Einträge ‘Kernenergie’

Bodenatlas 2015 zeigt globale Hinterlassenschaften der Atomenergie

Montag, Januar 12th, 2015

Ein erschreckend anschauliches Bild der über- und unterirdischen radioaktiven Kontamination der Erde bietet der „Bodenatlas 2015“, der jüngst von der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Institute for Advanced Sustainability Studies, dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland sowie der Le Monde diplomatique veröffentlicht wurde. Auf der in diesem Zusammenhang angefertigten Karte wird deutlich, in welchem Ausmaß die Hinterlassenschaften der Atomenergie dem Planeten Erde und den Menschen noch in den nächsten zehntausenden Jahren zu schaffen machen werden.

Welche Spuren der neuzeitliche „homo oeconomicus“ durch seine Lebensweise und sein exzessives Konsumverhalten darüber hinaus bereits auf dem Planeten hinterlassen hat, und inwiefern dies vor allem die Bewohner der ärmeren Erdteile negativ zu spüren bekommen, lesen Sie in der Gesamtausgabe des „Bodenatlas 2015. Daten und Fakten über Acker, Land und Erde“, der hier kostenlos zum Download bereit steht. Ebenfalls kostenfrei kann hier auch die gedruckte Version bestellt werden.

 

Quelle: www.bund.net
Karte: Bodenatlas 2015 / www.bund.net

Erneute Kernspaltung in Fukushima befürchtet

Donnerstag, November 3rd, 2011

Im japanischen Unglücks-AKW Fukushima hat angeblich eine neue Kernspaltung stattgefunden. Der Kraftwerksbetreiber Tepco bestätigte, im Reaktor 2 sei das Gas Xenon 133 und 135 gefunden worden. Bei den Gasen handelt es sich um Nebenprodukte einer atomaren Reaktion.

Da diese radioaktiven Isotope über nur geringe Halbwertszeiten verfügen, können diese erst kürzlich entstanden sein. Die Halbwertszeit von Xenon 133 beträgt etwa fünf Tage, die von Xenon 135 weniger als 10 Stunden. Strahlungs-, Druck-, und Temperaturverhältnisse im Reaktor seien jedoch nur unwesentlich verändert, so Tepco. Dennoch begann der AKW-Betreiber, dem Reaktor Borsäure über die Kühlwasserzuleitung zuzuführen, um die Gefahr einer unkontrollierten Kettenreaktion zu minimieren und einer atomaren Katastrophe entgegenzuwirken.

Tepco-Sprecher Osamu Yokokura beschwichtigte: „Wir haben bestätigt, dass der Reaktor stabil ist, und wir glauben nicht, dass dies einen Einfluss auf unsere künftige Arbeit haben wird.“ Eine Untersuchung des Vorfalls sei jedoch eingeleitet worden, teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde mit.

Japan forciert trotzdem weiter für Export seiner Atomtechnologie

Der Export von Atomtechnologie ist ein lukratives Geschäft, und er ist für Japans Regierung von zentraler strategischer Bedeutung. Entsprechend bemüht sich die Regierung darum, ihn voranzutreiben – ungeachtet der Atomkatastrophe.

Im Frühjahr wurden die Verhandlungen der japanischen Regierung mit entsprechenden Partnerländern zunächst auf Eis gelegt, nun gehen Staatschef Yoshihiko Noda und sein Außenminister Koichiro Genba wieder auf Werbetour.

Japans zweitgrößte Zeitung „Asahi Shimbun“ berichtete, die Verhandlungen über ein Abkommen zur zivilen Nutzung von Atomkraft mit Indien seien wieder aufgenommen worden. Zudem wird Technologie nach Vietnam exportiert, um dem Land beim Bau von zwei AKW in der Provinz Ninh Thuan zu helfen. Neben Indien und Vietnam laufen außerdem Verhandlungen mit der Türkei, Brasilien, Südafrika und den Vereinigten Arabischen Emiraten über Abkommen zur zivilen Nutzung von Atomkraft. Der Export von Hightech-Gütern – also zum Beispiel von AKW-Komponenten wie Druckbehältern, Dampferzeugern und Turbinenbäumen oder von Hochgeschwindigkeitszügen – ist eine zentrale Säule von Japans Wachstumsstrategie. Premier Noda bemüht sich, die seit 2008 lahmende Konjunktur anzukurbeln, die horrenden Staatsschulden abzubauen und den an die Decke gehenden Energiebedarf zu decken.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) solle aus der Katastrophe von Japan Lehren für den künftigen Umgang mit Notfällen ziehen, forderte kürzlich der stellvertretende chinesische Uno-Delegierte Wang Min. Das durch das Unglück erschütterte Vertrauen in die Atomenergie müsse wiederhergestellt werden.

