Einträge ‘Energieversorgung’

EUROSOLAR fordert Ende des Missbrauchs am Erneuerbare-Energien-Gesetz

Dienstag, Oktober 22nd, 2013

Im Zusammenhang mit der erneuten Erhöhung der EEG-Umlage wehrt sich die Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien e.V. (EUROSOLAR) gegen die Schuldzuweisung an den Ausbau regenerativer Energieträger. Tatsächlich geht mit 2,54 Cent nur ein verhältnismäßig geringer Teil der aktuell 6,24 Cent pro Kilowattstunde auf die reinen Finanzierungskosten zurück. Große Teile der Mehrbelastung für die Verbraucher entstehen dagegen durch die stark ansteigende Zahl an Unternehmen, die sich komplett aus den Umlagezahlungen befreien lassen: Während immer mehr industrielle Großverbraucher ihren Strom für unter vier Cent pro kW/h einkaufen können, haben die Haushalte in Deutschland mittlerweile durchschnittlich 28 Cent zu bezahlen. Von den Preissenkungen an der Strombörse, die durch den Ausbau  der Erneuerbaren entstehen konnten, merkt der Endverbraucher dagegen nichts, während die Gewinne der vier großen Energieversorger stetig steigen – obwohl sie selbst im Moment nur 5 Prozent zum Ausbau der regenerativen Energien beitragen.

EUROSOLAR weist darauf hin, dass das fossil-atomare Energiesystem zwangsläufig kostenintensiver werden muss und langfristig weder Energieversorgung noch Arbeitsplätze sichern kann. Der öffentliche Druck auf das EEG durch Medien und Politik sei daher unreflektiert und wenig zielführend. Vielmehr müsse es dagegen jetzt gelten, das Gesetz und dessen Grundprinzipien ins Zentrum einer „neuen Energiemarktordnung“ zu stellen und die richtigen Weichen für die Herausforderungen einer sicheren und sauberen Zukunft zu stellen.

Weitere Hintergrundinformationen über die Entstehung des Strompreises finden Sie in unserem Artikel „Sündenbock erneuerbare Energien?“ sowie im „Hintergrundpapier zur EEG-Umlage 2014“ des Bundesverbands Erneuerbare Energien e.V. Das „Memorandum zur Energiemarktreform 2013“ der EUROSOLAR finden Sie hier.

 

Quelle: eurosolar.de
Bild: fotolia

Jahrestreffen zur Umsetzung der Energiewende

Donnerstag, November 15th, 2012

Um die Klimaziele einzuhalten und gleichzeitig den Wohlstand beizubehalten müssen zukunftsfähige Instrumente erarbeitet und eingesetzt werden. In der Jahresfeier der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder wurden folgende Punkte besprochen:

  • Deutschland soll am Ausbau der Erneuerbaren Energien festhalten. Dabei muss eine weitere Ausbaustrategie bei der an den deutschen Ausbauzielen der Erneuerbaren Energien für die Jahre 2020 und 2050 festgehalten wird, die dem Netzentwicklungsplan zugrunde gelegt worden sind, gearbeitet werden. Dies erfordert eine gezielte Steuerung. Die Regierungschef/innen weisen darauf hin, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien zusammen mit der Steigerung der Energieeffizienz und dem Energiesparen zentral für das Gelingen der Energiewende ist.
  • Eine Weiterentwicklung des EEGs müsse den Ausbau Erneuerbarer Energien unterstützen, ein hohes Maß an Investitionssicherheit gewährleisten, Strukturbrüche vermeiden und gleichzeitig den Ausbau so zu steuern, dass die Kosten auf ein vertretbares Maß begrenzt werden und das Zusammenspiel von erneuerbaren Energien mit der übrigen Energieversorgung und der Energieinfrastruktur optimiert werden kann. Das EEG soll in Zukunft auch Anreize für eine stärkere Systemintegration bieten. Dabei müssen geeignete Modelle gefunden werden, damit hohe Spitzenleistungen an fluktuierender Einspeisung (Wind, Sonne) mit anderen Maßnahmen (Speicher, Biogas, fossile Energieträger, Lastmanagement) kombiniert werden, um Versorgungssicherheit, Marktintegration und Systemdienstleistungen langfristig zu gewährleisten.
  • Die Bundesregierung wird gebeten, bis spätestens Ende des ersten Halbjahres 2013 gemeinsam mit den Ländern und der BNetzA einen auf die Energiewendekonzepte der Länder abgestimmten Vorschlag für einen ordnungspolitischen Rahmen zu erarbeiten, der wirtschaftliche Anreize für die mittel- und langfristig ausreichende Sicherstellung von Reservekapazitäten unter Berücksichtigung der europäischen Strommärkte setzt und durch entsprechende Maßnahmen und Rahmendbedingungen Planungs- und Investitionssicherheit für die Betreiber fossiler Kraftwerke (einschließlich KWK) sowie Investoren neuer Kraftwerke ermöglicht. Damit sollen die erneuerbaren Energien so ergänzt werden, dass Stromangebot und Stromnachfrage synchronisiert sind, d.h. die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Die Regularien müssen dabei so ausgestaltet werden, dass das energiepolitische Zieldreieck „sicher, bezahlbar, umweltverträglich“ auch in einem solchen Energiemarkt eingehalten ist. Die Bundesregierung wird gebeten, zum Fortschritt der Arbeiten regelmäßig zu berichten.
  • Die Länder sind der Meinung, dass zur Erreichung der Ziele der Energiewende auf die Nutzung der Offshore-Windkraft nicht verzichtet werden kann.
  • Netzausbau, Ausbau der erneuerbaren Energien sowie Ausbau der Speicher müssen aufeinander abgestimmt sein. Der politische Dialog über die Synchronisierung der nationalen Ausbauziele mit den Ausbauzielen der Länder insbesondere für die Solarenergie sowie die On- und Offshore-Windenergie ist mit dem Ziel zu führen, im Rahmen einer gemeinsamen nationalen Ausbaustrategie – die Gesamtkosten des Ausbaus der Erneuerbaren Energien, der Stromnetze und des noch erforderlichen fossilen Kraftwerksparks im Griff zu behalten und die Akzeptanz nicht zu gefährden. Die Länder sind bereit, im Interesse einer gemeinsamen Lösung ihre eigenen Planungen zu modifizieren.
  • Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder weisen darauf hin, dass die Belastung der Unternehmen durch steigende Strompreise noch stärker in den Blick genommen werden muss, um die Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Dabei ist es notwendig die Ausnahmetatbestände bei der EEG-Umlage zu überprüfen, um Missbrauch zu verhindern. Außerdem muss genau untersucht werden, welche Strompreistreibende Faktoren außerhalb des Erneuerbare-Energien-Ausbaus zu identifizieren sind und wie diese begrenzt werden können.
  • Es sollen die Verbraucher/innen mit geringem Einkommen stärker berücksichtigt werden. Eine Unterstützung durch Stromsparen durch eine unabhängige Energieberatung und den Austausch ineffizienter Hausgeräte sollen auch dabei helfen.
  • Für die Umsetzung der Energiewende ist eine aktuelle, konsistente und vergleichbare Datenbasis erforderlich. Sie bitten daher die Bundesregierung, die Länder bei der Erarbeitung einer aktuellen, regionalisierten und harmonisierten Datengrundlage zu unterstützen.

