdingbar ist, oder ob sie auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wird. Die Entscheidung des Bundesrates hat somit für die Zukunft der Erneuerbaren Energien insgesamt eine enorme Tragweite.

Die beiden Bundesminister Röttgen und Rösler begründen die drastischen Kürzungen mit den vorgeblich hohen Kosten der Photovoltaik. Diese Kostendebatte ist jedoch längst überholt. Keine andere neue Technologie konnte ihre Kosten so rasch senken wie die Photovoltaik. Bereits zum 1. Januar 2012 wurde die Vergütung für Solarstrom erneut um 15% gekürzt, seit 2008 wurde sie somit halbiert.

„Wer die Vergütungssätze aber so stark reduziert, dass der technische Fortschritt nicht mehr mithalten kann, der unterbindet weitere Innovationen und Kostensenkungen. Dass der Ausbaukorridor für die Photovoltaik bis 2017 ohne jede Grundlage auf nur noch 900 bis 1.900 Megawatt jährlich eingeschränkt wird, belegt deutlich, dass das Kostenargument nur vorgeschoben ist, und es stattdessen darum geht, eine Technologie als Ganzes zu marginalisieren“, so Dr. Axel Berg, Vorstandsvorsitzender der EUROSOLAR-Sektion Deutschland.

Die Bundesregierung hat durch zahlreiche Ausnahmeregelungen für Industriebetriebe die EEG-Umlage selbst nach oben getrieben und so auf sehr durchschaubare Weise einen künstlichen Anlass für weitere Kürzungen konstruiert. Dabei garantieren gerade der Ausbau von Photovoltaik und Onshore-Windenergie auch künftig stabile Strompreise. Deutschland kann bis 2020 eine installierte Gesamtleistung von 70 Gigawatt Photovoltaik erreichen –  bezahlbar, einfach realisierbar und verbrauchsnah  –  und damit ohne Bedarf für tausende Kilometer neuer Stromleitungen.

Auch das sogenannte „Marktintegrationsmodell“ ist in Wirklichkeit nur eine versteckte Kürzung. Der Versuch, regenerative Stromerzeuger ohne Grenzkosten in einen Grenzkostenmarkt zu integrieren, der für die fossil-atomare Stromerzeugung konzipiert ist, und dessen Preisbildung von den Mehrkosten je erzeugter Kilowattstunde abhängt, kann nicht funktionieren, da die Erneuerbaren Energien den Börsenstrompreis unweigerlich deutlich senken. Dies ist auch der Grund, warum die Marktprämie nur ein Kostentreiber ohne entsprechenden Nutzen ist.

„Die Bundesregierung hat sich in die Irre führen lassen, denn nicht die Erneuerbaren Energien haben sich in das fossil-atomare Stromversorgungssystem zu integrieren, sondern ganz im Gegenteil müssen der restliche Kraftwerkspark und die entsprechenden technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen auf die Erneuerbaren Energien ausgerichtet werden“, so Prof. Peter Droege, Präsident von EUROSOLAR. Sie geben künftig den Takt vor, nach dem sich alles zu richten hat. Doch das ist offensichtlich nicht gewollt. Während wortreich die Energiewende beschworen wird, sieht die Realität völlig anders aus: Stillstand statt Wandel, Konservierung überkommener Strukturen statt Systemtransformation.

Die Erneuerbaren Energien sind an die zweite Stelle der Energiequellen in unserer Stromversorgung aufgestiegen. Ihr Anteil an der deutschen Stromversorgung lag vor 12 Jahren bei nur 4%, nun sind es bereits über 20%. Auf ihrem Weg von 20% hin zu 40% und mehr wandeln sich die Erneuerbaren Energien von der Beimischung zur systemdominierenden Komponente. Dies ist die eigentliche Ursache des Konflikts und Motivation für das Handeln der Bundesregierung.

Gegenwärtig sind Tage und Stunden mit einem Anteil von mehr als 50% regenerativ erzeugtem Strom noch die Ausnahme, künftig werden sie Normalität sein. Insbesondere  der weitere  Ausbau der Photovoltaik verringert den Bedarf an trägen Grundlastkraftwerken. Stattdessen bedarf es hochflexibler Regel- und Reststromkraftwerke, die bei wachsendem Anteil fluktuierender Stromerzeugung aus Wind und Sonne immer seltener gebraucht werden. Gerade durch einen dezentralen Ausbau von Wind- und Solarenergie kann dieser Prozess schnell vorangetrieben werden.

„Für einen weiteren Aufschub gibt es keine Rechtfertigung, jetzt geht es um die Beschleunigung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien. Dies entspricht dem Wunsch der Mehrheit unserer Gesellschaft, sichert die Zukunft unserer innovativen Wirtschaft und schafft und sichert hunderttausende Arbeitsplätze“, schlussfolgert Irm Scheer-Pontenagel, Geschäftsführerin von EUROSOLAR.