Quellen: www.klimaretter.info, www.spiegel-online.de

Der Weg zur Energiewende ist frei

Dienstag, August 2nd, 2011

Deutschlands Atomausstieg bis 2022 ist jetzt amtlich: Bundespräsident Christian Wulff hat das Gesetz für den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie unterschrieben. Wulff habe nach sorgfältiger Prüfung der Verfassungsmäßigkeit das 13. Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes ausgefertigt, teilte das Bundespräsidialamt am Montag in Berlin mit.

Mit der Verkündung im Bundesgesetzblatt kann das Gesetzt in den nächsten Tagen in Kraft treten. Auch die sieben weiteren Gesetze für die Energiewende habe Wulff in den vergangenen Tagen bereits unterzeichnet, bestätigte das Präsidialamt auf Anfrage des Tagesspiegels. Dem neuen Atomgesetz hatten im Bundestag Union, FDP,  SPD und Grüne nach der Fukushima-Katastrophe gemeinsam in einem breiten Konsens für die radikale Kehrtwende in der Energiepolitik zugestimmt.

Anfang Juli passierte das Gesetzespaket den Bundesrat.

Quelle: Der Tagesspiegel
Bild: © Peer Frings – Fotolia

Hält Bundesumweltministesr UBA-Atomstudie zurück?

Samstag, Mai 28th, 2011

Medienberichten zufolge hält Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) eine Studie des Umweltbundesamtes zurück, wonach ein Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie bis 2017 „problemlos machbar“ sei. Das Umweltbundesamt, das dem Bundesumweltministerum unterstellt ist, sieht demnach keine Gefahr für massiv steigende Strompreise und auch keine technischen Probleme, wenn das letzte Atomkraftwerk 2017 vom Netz geht.

Röttgen hat selbst bislang keine Aussage zu einem möglichen Ausstiegstermin getroffen. Offiziell wird von der Regierung verlautbart, man wolle den Ergebnissen der Ethikkommission nicht mit konreten Jahreszahlen vorgreifen.  Dass jedoch eine Studie zurückgehalten wird, die ein Ausstiegsszenario bis 2017 für machbar hält, könnte ebenso auf einen interessengeleiteten Vorgang hindeuten wie das jetzige inoffizielle Bekanntwerden der Studienergebnisse. Indes: Die Studie war bereits im April angekündigt worden, nachdem UBA-Präsident Jochen Flasbarth in Interviews berichtet hatte, ein Ausstieg aus der Atomenergie sei bis 2017 möglich.

Verfasser: Energiewende Landkreis Starnberg e.V. , E. Villing

Quelle: Münchner Merkur, Hannoversche Allgemeine Zeitung

Ethikkommission diskutiert zur Zukunft der Energieversorgung

Samstag, April 30th, 2011

In der öffentlichen Beratung der Ethikkommission zur Zukunft der Energieversorgung kamen vergangenen Donnerstag vor allem Wissenschaftler zu Wort. Während eines zunächst sieben minütigen Statements konnten die Fachleute ihre Einschätzung zu den verschiedenen Zukunftsoptionen abgeben. Anschließend fand eine offene Fragerunde unter Leitung des Kommissions-Vorsitzenden Prof. Dr. Klaus Töpfer statt. Während sich die Vertreter der technischen Fachbereiche zu den Möglichkeiten des Ausstiegs aus der Kernenergie und dem Einsatz alternativer Energietechniken äußerten, befassten sich die Experten der gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen mit Fragen zu Risiken und Gefahren, Wohlstand und anderen ethischen Aspekten im Zusammenhang mit der der künftigen Energieversorgung.