Quelle: thueringen.de

Foto: Energiewende

Die Energiewende findet dezentral statt

Dienstag, November 13th, 2012

Vom 7. bis 9. November fand die 3rd Dii Desert Energy Conference in Berlin statt. Es wurden viele Prominente und Sponsoren begrüßt, die bisher versucht haben, eine Energiewende hin zu einer dezentralen Energieversorgung zu verhindern oder aufzuschieben. Aktuelle Beispiele sind die Beibehaltung Angriffe von Bundeswirtschaftsminister Rösler oder EU-Energie-Kommissar Oettinger gegen eine Beibehaltung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG). Das EEG ist eines der erfolgreichsten Instrumente zur Förderung Erneuerbarer Energien und wurde von vielen Ländern übernommen.

„Die gegenwärtige Phase der Energiewende wird dereinst historisch als diejenige bezeichnet werden, in der darum gerungen wurde, ob sich die Erneuerbaren Energien an das fossil-nukleare hochzentralisierte Funktionssystem der vergangenen Jahrzehnte einpassen oder sich das zukünftige System an die größte Chance der Erneuerbaren anpasst, den Strom nah am Verbrauch und damit dezentral zu erzeugen“, meint Dr. Axel Berg, Vorsitzender der deutschen EUROSOLAR-Sektion.

Die Versprechen der Desertec-Initiative erwiesen sich stets als unerfüllbar: Keine Rede mehr von den achtzig bis hundert neuen Stromtrassen mit eine Länge von je 3000 – 5000 Kilometern. Stattdessen soll die alte Verbindung zwischen Afrika und Europa in der schmalen Straße von Gibraltar wiederbelebt werden. Anstatt der Stromerzeugung von 15 % des europäischen Verbrauchs bis 2050, ist die Rede von einem überschaubaren Projekt in Marokko für Marokko. Siemens als technischer Konsortialführer hat sich bereits aus Desertec zurückgezogen.

Afrika selbst braucht Desertec nicht, da die eigene Bevölkerung nicht viel davon hat. Es werden vielmehr dezentrale Inselanlagen für die Dörfer und nationale Einspeisegesetze für dicht besiedelte Regionen benötigt. „Wir brauchen keine neuen Ölscheichs in der Wüste, sondern Wertschöpfung, Steuern und Jobs zuhause“, so Dr. Axel Berg. Eine lokale Selbstversorgung führt zu einer besseren Handelsbilanz durch weniger Stromimporte und einem geringeren Erpressungspotential durch oligopolitische Konzerne. Das planwirtschaftliche Konzept reduziert die Anzahl der Aktuere anstatt sie zu vergrößern, beschränkt die Standorte und führt zu räumlicher und unternehmerischer Konzentration.

Mit den geplanten HGÜ-Leitungen wären die schwachen Verteilnetze der Städte und Gemeinden mit zu viel Strom überfordert und würden zusammenbrechen. Sicherheitspolitisch ist das Desertec-Projekt höchst fragwürdig. Dies belegt auch beispielsweise die Bundeswehr-Studie „Umweltdimensionen von Sicherheit“.

„Desertec ist ein Schritt zurück ins konzeptuelle Gestrüpp des frühen 20. Jahrhunderts: teuer, zentralisiert, riskant, störanfällig, lokal verarmend und letztendlich ein utopisches Ablenkungsmanöver von der eigentlichen Aufgabe: die lokal und regional absichernde Wende zur großen energetischen und marktwirtschaftlichen Emanzipation des 21. Jahrhunderts nicht weiter aufzuhalten.“ kommentiert Prof. Peter Droege, Eurosolar-Präsident, und erinnert daran, dass die  historische Wende zur dezentralen, erneuerbaren Vollversorgung in Deutschland und Europa bereits voll im Gange ist.

Verfasser: Energiewende Starnberg e. V., Daniela Köhler B.A., Quelle: Eurosolar e. V.

Foto: Energiewende Starnberg

Energiewende lässt Importabgängigkeit fossiler Rohstoffe sinken

Dienstag, November 6th, 2012

Durch den Einsatz von Erneuerbaren Energien sparte Deutschland im Jahr 2011 6,02 Milliarden Euro nur durch den Verzicht fossiler Energieträgerimporte. Je mehr Energie im Inland auf regenerative Art erzeugt wird, desto weniger fossile Energieträger müssen importiert werden. Im Vorjahr noch wurden 220 Millionen Euro mehr für die Einfuhr von Kohle, Öl und Gas ausgegeben. Diese Zahlen gehen aus einer Kosten-Nutzen-Studie Erneuerbarer Energien, die vom Bundesumweltministerium geförderten wurde, hervor. „Heute Erneuerbare Energien zu fördern bedeutet, die Abhängigkeit von Rohstoffimporten und von schwankenden Preisen zu verringern“, betont Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien.