Wir fordern daher die Bundesregierung, die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und FDP und insbesondere die Vertreter des Bundesrats auf:

– den Pfad einer demokratisch legitimierten Energiepolitik nicht zu verlassen

– am Erneuerbare-Energien-Gesetz und dessen Grundprinzipien festzuhalten: feste Vergütungssätze, Einspeisevorrang und Planungssicherheit

– das angepeilte Ziel im Stromsektor bis 2020 von 35% auf  50% Erneuerbare Energien zu erhöhen und so die Ausbauziele der Bundesländer anzuerkennen

– den Zubaukorridor für die Photovoltaik in den nächsten Jahren nicht zu beschränken, sondern ausgehend von mindestens 5 GW/Jahr weiter auszuweiten –  für eine installierte Gesamtleistung von mindestens 70 GW bis 2020

– die geplanten drastischen Sonderkürzungen bei der Vergütung für Solarstrom zu stoppen, um stattdessen künftig die Vergütungssenkungen in gleitenden kleineren Schritten in einem Intervall von zwei Monaten vorzunehmen

– einen Systemdienstleitungsbonus für Solarkraftwerke einzuführen, die mit modernen Wechselrichtern dazu beitragen, die Netzstabilität zu erhöhen und Netzausbaukosten zu reduzieren

– ein umfassendes Markteinführungsprogramm für Energiespeicher aufzulegen sowohl für Batterien im Stundenbereich als auch Lösungen für Langfristspeicher, wie z. B. synthetisches Erdgas aus Wind- und Sonnenstrom

– darüber hinaus im Erneuerbare-Energien-Gesetz einen finanziellen Anreiz für regelbare regenerative Verbundkraftwerke zu schaffen, bei denen die Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft sowie Energiespeicher mit moderner Informationstechnik zusammengeschaltet werden.

Quelle: EUROSOLAR e.V.Foto: © Reuters

 

Deutschland profitiert doppelt von Erneuerbaren Energien

Donnerstag, April 26th, 2012

Deutschland ist bei den Erneuerbaren Energien gut aufgestellt. Das beweist die Branche seit 23.04. beim Forum Erneuerbare Energien auf der Messe Hannover. Noch bis zum 27. April zeigen die Aussteller ihr Know-how, mit dem sie die Energiewende voranbringen und Deutschland zum Vorreiter einer Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien machen. Die weltweit größte Industriemesse macht deutlich, welche positive Entwicklung sich am Standort Deutschland vollzieht. „Hier in Hannover zeigt sich, dass das Industrieland Deutschland nicht trotz, sondern gerade wegen der Erneuerbaren Energien international überaus erfolgreich ist“, meint Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien.

„Dabei profitieren die deutschen Industrieunternehmen gleich doppelt: Denn die Erneuerbaren Energien sorgen nicht nur für volle Auftragsbücher, etwa in der Grundstoff- und Zulieferindustrie, sondern sie senken auch messbar den Strompreis an der Leipziger Strombörse“, betont Vohrer. Wegen niedriger Grenzkosten verdrängt der Strom aus Wind, Sonne & Co. an der Strombörse zunehmend den teuer erzeugten konventionellen Strom („Merit-Order-Effekt“). Dadurch verbilligt sich der Strompreis im Großhandel um etwa 0,5 Cent pro Kilowattstunde. Die deutsche Industrie wurde allein durch diesen Effekt 2010 um rund 1.175 Millionen Euro pro Jahr entlastet.

Gleichzeitig werden immer mehr stromintensive Unternehmen von der so genannten EEG-Umlage teilbefreit. Dieser verbrauchsabhängige Beitrag der Stromkunden beträgt 2012 knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde. Während Privathaushalte und Mittelstand für den Ausbau der Erneuerbaren Energie diese Umlage in voller Höhe leisten müssen, zahlen viele stromintensive Unternehmen aufgrund der „Besonderen Ausgleichsregelung“ im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) lediglich ein Zehntel oder ein Hundertstel der Umlage. Damit beabsichtigt der Gesetzgeber, den energieintensiven Unternehmen für ihren Beitrag für die Volkswirtschaft entgegenzukommen. Dazu ein Beispiel: Ein Unternehmen, das aufgrund seines Stromverbrauchs von über 1.500 Gigawattstunden pro Jahr von der EEG-Umlage teilbefreit ist, wird über den Merit-Order-Effekt der Erneuerbaren Energien netto um mehr als sieben Millionen Euro entlastet.

„Die Erneuerbaren Energien tragen auch direkt zu neuen Jobs und Exporterfolgen bei und haben eine eindeutig positive volkswirtschaftliche Gesamtbilanz“, meint Vohrer zu den weiteren Vorteilen Erneuerbarer Energien. Nicht nur auf der Hannover Messe zeige sich die deutsche Industrie deshalb gut gerüstet, die Herausforderungen der Energiewende erfolgreich anzunehmen, so Vohrer.

Die Agentur für Erneuerbare Energien erklärt wichtige Zusammenhänge und Details zu Industriestrompreisen in einem aktuell veröffentlichten Hintergrundpapier. Das Dokument können Sie unter folgendem Link downloaden: http://www.unendlich-viel-energie.de/de/service/mediathek/renews-kompakt-hintergrundpapiere.html

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

Höhere Strompreise nicht aufgrund höherer EEG-Umlage

Montag, April 2nd, 2012

Die Strom- und Gasnetzbetreiber in Deutschland wollen höhere Energiepreise durchsetzen. Allerdings sollen die Gebühren nicht aufgrund der Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG-Umlage) angehoben werden, vielmehr sind die höheren Netzgebühren Grund für die Strompreiserhöhung. Die fast 300 Netzbetreiber klagen vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht gegenüber der Bundesnetzagentur und fordern höhere Netzentgelte von den Energieversorgern. Seit Donnerstag wird über die Beschwerden verhandelt.

„Es geht um viel in diesem Verfahren. Die Bedeutung ist immens“, sagt der Vorsitzende Richter Wiegand Laubenstein beim Prozessauftakt. Die Summe der Forderungen soll nicht bekannt gegeben werden. Schätzungen zufolge handelt es sich zwischen einer dreistelligen Millionensumme und einem Milliardenbetrag.

Setzen sich die Netzbetreiber durch und stellen den Energieversorgern fünf Jahre ihrer Nachforderungen als höhere Netzentgelte in Rechnung, so wird dies auf den Endverbraucher umgelegt. Beim Strom macht das Netzentgelt in etwa ein Viertel des Strompreises aus.

Foto: Energiewende