Ausstieg bis 2017 möglich

Prof. Eicke Weber vom Fraunhofer ISE hält einen Ausstieg bis zum Jahr 2017 für möglich und betonte die bereits erreichten Kostendegressionen z.B. im Bereich der Photovoltaik. Als Vertreter für alle Sparten der erneuerbaren Energien gehören für ihn aber auch die weiteren regenerativen Sparten zur Energieversorgung der Zukunft. Prof. Eberhard Umbach vom Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) rechnete vor, wie sich ein Atomausstieg auf die Klimabilanz auswirken würde. Über die Einschätzung von Risiken sprach Frau Prof. Rafaela Hillerbrand vom Philosophischen Institut der RWTH Aachen. Ihrer Einschätzung nach sei auffällig, dass die Befürworter der Kernenergie stets auf die geringe Eintrittswahrscheinlichkeit von AKW-Unfällen hinwiesen, während sich die Gegner zumeist auf die immens hohen Schäden fokussierten, die im Fall der Fälle eintreten könnten. Prof. Ferdi Schüth vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung ist der Auffassung, dass die größte Unsicherheit bei einer Abschaltung der Atomkraftwerke in Deutschland die Netzstabilität sei. Erzeugungskapazitäten seien hingegen genügend vorhanden. Zudem geht Schüth nicht davon aus, dass die Nutzung von CO2 aufgrund des zu geringen Potenzials eine nachhaltige Option zur Verbesserung der Klimabilanz sei.

In einer dritten Runde werden aktuell weitere Forschungsinstitutionen wie Öko-Institut oder DIW, Unternehmensvertreter wie Schüco-Chef Dirk U. Hindrichs sowie Verbandsvertreter und Politiker angehört und deren Vorschläge und Statements diskutiert.

Weitere News und Meldungen zum Thema finden sich aufder Internetseite des IWR-Pressedienstes bzw. direkt unter den folgenden Links:
Ethikkommission: Schütz schlägt Aufschlag für fossile Energie vor
IWR: Beschleunigungs-Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien notwendig
Klimaschutz: Alternative zu Kyoto – Der CERINA-Plan
Zum Karriereportal der Energiewirtschaft

Quelle: IWR

GFK-Umfrage: Verbraucher setzen auf erneuerbare Energien

Donnerstag, April 14th, 2011

Durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima (Japan) hat die Nutzung der Kernenergie weiter an Zustimmung verloren. Während im Januar dieses Jahres noch in jedem zehnten Privathaushalt die Energiegewinnung aus Atomkraft aus Gründen der Versorgungssicherheit und zum Klimaschutz (CO2-Minimierung) für zukunftsfähig gehalten wurde, ist die insgesamt schon geringe Zustimmung in der Bevölkerung nun nahezu vollständig verschwunden. Lediglich 4 % halten Investitionen in die Kernenergie für erforderlich, wie die aktuelle Ergebnisse einer repräsentativen Befragung der GfK Marktforschung aus dem April zeigen.

Auch die Sicherstellung der Stromversorgung ist lediglich für eine Minderheit von 5 % ein Argument, an der Nutzung der Kernenergie festzuhalten. Hier zeigen sich jedoch deutliche regionale Unterschiede in der Beurteilung:  Während im den alten Bundesländern knapp 4 % der Bürger/innen in der Kernenergie eine zukunftsfähige Technologie sehen, ist davon in den neuen Bundesländern immerhin noch jeder Zehnte überzeugt.

Quelle: Newsletter TGA-Fachplaner

Klimaschutz ohne Kernenergie? – Das mach‘ ich mit Links!