Deutschland ein Importland fossiler Energien

Die Brennstoffe für Deutschland werden hauptsächlich importiert. 87 Prozent des Erdgases, 98 Prozent des Rohöls, 77 Prozent der Steinkohle und 100 Prozent des Urans stammt laut Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen aus dem Ausland. Deutschland besitzt damit eine sehr hohe Abhängigkeit gegenüber Staaten mit konventionellen Energieressourcen.

Rohöl – teuer wie nie zuvor

Deutschland ist der sechstgrößte Erdölimporteur der Welt. Im Jahr 2011 hat die deutsche Mineralölindustrie mit durchschnittlich 593 Euro pro Tonne einen Spitzenwert für den Rohölimport bezahlt. Der steigende Trend hält an und so wurden im August 2012 für eine Tonne Rohöl frei ab Grenze bereits 666 Euro bezahlt. Für den Import fossiler Energiequellen gab Deutschland 2011 insgesamt 81,2 Milliarden Euro aus.

Kosten für fossile Rohstoffe steigen

Der Blick auf die vergangenen Jahre macht deutlich: Die Kosten für fossile Energieträger kennen nur eine Richtung – nach oben“, so Vohrer. In manchen wissenschaftlichen Prognosen wird angenommen, dass die Rohstoffpreise im Jahr 2020 geringer ausfallen werden als im Jahr 2010. „Die bisherigen Entwicklungen lassen allerdings nicht erkennen, woher eine plötzliche Trendumkehr kommen sollte“, so Vohrer. Legt man die wahrscheinlicheren Szenarien zu Grunde, so könnten die Ausgaben für fossile Energieimporte bei gleichbleibenden Importmengen schon im Jahr 2020 bis zu 40 Milliarden Euro höher sein als 2011. „Um diese Entwicklung zu verhindern, ist es notwendig, die Importabhängigkeit mithilfe der Erneuerbaren Energien zu mindern“, betont Vohrer. „Denn Wind- und Sonnenergie, Biomasse, Wasserkraft und Geothermie sind unerschöpflich und stehen hierzulande zur Verfügung.“

Vorteile Erneuerbarer Energien im Web

Die Agentur für Erneuerbare Energien hat einige Vorteile Erneuerbarer Energien auf ihrer Internetseite unter dem Stichwort „Gute Gründe“ aufgeführt: www.unendlich-viel-energie.de/de/panorama/gute-gruende.html

Jeden Wochentag soll außerdem ein Grund für die Förderung Erneuerbarer Energien auf ihrer Facebook-Seite (www.facebook.com/AgenturfuerErneuerbareEnergien) genauer vorgestellt werden. Interessierte sind eingeladen ihre eigenen Ideen einzubringen und die Liste der guten Gründe zu erweitern.

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

Jahr 2050: 60 % des Stroms aus fossilen Kraftwerken?

Montag, August 27th, 2012

Integration von Wind- und Solarstrom erfordert langfristigen Umbau des Stromsystems

das sagt die neue dena-Studie.  Doch sind die Schlussfolgerungen der dena wirklich richtig? Die dena behauptet:

  • Ohne neues Marktdesign werden erneuerbare Energieträger zur Stromerzeugung auch 2050 nicht marktfähig sein
  • Europäische Kapazitätsmärkte und grundlegende EEG-Novelle erforderlich
  • Integration fluktuierender Leistung nur im europäischen Rahmen möglich
  • Deutschland wird vom Netto-Stromexporteur zum Netto-Stromimporteur
  • 2050: 240 GW installierte Gesamtleistung, davon 170 GW erneuerbar und 61 GW fossil

Die aktuellen Weichenstellungen in der Energiepolitik halten an den vorhandenen Marktstrukturen fest, das Überleben der Großkonzerne steht dabei im Vordergrund. Wen wundert es, wenn dann in der Studie der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) prognostiziert wird, dass 60 Prozent der gesicherten Leistung im Jahr 2050 voraussichtlich von effizienten Gas- und Kohlekraftwerken gestellt werden müssen? Im Fokus der Studie stehen Konsequenzen, Grenzen und notwendige Maßnahmen einer Integration der erneuerbaren Energien in das Stromversorgungssystem. Untersucht wurde die Entwicklung des Stromsystems bis 2050 bei einem Ausbau des Anteils der erneuerbaren Energien auf über 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs gemäß Leitszenario 2009 des Bundesumweltministeriums unter Fortführung der heutigen Rahmenbedingungen. Es wird weiterhin ein ausgewogener Technologiemix zwischen erneuerbaren Energien und konventionellen Kraftwerken benötigen, um die Versorgungssicherheit bei stark fluktuierender Erzeugung aus Wind- und Solarkraftwerken zu gewährleisten und diese ins Stromsystem zu integrieren, so die Studie. Was heißt das? Ein Weiter-so bringt uns gewiss nicht ans Ziel. Statt einer konsequenten Strategie der Dezentralisierung und Kommunalisierung bei der erneuerbaren Stromversorgung werden „Großprojekte“, nämlich Off-Shore-Windparks und der Ausbau der Kohlekraft von der Regierung gefordert und gefördert. Dabei könnten gerade Gemeinden (vornehmlich Privathaushalte sowie kleine und mittlere Betriebe) und auch einzelne Unternehmen in der Struktur eines Micro-Grids versorgt werden (Wind, Biogas, PV, Geothermie + Speichereinheit (z.B. Wasserstoffspeicher, Gasspeicher) und Erzeuger-Einheit (mit konventionellem Energieträger zur Reserve), z.B. Blockheizkraftwerk)  und energieintensive Industrien in Ballungszentren könnten mit EE und zusätzlich Gaskraftwerken versorgt werden. Der Verbrauch vor Ort entlastet auch die Netze. Ausbau und Modernisierung der Netze im Bereich der Nieder- und Mittelspannung ist leichter machbar als der Zubau an Hochspannungsleitungen. Spannungsschwankungen können ausgeglichen werden, eine intelligente Steuerung der Microgrids ist kein Hexenwerk und kann in ein virtuelles Kraftwerk integriert werden.

