Eintr&aauml;ge ‘Klimaschutz’

Energiepreisverleihung 2011 Landkreis Starnberg

Montag, Januar 30th, 2012

Das Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil gewinnt den Energiepreis 2011 des Landkreises Starnberg insbesondere mit seinem Kinder-Klima-Camp und der Kinder-Klimaschutz-Konferenz, aber auch dem insgesamt ganzheitlichen Ansatz zur Umweltbildung und Erlebnispädagogik. Dies wurde am Donnertag, 26.01.2012 bei der Energiepreisverleihung bekannt gegeben. bluMartin GmbH aus Weßling platzierte sich mit seinem Passivhaus-Bürogebäude und der Entwicklung einer innovativen Lüftungsanlage auf dem 2. Rang, die Gemeinde Gilching erreichte mit dem Neubau eines Kinderhorts in recyclingfähiger Modulbauweise den 3. Preis.

Die Gewinner des Energiepreises 2011

Quelle: Landratsamt Starnberg

Seit am 25. Mai 2009 der Kreistag die jährliche Auszeichnung eines Energiepreises beschlossen hat, verleiht der Landkreis in diesem Jahr bereits zum dritten Mal den Energiepreis. Ziel der Preisvergabe ist es, positive Beispiele bekannt zu machen, die zur Nachahmung anregen und damit die Energiewende im Landkreis vorantreiben. Im Sommer letzten Jahres erfolgte die Ausschreibung des Energiepreises 2011. Privatpersonen, Unternehmen, aber auch Kommunen und andere öffentliche Einrichtungen und Institutionen wurden aufgerufen, sich mit vorbildlichen Initiativen im Bereich Klimaschutz sowie der Energieeinsparung und Energieeffizienz zu bewerben. Bis kurz vor Fristende wurden 19 Bewerbungen eingereicht.

Die eingegangenen Bewerbungen hat eine Jury, aus je einem Vertreter jeder Kreistagsfraktion, dem Energiewendeverein, dem Regionalmanagement, dem Landratsamt sowie dem Bürgermeisterssprecher, beraten und eine Empfehlung ausgesprochen, über die dann der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Verkehr entschieden hat.

Die Bewertung der Bewerber erfolgte in drei Stufen. Im ersten Schritt wurden alle Bewerbungen gesichtet und die Erfüllung der Ausschreibungskriterien mit Hilfe eines Punktesystems bewertet. In einem zweiten Schritt wurden die besten Projekte von der Jury vor Ort besichtigt. Nach diesem Verfahren kamen folgende sieben Bewerber in der Finalrundem und schließlich fand eine abschließende Beratung und Bewertung mit endgültiger Feststellung der Sieger statt.

Gemeinde Gilching
Neubau eines Kinderhorts in Modulbauweise

Christian Ufer (Starnberg)
Neubau Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung

Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil
Regionales Kinder-Klima-Camp am Ammersee
mit Kinder-Klimaschutz-Konferenz

Gemeinde Weßling
Sanierung Mehrfamilienhaus mit Bürgersolarkraftwerk

Zukunftswerkstatt Pöcking
Pöcking zeigt Effizienz eine geführte Tour mit Ausstellung

bluMartin GmbH (Weßling)
Entwicklung dezentrales Frischluftsystem sowie Passivhaus-Bürogebäude

Gemeinde Herrsching
Energetische Sanierung Stadtvilla mit Kinderhort

Energiewende in den Alpen

Donnerstag, Januar 26th, 2012

Der Deutsche Alpenverein (DAV) sieht für das Jahr 2012 die Energiepolitik als große Herausforderung. “Die Alpen sind sehr stark vom Klimawandel betroffen, und gleichzeitig kommen neue Trends und Interessenlagen auf die Alpen zu“, so der DAV-Präsident Josef Klenner. “Ein besonders wichtiger Punkt ist hier die Energiepolitik. Wie bewältigen wir den schmalen Grat zwischen gelingender Energiewende einerseits und dem Schutz unerschlossener Gebiete andererseits?”