Montag, April 11th, 2011

wi_logo_srgbSeit nunmehr 20 Jahren engagiert sich das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie Gmbh für Nachhaltigkeit und eine intakte Umwelt. Ernst Ulrich von Weizsäcker war fast ein Jahrzehnt Präsident des renommierten Instituts, die Publikation „Zukunftsfähiges Deutschland“ hatte 1996 für Furore gesorgt. Anlass für die Institutsgründung war die Agenda 21. 1992 verpflichteten sich auf der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 178 Staaten auf dieses Programm, die Agenda für eine umweltverträgliche, sozial gerechte und ökonomisch tragfähige Entwicklung im 21. Jahrhundert. Es bestand Konsens, dass Umwelt und Entwicklung zusammen gedacht werden müssen und gemeinsame Lösungen brauchen. Als Konsequenz dieser Einsicht sollten sich die Produktions- und Konsummuster der Industrieländer ändern.

Die Studie Zukunftsfähiges Deutschland – Ein Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung beantwortete 1996 die Frage nach dem Status quo sowie der Strategie mit aufrüttelnden Fakten, Zielen, Maßnahmen und Leitbildern. Die Studie wurde von der Naturschutz und Umweltorganisation Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der katholischen Entwicklungsorganisation Misereor gemeinsam herausgaben und vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie erarbeitet.

2008 erschien die Fortsetzung Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt.  Das Institut forscht seitdem weiter unermüdlich an Möglichkeiten für ein gerechtes und nachhaltiges Leben und die Bewusstseinsbildung – für alle Menschen auf unserem Planeten.

Nun hat das Institut auf seiner Internetseite eine aktualisierte Linkliste zum Klimaschutz ohne Kernenergie eingestellt. Die Linkliste ist in Form einer übersichtlichen Tabelle angelegt, die die Verlinkungen sowohl unter 6 Kategorien thematisch einsortiert als auch die Kategorien selbst inhaltlich kurz umreißt, so dass eine leichte Orientierung möglich ist.

So finden sich unter der Kategorie Strom hinweise zum Kauf energieeffizienter Geräte, zum Thema Stand-by-Verbräuche und Strom-Wechsel zu unabhängigen Ökostromanbietern. Die Kategorie Wärme reicht von Lüften über Dämmen bis zu Umwälzpumpen und Heizmitteln und unter Kapital sind nachaltige Investments zu finden. Weitere Themen sind Mobilität, Förderung und Information.

Die Linklist e erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ist aber nach unserer Meinung für alle ein sinnvolles Instrument, die selbst aktiv einen Beitrag zum Klimaschutz leisten möchten.

Auf der Internetseite des Instituts finden sich auch interessante Publikationen gegliedert nach Forschungsbereich.

Darüber hinaus bietet das Wuppertal Institut jede Menge interessanter Informationen für alle Nachhaltigkeits-Verfechter, Umweltbewussten,  und Energiewende-Aktiven. Mehr erfahren Sie hier!

Verfasser: Energiewende Landkreis Starnberg e.V.

Reck: "Energiesystem wird dezentraler und mittelständischer sein"

Donnerstag, März 31st, 2011

Debatte: EU-Energiepolitik nach Fukushima

Eine Technologie, deren Einsatz absolute Sicherheit voraussetzt, kann keine Zukunftsoption für die Energieversorgung sein, meint Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). In einem Standpunkt auf EurActiv.de fordert Reck Investitionen in intelligente Netze und dezentrale Speicherlösungen. Gefragt sei eine ökologische Industrialisierung.

Die dramatischen Ereignisse in Japan haben die Welt bis ins Mark erschüttert. Obwohl die (ökologischen und ökonomischen) Folgen heute im Einzelnen noch nicht absehbar sind, ist eines unumstritten: Das schwere Unglück in Fukushima wird die Welt nachhaltig verändern. Eine Neubewertung der Kernenergie ist vor diesem Hintergrund zwingend notwendig. Fest steht: Wir benötigen Energie, sie ist die Grundlage unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands. Aber woher wollen wir diese beziehen? Und vor allem: Wie wollen wir sie zukünftig erzeugen?