Ja: Der Ausbau erneuerbarer Energien bringt eine Menge Herausforderungen mit sich. Werden die alternativen Energieträger ungesteuert installiert, kann ein zunehmender Anteil der Erzeugung nicht genutzt werden. Dass der Bedarf an gesicherter Leistung nicht vollständig durch inländische Anlagen gedeckt werden kann, wie dena behauptet, ist jedoch nicht nachvollziehbar und ebensowenig die Schlussfolgerung, Deutschland werde bis zum Jahr 2050 mehr Strom importieren als exportieren, wofür das Netz erheblich ausgebaut werden müsse. Wenn die Versorgungsstrukturen grundlegend geändert würden und die Netze flexibler würden, könnten die Herausforderungen geschafft werden.  Dazu bedarf es des politischen Willens und der richtigen Entscheidungen. Die Rahmenbedingungen müssen so schnell wie möglich für eine neue, flexible Versorgungsstruktur geschaffen werden. Daran scheiden sich jedoch die Geister: small is beautiful – big is beautiful? Großkraftwerke in Reserve sind jedenfalls nicht rentabel! Also brauchen wir solche Kohlekolosse nicht – auch und gerade nicht in der Zukunft!

„Der Atomausstieg und der Ausbau der erneuerbaren Energien sind erst der Anfang“, betonte Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, bei der Präsentation der Studienergebnisse in Berlin. „Energiewende heißt auch: neue effiziente fossile Kraftwerke, mehr Netze, mehr Speicher, mehr Flexibilisierung bei Erzeugung und Nachfrage – und Energiesparen wo immer wirtschaftlich möglich. Die Rahmenbedingungen dafür müssen jetzt geschaffen werden. Unsere Studie zeigt, mit welchen grundsätzlichen Herausforderungen wir es zu tun haben.“

2050 80 % des Stroms aus erneuerbaren Energien

Für eine sichere Stromversorgung kann die installierte Leistung der konventionellen Kraftwerke bis 2030 nur um rund 14 Prozent auf 83 Gigawatt und bis 2050 nur um 37 Prozent auf 61 Gigawatt im Vergleich zu 2010 zurückgehen. Die erneuerbaren Energien werden zwar 2050 über 80 Prozent des Stroms liefern, jedoch nur knapp 24 Prozent der gesicherten Leistung stellen. Speichertechnologien sollen etwa 9 Prozent der gesicherten Leistung stellen. 7 Prozent des Bedarfs an gesicherter Leistung müssten nach dem berechneten Szenario durch weitere Kraftwerke, die Modernisierung älterer Anlagen oder auf Basis von verbindlichen Verträgen aus dem Ausland bereitgestellt werden.

Bis 2050 werden neben den Atomkraftwerken auch die meisten derzeit noch aktiven Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke stillgelegt sein. Die neuen fossilen Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 49 Gigawatt müssen gemäß Modellergebnis zum größten Teil bis 2020, spätestens bis 2030 gebaut werden. Ob diese Kapazitäten tatsächlich gebaut werden, ist fraglich, weil die Kraftwerke aufgrund des Vorrangs der erneuerbaren Energien immer weniger Betriebsstunden haben und sich unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kaum noch wirtschaftlich rechnen.

Keine Marktfähigkeit erneuerbarer Energien ohne Änderung des Marktdesigns

In dem Szenario wird deutlich, dass die Stromversorgung 2050 deutlich mehr als heute kosten wird. Grund sind hohe Kosten für die deutlich höheren Stromerzeugungskapazitäten, den Aus- und Umbau der Netzinfrastruktur, für Reserve- und Regelenergie, Anbindung der Offshore-Windparks und Flexibilisierungsmaßnahmen wie Stromspeicher. Erneuerbare Energien würden unter dem heutigen Marktdesign auch im Jahr 2050 nicht marktfähig sein, das heißt, die Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien können nicht komplett über den Verkaufspreis an der Strombörse gedeckt werden, die Differenzkosten müssen daher auch weiterhin auf den Endverbraucher umgelegt werden. Die Konsequenz: Ein anderes Marktdesign muss her – dann klappt auch die Energiewende! Und wie wäre es, wenn Industrien mit hohem Stromverbrauch zum Sparen gezwungen würden? Mit mehr Energieeffizienz könnte der Strombedarf gesenkt werden.

Energieeffizienz und europäischer Binnenmarkt

Bei der Studie wurde angenommen, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland bis 2050 gemäß dem Leitszenario 2009 des Bundesumweltministeriums auf über 80 Prozent ausgebaut wird. Für den Strombedarf wurde ein gleichbleibendes Niveau vorausgesetzt. Maßnahmen zur Senkung des Strombedarfs und damit der Reduzierung von Kraftwerkskapazitäten seien zu unterstützen.

Außerdem geht die Studie von einem bisher nicht vorhandenen intakten europäischen Strommarkt mit barrierefreien Netzen aus. Um dies zu realisieren, ist eine Europäisierung der Energiepolitik und viel politische Unterstützung notwendig.