Auf der Hauptversammlung 2011 wurde ein „Grundsatzpapier des DAV zur umwelt- und sozialverträglichen Entwicklung und zum Schutz des Alpenraumes” verabschiedet. Ein rascher Umstieg auf erneuerbare Energien soll damit vom DAV unterstützt werden. Es ist eine Gesamtkonzeption zur Energieversorgung in den Alpen notwendig – eine Art “Masterplan”, der in die Landesplanung und in die regionale Raumordnung sowie in den europäischen Kontext integriert ist. Wichtigste Punkte eines solchen Masterplans müssen das Energiesparen und eine höhere Energieeffizienz in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen sein. Darüber hinaus wird es nötig sein, neue regenerative Energiequellen zu erschließen. Dies muss mit Bedacht geschehen, Pauschallösungen gibt es nicht. In den Alpen sind beispielsweise viele neue Wasserkraftwerke geplant – beispielsweise Pumpspeicher im Kühtai oder im Kaunertal. Einerseits ist Energie aus Wasserkraft wünschenswert, und Pumpspeicher sind die derzeit effektivste Möglichkeit, um in großem Maßstab Stromenergie zu speichern. Andererseits geht der Neubau von Wasserkraftwerken mit einem enormen Landschaftsverbrauch (vor allem bei Speicherseen) und Eingriffen in die Gewässerökologie einher. Ähnliches gilt für die Windkraft. Denn eines muss man sich vor Augen führen: Hinter dem abstrakten Begriff “Landschaftsverbrauch” stehen oft einzigartige Naturräume, die dann für immer verloren sind.

Folgende Punkte zählen zur neuen Energiepolitik des DAV:

  • Ein Masterplan zur Energieversorgung ist notwendig.
  • Transparente und offene Planungsprozesse sind notwendig.
  • Die Energieversorgung sollte aus regenerativen, möglichst regionalen Energiequellen gewährleistet sein.
  • Energieeffizienz und Energiesparen müssen an erster Stelle stehen.
  • Die einzigartige Naturlandschaft in den Alpen muss gesichert werden. Beim weiteren Ausbau muss der Vorrang auf bereits infrastrukturell vorgeprägten Bereichen liegen.

Quelle: Deutscher Alpenverein

Klimakonferenz in Durban – Klimaschützer hoffen auf ein Wunder

Mittwoch, November 30th, 2011

Seit vergangenem Montag bis zum 9. Dezember findet der 17. Weltklimagipfel in Durban, Südafrika, statt. 194 Staaten verhandeln erneut über Möglichkeiten die Klimaerwärmung einzudämmen. Christina Figueres, Chefin des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC), beschreibt den Grund des Treffens mit „nichts Geringeres als die größte energietechnische, industrielle und verhaltensrelevante Revolution der Menschheitsgeschichte“.

Ein umfassendes, rechtlich verbindliches Abkommen soll das im Jahr 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen. Dies ist nach dem Scheitern der Klimakonferenz in Kopenhagen 2010 und dem darauffolgend nur mäßigen Fortschritt in Cancún allerdings schwer zu glauben. Vielmehr werden Beschlüsse zu Klimafonds oder Waldschutz erwartet.

Leider ist ausgerechnet von den energieintensiven Staaten USA und China bisher kaum eine Bereitschaft zu erkennen, sich in absehbarer Zeit auf international verbindliche Abkommen einzulassen. China setzt sich vielmehr dafür ein, gemeinsam mit Entwicklungs- und Schwellenländern, den Industrienationen die Hauptverantwortung für den Kampf gegen den Klimawandel zu übertragen. Die Länder Japan, Russland und Kanada fordern eine Beteiligung Chinas und der USA und meldeten bereits Widerstand an. Im Falle einer weiteren Blockade durch die USA verlangt beispielsweise die Umweltorganisation Greenpeace einen neuen Klimavertrag.

Die weltweit tätige Organisation erwartet jedoch eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls. Alle Staaten müssten sich dazu verpflichten bis zum Jahr 2015 innerhalb eines neuen Vertrags ihren CO2-Ausstoß zu verringern.

Industrienationen als Vorbild

Klaus Töpfer, Ex-Umweltminister, der bis 2006 das Umweltprogramm der Vereinten Nationen leitete, forderte: “Wir müssen belegen, dass es geht, ohne mehr fossile Energien und ohne Kernenergie wirtschaftliche Stabilität zu erhalten.” und ruft damit die Industrienationen auf mit gutem Beispiel voranzugehen. Gelinge das hierzulande nicht, sei es auch extrem schwer, die Entwicklungsländer davon zu überzeugen. Deutschland befinde sich mit seiner Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien von über 20 Prozent bereits auf dem richtigen Weg.