Fossile Energien schädigen das Klima nachhaltig

Europa muss jetzt intensiv darüber nachdenken, wie es in absehbarer Zukunft ohne Kernenergie auskommen kann. Der jetzt von EU Energiekommissar Oettinger mit den Unternehmen vereinbarte „Stresstest“ ist ein erster wichtiger Schritt, um die Sicherheit der europäischen Kernkraftwerke zu prüfen. Er darf allerdings kein Feigenblatt sein, um danach wieder einfach zur Tagesordnung zurückzukehren. Eine Technologie, deren Einsatz absolute Sicherheit voraussetzt und bei der die Frage der Endlagerung nicht gelöst ist, kann keine Zukunftsoption für eine nachhaltige europäische Energieversorgung sein. Gleichzeitig werden fossile Energien immer knapper und teurer. Aber es ist noch genug davon da, um das Klima nachhaltig zu schädigen.

Die Verantwortung für unser Weltklima – und damit für unsere Wirtschaft und das Gemeinwohl – erfordert ein deutlich engagierteres Handeln. Das gilt auch und gerade für die Energieerzeugung und den -verbrauch. Wir müssen das Energiesystem deshalb gründlich umbauen. Dabei sollten wir auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, auf den Aufbau und Ausbau intelligenter Energienetze und auf Effizienzsteigerungen setzen.

Effizienteste Technologie: Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)

Die tragende Säule einer sinnvollen und nachhaltigen Klima- und Energiepolitik ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Für 2020 strebt die Europäische Union einen Anteil von 20 Prozent am Primärenergieverbrauch an. Dieser Ausbau ist machbar, doch er kostet Geld. Umso wichtiger ist es, Investitionen verstärkt in erneuerbare Energien umzulenken. Da die technisch-wirtschaftliche Lebensdauer von Kraftwerken rund 40 Jahre beträgt, ist es wichtig, bereits heute umzudenken. Schaffen wir das nicht, wird es schwer und teurer die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen.

Wenn wir die Erneuerbaren sinnvoll einbinden wollen, müssen wir parallel den Netzausbau forcieren – insbesondere die Verteilnetze vor Ort. Nur eng vermaschte und intelligente Netze, die sogenannten Smart Grids, können schwankende Einspeisemengen von Wind- und Sonnenenergie ausgleichen. Zudem sind eine effizientere Erzeugung und ein effizienterer Umgang mit der vorhandenen Energie notwendig. Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sind mit Wirkungsgraden von bis zu 90 Prozent die effizienteste Energieerzeugungstechnologie. Zudem sind sie sind ein hervorragender Türöffner für erneuerbare Energien, weil sie flexibel hinsichtlich der einsetzbaren Brennstoffe sind. In Deutschland haben wir mit diesen Anlagen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Energieversorgung: dezentral und intelligent

Heute ist die Energieversorgung in Europa noch vorwiegend zentral ausgerichtet. Wenige Großkraftwerke in der Hand weniger Unternehmen bringen die Energie über die Übertragungsnetze zu den Verbrauchern. Dezentrale Erzeugungsanlagen sind bislang nur eine Ergänzung der Strukturen. Genau hier wird eine Trendwende erfolgen: Das zukünftige Energiewirtschaftssystem wird dezentraler und mittelständischer geprägt sein. Weitreichende Veränderungen zeichnen sich vor allem in den Erzeugungs- und Netzinfrastrukturen ab. Um die Potenziale an Ort und Stelle zu nutzen, werden zukünftig kleinere Erzeugungsanlagen Strom in die Verteilnetze einspeisen. Erzeugung und Verbrauch werden lokal und intelligent ausgesteuert und überregional verteilt. Unterstützt wird dieses System von zentralen Stromspeichern aber auch von dezentralen Speicherlösungen wie etwa Fernwärmenetzen und Elektrofahrzeugen. Damit dreht sich das Bild um: Künftig werden die zentralen Strukturen die dezentralen ergänzen.

Ökologische Industrialisierung: EU als Vorbild

Die EU muss die Führung für den Umbau der Energieversorgung übernehmen. Wie einst die Industrialisierung Europas zum Vorbild wurde, muss nun die ökologische Industrialisierung zum Vorbild werden. Green Tech ist Europas Zukunft. Das bedeutet nachhaltige Jobs und Wertschöpfung. Dafür benötigen wir aber einen europäischen Energiebinnenmarkt mit ausgebauten Grenzkuppelstellen, für den Übergang eine zuverlässige Rohstoffversorgung und ein verbindliches internationales Abkommen zur Senkung der CO2-Emissionen. Das kann nur die EU organisieren und leisten!