Die Studie „Integration der erneuerbaren Energien in den deutsch-europäischen Strommarkt“ wurde von der dena im Auftrag der RWE AG und in Zusammenarbeit mit dem Institut für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen erstellt. Die Zusammenfassung und den Endbericht der Studie finden Sie unter www.dena.de/studien

Quelle: dena

Zusammenfassung: Daniela Köhler (BA Europ. Energiewirtschaft) und Evelyn Villing (PM Alternative und Erneuerbare Energien)

Kraft-Wärme-Kopplung: Sorptive Wärmespeicherung mit Zeolith

Mittwoch, Juni 6th, 2012

In Kraftwerken wird bei der Erzeugung von elektrischem Strom oft viel Wärme erzeugt, die nicht genutzt werden kann. Zum einen fehlt in ländlichen Gebieten die entsprechende Infrastruktur zur Wärmeversorgung, meist aber wären die Leitungsverluste durch die großen Entfernungen vom Erzeuger zum Verbraucher zu hoch. Eine marktfähige Speichertechnik wäre hier die ideale Lösung. Das Fraunhofer IGB in Stuttgart hat nun gemeinsam mit Industriepartnern eine vielversprechende Technik entwickelt, die die Wärme verlustfrei speichern soll. Für die breite technische Anwendung wurde die sorptive Speicherung mit Zeolith bislang nicht eingesetzt. Eine Containerlösung steht nun kurz vor der Marktreife.

Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auf Basis der erneuerbaren Energien birgt großes Potenzial. Etwa die Hälfte der im Brennstoff enthaltenen Energie wird als Wärme freigesetzt. Statt mit wasserbefüllten Pufferspeichern lässt sich Wärme mittels sorptiver Speicherung mit Zeolith speichern. Das Besondere: Der Speicher kann drei- bis viermal so viel Wärme wie Wasser über längere Zeiträume hinweg einlagern. Die Behälter müssen demnach etwa ein Viertel so groß sein wie Wasserspeicher.

Die Speicherfähigkeit von Zeolithen wird in vielen technischen Bereichen bereits genutzt, angefangen von Geschirrspülmaschinen über Kühlaggregaten bis hin zu Gas-Wärmepumpen. Das Potenzial steckt in ihrer Oberfläche: Diese ist porös; in einem Gramm der Zeolith-Kügelchen stecken bis zu 1.000 Quadratmeter Oberfläche. Kommt das Material mit Wasserdampf in Berührung, bindet es diesen in den Poren und Wärme entsteht. Zum Speichern der Wärme wird das Wasser entfernt und das Material – wiederum mit Wärme – getrocknet. Das Prinzip ist nicht neu, doch bislang gibt es noch keine breite technische Anwendung in Speichern. „Wir haben das Prinzip aufgegriffen und technisch umgesetzt“, erklärt Mike Bicker, Gruppenleiter Wärme- und Sorptionssysteme am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB. Zusammen mit Industriepartnern, unter anderem mit ZeoSys, hat das Fraunhofer IGB den neuen Wärmespeicher entwickelt. Die Forscher zeigten zunächst an einem 1,5-Liter-Reaktor und später an einem 15-Liter-Reaktor, wie das Verfahren grundsätzlich funktioniert. Sie untersuchten, welche der verschiedenen Zeolithe sich am besten eignen und wie groß die Kügelchen sein müssen. In den Versuchen konnte darüber hinaus die Wärme ohne größere Verschleißerscheinungen viele tausend Male gespeichert werden.

Ergebnis der Versuche und Markanwendung

Die Ergebnisse übertrugen die Forscher auf eine Versuchsanlage mit 750 Liter Speichervolumen. Der Speicher befindet sich in einem transportablen Container – Wissenschaftler können so die Anlage unter realistischen Bedingungen an den unterschiedlichsten Einsatzorten testen.
Im nächsten Schritt wollen die Fraunhofer Forscher die Herstellungskosten reduzieren, die Anlage weiter optimieren und für verschiedene Anforderungen anpassen. Zentrales Ziel sei vor allem, die Wärme sowohl in Industrieanlagen speichern zu können als auch in kleineren Blockheizkraftwerken (z. B. Wohnhäuser). Industrielle Anwendungen stünden zunächst im Vordergrund: „Ideal wäre eine Art Baukastensystem, aus dem man den Speicher je nach Anforderung zusammensetzen kann“, so Blicker.

Wärme, Kälte und Strom speichern

BINE-Projektinfos zum Thema Speicherung von Wärme, Kälte und Strom: „Heizen mit Zeolith-Heizgerät“ (02/2005) und „Kühlgeräte mit Zeolith und Wasser“ (16/2010). Außerdem gibt basisEnergie „Wärme und Strom speichern“ (19) einen Überblick, wie Energie dann nutzbar wird, wenn sie gebraucht wird.

Quelle: bine-Informationsdienst

Foto: Fraunhofer IGB/bine-info

Bundesrat muss Verantwortung für Erfolg der Energiewende übernehmen

Donnerstag, Mai 10th, 2012

Nachdem die Regierungsfraktionen am 29. März im Bundestag gegen jede energiepolitische Vernunft drastische Kürzungen bei der Photovoltaik durchgesetzt haben, liegt es nun in den Händen der Vertreter der Bundesländer, dieses Vorgehen noch zu stoppen und Verantwortung für den Erfolg der Energiewende zu übernehmen.

Der Bundesrat entscheidet am 11. Mai 2012, ob die Photovoltaik in Deutschland noch eine Zukunft hat oder ob eine ganze Industrie und mehrere zehntausend neue und hochwertige Arbeitsplätze, die seit 1999 mit Unterstützung der deutschen Bürger entstehen konnten, innerhalb kürzester Zeit zerstört werden.

Im Kern geht es darum, ob jetzt die Systemtransformation realisiert wird, die für die Stabilisierung des Klimas, den Atomausstieg und den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien unabdingbar ist, oder ob sie auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wird. Die Entscheidung des Bundesrates hat somit für die Zukunft der Erneuerbaren Energien insgesamt eine enorme Tragweite.

Die beiden Bundesminister Röttgen und Rösler begründen die drastischen Kürzungen mit den vorgeblich hohen Kosten der Photovoltaik. Diese Kostendebatte ist jedoch längst überholt. Keine andere neue Technologie konnte ihre Kosten so rasch senken wie die Photovoltaik. Bereits zum 1. Januar 2012 wurde die Vergütung für Solarstrom erneut um 15% gekürzt, seit 2008 wurde sie somit halbiert.