BDI-Präsident fordert Entgegenkommen von China

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, spricht über CO2-Strafmaßnahmen auf Produkte aus Ländern, die beim Klimaschutz nicht mitziehen: „Diese Maßnahmen würden Vergeltungsmaßnahmen provozieren zum Schaden der europäischen und insbesondere der exportstarken deutschen Industrie“. Insbesondere von China forderte er verpflichtende Zugeständnisse zur Minderung der Treibhausgase. „Kyotos alte Zweiteilung der Welt in Industrie- und Entwicklungsländer funktioniert nicht mehr“, so Keitel weiter. In der Klimarahmenkonvention heiße es ausdrücklich, dass die Vertragsparteien das Klima „entsprechend ihren jeweiligen Fähigkeiten“ schützen sollen.

Angesichts der zahlreichen Widerstände und unterschiedlichen Interessen kommt immer wieder die Forderung nach einer Koalition der Willigen auf: Ein kleiner Kreis von Staaten, die sich für den Klimaschutz engagieren wollten, könnte allein vorangehen – in der Hoffnung darauf, dass dadurch eine Sogwirkung auf die Unentschlossenen entstehe. Von Achim Steiner, Chef des Uno-Umweltprogramms Unep, äußert jedoch Bedenken: “Wir brauchen das globale Instrument der Klimarahmenkonvention, um Klimapolitik mittel- bis langfristig auch weltweit umsetzen zu können”.

Steiner befürchtet wenn sich die Staatengemeinschaft nicht auf einen gemeinsamen Ansatz in der Energiepolitik oder der Landwirtschaft verständige, drohe „ein Wettbewerbskampf, der die Klimapolitik nur zurückhalten wird“. Des Weiteren hätte ein Kontinent wie Afrika das Nachsehen, „wenn jeder nur noch für sich selbst agiert“.

Quelle: Spiegel online, Greenpeace

Begeisterung beim Besuch der Windanlagen in Wildpoldsried

Dienstag, November 15th, 2011

Vergangenen Samstag besuchten mehrere Starnberger Kreisräte, Landrat Karl Roth, Ratsmitglieder sowie der Bürgermeister Rupert Monn aus der Gemeinde Berg die Gemeinde Wildpoldsried im Oberallgäu. Wildpoldsried gilt als Vorzeigegemeinde hinsichtlich kommunaler, regenerativer Energieversorgung und betreibt in diesem Zuge erfolgreich neun Windenergieanlagen. Dies ist auch der Grund für den Besuch aus dem Landkreis Starnberg: Die Umsetzung der Energiewende und das unlängst abgeschlossene Verfahren zur Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windenergie. Die ersten vier Windenergieanlagen werden aktuell in der Gemeinde Berg geplant, sie sollen bereits kommendes Jahr umgesetzt werden. Damit betritt der Landkreis Neuland – denn Windenergie stand trotz des Kreistagsbeschlusses von 2005, bis 2035 rechnerisch energieautark sein zu wollen, bislang nicht auf der Agenda. Und auch im Klimaschutzkonzept des Landkreises und der Landkreisgemeinden ist die Windkraft im Szenario einer zukünftigen Energieversorgung nicht berücksichtigt. Das soll sich nun ändern.

In der 2.500-Seelen-Gemeinde im Allgäu funktioniert das mit der Windkraft schon sehr gut. Aus regenerativen Energien wie Sonne, Wasser, Wind und Biomasse wird inzwischen 350 Prozent mehr Strom pro Jahr erzeugt, als selbst verbraucht wird. „Dabei haben immer die Bürger den Vorteil – für die Umwelt, aber vor allem für den Geldbeutel“, so Bürgermeister Zengerle in tiefstem Allgäuer Dialekt. Fünf der neun Windkraftanlagen wurden allein von Wildpoldsriedern finanziert, die selbstverständlich vom Ertrag der Anlage profitieren. Die ersten Windräder wurden im Jahr 2000 gebaut, nächstes Jahr stehen dann schon elf. Die Berger können darüber nur staunen, doch die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Windkraft ist in der Allgäuer Gemeinde mit 92 Prozent sehr hoch.

Besonderes Interesse wurde dem Thema Schall beigemessen. Zwar gilt eine Messung mit dem i-Phone, die von einem Kreisrat durchgeführt wurde, nicht als repräsentativ, aber mit 45 dbA in 80 Meter Entfernung kann auch nicht von unerträglichem Lärm gesprochen werden. In 200 m Entfernung, so die einhellige Aussage, konnten die Windräder nicht mehr gehört werden. Besonders aussagekräftig sind die Ausführungen von Anwohnern, so von einer Frau, die 450 Meter von zwei Windrädern entfernt im Weiler Hutoi wohnt: „Die Anlagen stören uns nicht. Die Eisenbahn hinter Wildpoldsried ist lauter“. Den anderen Nachbarn hingegen stören weder Eisenbahn noch Windräder, vielmehr seien der Verkehr und der damit verbunde Parkplatzmangel aufgrund der Informationstouristen ein Problem.