Zum Autor

Hans-Joachim Reck ist Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) in Deutschland. Der VKU vertritt die Interessen von mehr als 1.400 Mitgliedsunternehmen, die in den Bereichen Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung und Umweltschutz tätig sind.
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Quelle: EurAktiv.de

Greenpeace belegt – Keine Stromlücke ohne Atomstrom

Montag, August 16th, 2010

Die Stromversorger können ihre Ankündigung umsetzen und die acht ältesten deutschen Atomkraftwerke sofort stilllegen, ohne dass dies zu Engpässen in der Stromversorgung in Deutschland führt. Dies belegt eine neue Berechnung der Umweltorganisation Greenpeace, der zufolge die sieben Alt-AKW Biblis A und B, Brunsbüttel, Neckarwestheim 1, Isar 1, Philippsburg 1 und Unterweser, sowie der Pannenreaktor Krümmel aktuell nur noch zu 5,4 Prozent zur deutschen Stromversorgung beitragen. Die übrigen neun Atommeiler könnten bis zum Jahr 2015 abgeschaltet werden. Das zeigt das vom Aachener Institut EUtech für Greenpeace berechnete Energie-Szenario „Plan B 2050“.

Beschleunigter Atomausstieg bis 2015 und ein nachfolgender Kohleausstieg bis 2035-2040 sind nahezu klimaneutral möglich

Die Stromkonzerne hatten laut Magazin „Der Spiegel“ (Montagsausgabe) angekündigt, ihre Atom-Meiler sofort abschalten zu wollen, falls die von der Bundesregierung geplante Brennelementesteuer komme. „Das ist keine Drohung, sondern eine gute Nachricht“, sagt Tobias Münchmeyer, Greenpeace-Atomexperte. „Mit ihrer Ankündigung haben die Stromversorger zugegeben, dass die maroden deutschen Atomkraftwerke zur Deckung der Stromversorgung nicht benötigt werden“, so Münchmeyer weiter. Greenpeace fordert die Stromkonzerne dazu auf, die acht gefährlichsten Atomkraftwerke sofort abzuschalten. Das Energie-Szenario „Plan B 2050“ zeige wie Deutschland bis zum Jahr 2050 bei beschleunigtem Atomausstieg bis 2015 und einem nachfolgenden Kohleausstieg bis 2035-2040 nahezu klimaneutral werden kann und gleichzeitig die Versorgung gesichert und die Stromkosten gesenkt werden können.

32 TWh Atomstrom, aber 37 TWh aus Windenergie

Die Stromproduktion der ältesten sieben Atomkraftwerke, sowie des Pannenreaktors Krümmel ging laut Studie im Jahr 2009 im Vergleich zu 2008 um über 48 Terawattstunden (TWh) auf knapp 32 TWh drastisch zurück. Der Anteil der erneuerbaren Energien hat hingegen rapide zugenommen. Allein die Windenergieanlagen produzierten 2009 37 TWh Strom. Dies entspricht einem Anteil von 6,5 Prozent. Insgesamt tragen die erneuerbaren Energien bereits mit über 16 Prozent zur Stromproduktion bei. Zudem hat Deutschland 2009 14,3 TWh Strom ins Ausland exportiert.

„Wer Deutschland zukunftsfähig machen will, muss konsequent auf erneuerbare Energien setzen. Eine Laufzeitverlängerung für Atommeiler würde den notwendigen Ausbau der Erneuerbaren blockieren. Das wäre Gift für diesen boomenden Wirtschaftszweig. Wenn die Bundesregierung jedoch weiter auf Atomkraft setzt, schadet sie damit Deutschland“, sagt Münchmeyer.

Hier finden Sie eine Kurzfassung und eine Langfassung des Energie-Szenarios „Plan B 2050“ . Die Dokumente können Sie auch direkt bei Greenpeace herunterladen unter www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/klima/studie_energie_screen.pdf 

16.08.2010 | Quelle: Greenpeace. E.V. | solarserver.de © Heindl Server GmbH