„Wer die Vergütungssätze aber so stark reduziert, dass der technische Fortschritt nicht mehr mithalten kann, der unterbindet weitere Innovationen und Kostensenkungen. Dass der Ausbaukorridor für die Photovoltaik bis 2017 ohne jede Grundlage auf nur noch 900 bis 1.900 Megawatt jährlich eingeschränkt wird, belegt deutlich, dass das Kostenargument nur vorgeschoben ist, und es stattdessen darum geht, eine Technologie als Ganzes zu marginalisieren“, so Dr. Axel Berg, Vorstandsvorsitzender der EUROSOLAR-Sektion Deutschland.

Die Bundesregierung hat durch zahlreiche Ausnahmeregelungen für Industriebetriebe die EEG-Umlage selbst nach oben getrieben und so auf sehr durchschaubare Weise einen künstlichen Anlass für weitere Kürzungen konstruiert. Dabei garantieren gerade der Ausbau von Photovoltaik und Onshore-Windenergie auch künftig stabile Strompreise. Deutschland kann bis 2020 eine installierte Gesamtleistung von 70 Gigawatt Photovoltaik erreichen –  bezahlbar, einfach realisierbar und verbrauchsnah  –  und damit ohne Bedarf für tausende Kilometer neuer Stromleitungen.

Auch das sogenannte „Marktintegrationsmodell“ ist in Wirklichkeit nur eine versteckte Kürzung. Der Versuch, regenerative Stromerzeuger ohne Grenzkosten in einen Grenzkostenmarkt zu integrieren, der für die fossil-atomare Stromerzeugung konzipiert ist, und dessen Preisbildung von den Mehrkosten je erzeugter Kilowattstunde abhängt, kann nicht funktionieren, da die Erneuerbaren Energien den Börsenstrompreis unweigerlich deutlich senken. Dies ist auch der Grund, warum die Marktprämie nur ein Kostentreiber ohne entsprechenden Nutzen ist.

„Die Bundesregierung hat sich in die Irre führen lassen, denn nicht die Erneuerbaren Energien haben sich in das fossil-atomare Stromversorgungssystem zu integrieren, sondern ganz im Gegenteil müssen der restliche Kraftwerkspark und die entsprechenden technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen auf die Erneuerbaren Energien ausgerichtet werden“, so Prof. Peter Droege, Präsident von EUROSOLAR. Sie geben künftig den Takt vor, nach dem sich alles zu richten hat. Doch das ist offensichtlich nicht gewollt. Während wortreich die Energiewende beschworen wird, sieht die Realität völlig anders aus: Stillstand statt Wandel, Konservierung überkommener Strukturen statt Systemtransformation.

Die Erneuerbaren Energien sind an die zweite Stelle der Energiequellen in unserer Stromversorgung aufgestiegen. Ihr Anteil an der deutschen Stromversorgung lag vor 12 Jahren bei nur 4%, nun sind es bereits über 20%. Auf ihrem Weg von 20% hin zu 40% und mehr wandeln sich die Erneuerbaren Energien von der Beimischung zur systemdominierenden Komponente. Dies ist die eigentliche Ursache des Konflikts und Motivation für das Handeln der Bundesregierung.

Gegenwärtig sind Tage und Stunden mit einem Anteil von mehr als 50% regenerativ erzeugtem Strom noch die Ausnahme, künftig werden sie Normalität sein. Insbesondere  der weitere  Ausbau der Photovoltaik verringert den Bedarf an trägen Grundlastkraftwerken. Stattdessen bedarf es hochflexibler Regel- und Reststromkraftwerke, die bei wachsendem Anteil fluktuierender Stromerzeugung aus Wind und Sonne immer seltener gebraucht werden. Gerade durch einen dezentralen Ausbau von Wind- und Solarenergie kann dieser Prozess schnell vorangetrieben werden.

„Für einen weiteren Aufschub gibt es keine Rechtfertigung, jetzt geht es um die Beschleunigung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien. Dies entspricht dem Wunsch der Mehrheit unserer Gesellschaft, sichert die Zukunft unserer innovativen Wirtschaft und schafft und sichert hunderttausende Arbeitsplätze“, schlussfolgert Irm Scheer-Pontenagel, Geschäftsführerin von EUROSOLAR.

Wir fordern daher die Bundesregierung, die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und FDP und insbesondere die Vertreter des Bundesrats auf:

– den Pfad einer demokratisch legitimierten Energiepolitik nicht zu verlassen

– am Erneuerbare-Energien-Gesetz und dessen Grundprinzipien festzuhalten: feste Vergütungssätze, Einspeisevorrang und Planungssicherheit

– das angepeilte Ziel im Stromsektor bis 2020 von 35% auf  50% Erneuerbare Energien zu erhöhen und so die Ausbauziele der Bundesländer anzuerkennen

– den Zubaukorridor für die Photovoltaik in den nächsten Jahren nicht zu beschränken, sondern ausgehend von mindestens 5 GW/Jahr weiter auszuweiten –  für eine installierte Gesamtleistung von mindestens 70 GW bis 2020

– die geplanten drastischen Sonderkürzungen bei der Vergütung für Solarstrom zu stoppen, um stattdessen künftig die Vergütungssenkungen in gleitenden kleineren Schritten in einem Intervall von zwei Monaten vorzunehmen

– einen Systemdienstleitungsbonus für Solarkraftwerke einzuführen, die mit modernen Wechselrichtern dazu beitragen, die Netzstabilität zu erhöhen und Netzausbaukosten zu reduzieren

– ein umfassendes Markteinführungsprogramm für Energiespeicher aufzulegen sowohl für Batterien im Stundenbereich als auch Lösungen für Langfristspeicher, wie z. B. synthetisches Erdgas aus Wind- und Sonnenstrom

– darüber hinaus im Erneuerbare-Energien-Gesetz einen finanziellen Anreiz für regelbare regenerative Verbundkraftwerke zu schaffen, bei denen die Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft sowie Energiespeicher mit moderner Informationstechnik zusammengeschaltet werden.

Quelle: EUROSOLAR e.V.Foto: © Reuters

 

EEG für Energiegenossenschaften unverzichtbar

Dienstag, März 20th, 2012

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) führt zu mehr Vielfalt auf dem deutschen Strommarkt und lässt die Verbraucher durch eine größere Auswahl an Stromanbietern davon profitieren. Es konnten sich neue, unabhängige Betreiber etablieren. Diese benötigen weiterhin das EEG mit seinem Einspeisevorrang für Erneuerbare Energien, um nicht vom Markt ausgesperrt zu werden und zwar für den gesamten ins Netz einzuspeisenden, umweltfreundlich erzeugten Strom.

50 km nordöstlich von Stuttgart haben sich mehr als 200 Genossenschaftsmitglieder mit überschaubaren finanziellen Einlagen in der Energiegemeinschaft Weissacher Tal zusammengetan, um Solarstrom ins Netz zu bringen. „Ohne das EEG mit seinem Einspeisevorrang für die Erneuerbaren Energien hätte uns für den Aufbau der Stromerzeugung aus Solarstrom der Hebel gegenüber dem Netzbetreiber gefehlt“, erklärt Bürgermeister Ian Schölzel, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der 2008 gegründeten Energiegenossenschaft ist. „Die Pflicht des Netzbetreibers, Erneuerbare-Energien-Anlagen unverzüglich und vorrangig an das Netz anzuschließen, hilft neuen Anbietern am Strommarkt und war auch für die Energiegemeinschaft Weissacher Tal unverzichtbar. Für künftige Projekte zum Ausbau der Erneuerbaren Energien benötigen wir das EEG“, betont Bürgermeister Schölzel.

Der Bestand des EEG wird auch für den Ausbau der Windenergie von den dezentral orientierten Stromerzeugern gefordert. Micha Jost, Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft Starkenburg in Südhessen: „Unsere im Dezember ans Netz gegangene Windenergieanlage mit einer Leistung von 2 Megawatt konnte nur wegen des im EEG geschaffenen Rahmens entstehen“. Die Genossenschaft verzeichnet derzeit knapp 380 Mitglieder und plant weitere Projekte, die vom Engagement der Bürger vor Ort leben. „Das EEG hat eine vergleichsweise preiswerte Form der Förderung Erneuerbarer Energien geschaffen. Für die konkrete Umsetzung der Energiewende brauchen wir die entstandenen mittelständischen Strukturen und Vielfalt in der Energieproduktion. Dazu gilt es, das EEG zu bewahren“, so Jost. Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), plädiert für verlässliche politische Rahmenbedingungen beim dezentralen Ausbau Erneuerbarer Energien. „Mit Erneuerbaren Energien haben Bürger und mittelständische Betreibergesellschaften das Oligopol in der Stromerzeugung aufgebrochen. Insbesondere die Energiegenossenschaften bieten auch Privatpersonen mit schmalem Budget Möglichkeiten, eine saubere und umweltfreundliche Energieversorgung zu unterstützen. Von den jungen, unabhängigen Energieerzeugern kann aber heute noch keine eigenständige Vermarktung ihres Stroms verlangt werden. Dies wäre aufgrund der immer noch herrschenden Machtverhältnisse am Markt verfrüht“, mahnt Vohrer.

Die Zahl der Energiegenossenschafts-Neugründungen hat in letzter Zeit zugenommen, vor allem im Bereich Energie, Umwelt, Wasser. Mehr als die Hälfte, das heißt 150 Energiegenossenschaften wurden allein im Jahr 2011 gegründet. Rund 450 Energiegenossenschaften gibt es bereits rund, etwa 80 Prozent davon sind in der Stromproduktion aktiv. Doch auch von anderen Organisationsformen wird die dezentrale Energieversorgung vorangetrieben: „Es gibt Projekte, die nicht von Energiegenossenschaften oder Bürgervereinen gestemmt werden können, sondern wo große Projektierer gefragt sind“, stellt Vohrer fest. Auch diese seien auf einen durch das EEG geregelten, fairen Marktzugang angewiesen, meint Vohrer.

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

Foto: i-Stock-Foto

Informationsveranstaltung "Energieprojekte" am 19. März in Herrsching

Donnerstag, März 15th, 2012

Unter dem Titel „Energieprojekte:  Den Ausverkauf des Landkreises Starnberg verhindern – Wertschöpfung für die Bürger sichern“ findet am 19. März eine Informationsveranstaltung des Energiewende-Vereins im Vortragssaal der VR-Bank, Herrsching, Bahnhofsplatz 4 statt. Beginn ist um 19:00 Uhr, der Eintritt ist frei.

Der Verein Energiewende Landkreis Starnberg e.V. betrachtet u. a. die Windkraft und solare Freiflächenanlagen als wichtige Standbeine einer künftigen regenerative Energieversorgung im Landkreis Starnberg. Wind- und Solarenergie sind, um die Ziele der Energiewende erreichen zu können, in angemessenem Maß unverzichtbar. Fakt ist auch: Ohne jedwede Veränderungen sowohl in unserem Verhalten als auch in unserer Umwelt ist die unabdingbare und unverzichtbare Energiewende nicht möglich.

Wie bei allen anderen Gewerbeansiedlungen auch, sind Anlagen der Erneuerbaren Energien mit Eingriffen in die Umgebung verbunden, gibt es Auswirkungen auf das gewohnte Landschaftsbild und die Kulturlandschaft – wenn auch in weit geringerem Ausmaß als bei Großkraftwerken (Gas-, Kohle- oder Atomkraftwerken oder Windparks an der Küste und Offshore-Anlagen), die zudem großer Umspannwerke und Hochspannungsleitungen bedürfen. Ein sensibles Vorgehen und die Einbindung der Anwohner sind gerade bei der Energiewende unverzichtbar, um die Versorgung mit 100 % erneuerbaren Energien aus unserer Region zu sichern und die Vorteile einer dezentralen Energieversorgung zu verdeutlichen. Schließlich sollen die Bürgerinnen und Bürger und der Landkreis von der nachhaltigen Energieerzeugung profitieren – und nicht Konzerne oder einzelne Investoren. Es muss klar dargestellt werden, dass es nicht um „Spielzeug-Anlagen“ aus Prestige oder unrentable Alibi-Projekte, sondern um eine gemeinsame Umsetzung mit Augenmaß von wirtschaftlichen Anlagen an geeigneten Standorten geht. Daher ist auch wichtig, dass die Kommunen Herr dieser Verfahren sind und bleiben.

„Wir leben in einer besonderen Region, in der die Realisierung von Energieanlagen mehr als kritisch betrachtet wird. Wir müssen zeigen, dass solche Anlagen möglich sind, ohne dass die Region ihren Reiz verliert,“ betont deshalb der Vorsitzende des Energiewendevereins. „Wir brauchen vorbildliche Anlagen und zugleich neue Formen von frühzeitiger Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung solcher Vorbild-Anlagen, damit das Vertrauen wächst, dass es hier um Aufbau und nicht um Zerstörung geht.“

Für den Vortrag konnten die beiden Fachanwälte für Vertrags-, Bauplanungs- und Steuerrecht und Spezialisten im Bereich Netzübernahmeverfahren, Rekommunalisierung und Projekte der erneuerbaren Energien, Oliver Eifertinger und Dr. Max Reicherzer, von der Kanzlei Becker Büttner Held, München, gewonnen werden.

Folgende Themen sollen auf dem Informationsabend behandelt werden:

1. Standortsicherung durch städtebaulichen Vertrag

  • Standortsicherung als bauleitplanerische Notwendigkeit
  • Standortsicherung zur kommunalen Beteiligung an der Wertschöpfung
  • Modelle der Standortsicherung durch städtebaulichen Vertrag

2. Gesellschaftsrechtliche Gestaltungsmodelle

  • Sicherung der lokalen und kommunalen Wertschöpfung
  • Einbindung der Betroffenen
  • Refinanzierung über Bürgerbeteiligungen
  • Modelle zur Bürgerbeteiligung

Die Einladung zur Veranstaltung finden Sie hier!

Foto: Fotolia

Bundesweite Proteste zum 1. Fukushima Jahrestag

Donnerstag, März 8th, 2012

Am 11. März jährt sich die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima. Dazu werden in Deutschland an fünf Atomkraft-Standorten Großdemonstrationen veranstaltet sowie eine Lichterkette mit einer Länge von 75 km von Braunschweig über die Asse nach Schacht Konrad gebildet. Auch in vielen anderen Ländern gehen Menschen auf die Straße.

Es soll an das schreckliche Reaktorunglück vor einem Jahr erinnert werden sowie Kritik an der Atom- und Energiepolitik der Bundesregierung geäußert werden.

„Der Jahrestag der Atomkatastrophe in Fukushima muss eine Mahnung sein, die Energiewende voranzubringen und nicht auszubremsen. Während neun Atommeiler weiterlaufen, versucht die Bundesregierung den Ausbau der alternativen Energieversorgung abzuwürgen, indem die Solarförderung zusammengestrichen wird. Gleichzeitig bleibt die Regierung untätig bei der wichtigen Reduktion des Stromverbrauches und versucht die europäische Energieeffizienzrichtlinie zu verwässern“, so Thorben Becker vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

„Das AKW Gundremmingen soll trotz kritischer Parallelen zu Fukushima noch bis 2021 laufen. Das ist eine Laufzeitverlängerung von insgesamt sieben Jahren für die beiden Reaktoren im Vergleich zum ersten Ausstiegsbeschluss von 2002. Das AKW Neckarwestheim soll bis 2022 laufen, obwohl es auf geologisch instabilem Grund in einem erdbebengefährdeten Gebiet steht. Auch jedes andere AKW hat seine besonderen Risiken“, so Uta Wittich vom Bündnis Atomausstieg jetzt!.

Japan schafft den Ausstieg

Japan hat hingegen von 54 Atomkraftwerken im letzten Jahr nun nur noch zwei am Netz. Und auch die sollen innerhalb der nächsten Wochen heruntergefahren werden. Trotz der Katastrophe und dem Atomausstieg ist die japanische Wirtschaft nicht zusammengebrochen. Noch vor einem Jahr bezog Japan seinen Strombedarf zu 30 Prozent aus Atomkraftwerken. Kreative Energiesparmaßnahmen von Unternehmen und Bevölkerung führten dazu, dass das Stromnetz nicht zusammengebrochen ist. Daran kann sich Deutschland ein Beispiel nehmen. Es besteht ein riesiges Potential für Energieeinsparung und Effizienzsteigerung und damit eine sichere Möglichkeit innerhalb kurzer Zeit auf Atomstrom zu verzichten.

Auch angesichts der Gefahren, die von den neun weiter laufenden AKW in Deutschland ausgehen, wäre hierzulande ein vollkommener Ausstieg aus der Atomkraft angemessen und machbar. Denn der Weiterbetrieb der Reaktoren bis 2022 birgt unermessliche Risiken.

An den folgenden Atom-Standorten finden Demonstrationen statt: AKW Gundremmingen (Bayern), AKW Neckarwestheim (Baden-Württemberg), AKW Brokdorf (Schleswig-Holstein), in Hannover wegen der Nähe zum AKW Grohnde (Niedersachsen) und an der Urananreicherungsanlage in Gronau (NRW).

Quelle: www.ausgestrahlt.de, fukushima2012.de