Die Informationsfülle während des Besuchs war offenbar riesig, doch besonders zwei Punkte werden die Berger Kommunalpolitiker und die Kreisräte mit nach Hause nehmen: Um Windkraftanlagen erfolgreich zu betreiben, muss vorher ordentlich an den Standorten gemessen werden, das heißt „Wie stark weht der Wind und in welcher Höhe bläst er am besten“. Außerdem ist eine Umsetzung derartiger Anlagen ohne Bürgerbeteiligung und ohne intensive, transparente Informationspolitik nicht möglich. Schließlich sind die Berger und die Landkreisbürger diejenigen, welche von den Windkraftanlagen profitieren sollen.

Quellen: Münchner Merkur, Süddeutsche Zeitung

Kohlendioxid-Ausstoß steigt schneller als je zuvor

Freitag, November 4th, 2011

Der Kampf gegen den Klimawandel droht verlorenzugehen: Der CO2-Ausstoß ist 2010 erneut gestiegen – und zwar rasanter denn je. Das hat eine neue Berechnung des US-Energieministeriums ergeben. Selbst die pessimistischsten Statistiken werden damit überboten.

Der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid hat im vergangenen Jahr ein Rekordhoch erreicht: 2010, so lautet das Fazit einer Studie des US-Energieministeriums, habe es den größten je verzeichneten CO2-Anstieg gegeben. Am Donnerstag veröffentlichte die Behörde ihre neuesten Statistiken, die damit alle Szenarien in den Schatten stellen, die es bisher zu diesem Thema gegeben hat.

Die Zahlen überbieten selbst die pessimistischsten Szenarien, mit denen Experten vor vier Jahren vor der Geschwindigkeit der Erderwärmung gewarnt haben. Und sie machen deutlich, wie kläglich die bisherigen Bemühungen zur Eindämmung des CO2-Ausstoßes offenbar sind. “Je mehr wir über die Notwendigkeit reden, CO2-Emissionen zu kontrollieren, desto mehr steigen sie an”, sagte John Reilly vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge.

Dem Bericht zufolge hat die Welt 2010 insgesamt 512 Millionen Tonnen mehr des Treibhausgases CO2 ausgestoßen als 2009. Das entspricht demnach einem Plus von sechs Prozent. Mit am stärksten für den Anstieg verantwortlich sind der Statistik zufolge Indien und China, die immer mehr Kohlekraftwerke bauen. Mitarbeiter des Ministeriums machten aber auch die verbesserte Wirtschaftslage 2010 mitverantwortlich. China ist der Hauptverursacher von Treibhausgasen, gefolgt von den USA und Indien.

Greff Marland, Geologe an der Appalachian State University, der zuvor an den Berechnungen für das US-Energieministerium beteiligt war, sprach von einem noch nie dagewesenen “Monster-Anstieg”.

Der Verbrauch fossiler Brennstoffe steigt

Auch Tom Borden, Leiter des Carbon Dioxide Information Analysis Center der US-Behörde, ist der Meinung, dass es sich um einen großen Sprung handelt. “Vom Standpunkt der Emissionen aus betrachtet, scheint die Weltfinanzkrise zu Ende zu sein”, sagte Borden. 2010 seien die Menschen wieder viel gereist, und die verarbeitende Industrie sei weltweit wieder auf dem Vormarsch. Das treibe den Verbrauch fossiler Brennstoffe in die Höhe – und damit den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase.

Insbesondere in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie Indien und China greift die Nutzung von Kohle zur Energiegewinnung immer schneller um sich. Allein die CO2-Emissionen, die durch die Verbrennung von Kohle entstehen, sind dem Bericht nach 2010 um acht Prozent gestiegen.

Derart düstere Szenarien beherrschen schon seit 2007 immer wieder die Schlagzeilen. Seinerzeit hatten Mitarbeiter des Uno-Weltklimarats IPCC ihren letzten großen Sachstandsbericht vorgelegt. Bereits damals berechneten die Forscher vier verschiedene mögliche Szenarien für den weltweiten CO2-Ausstoß. Doch selbst die düsterste der vier Prognosen ist nunmehr übertroffen.

Quelle: www.spiegel-online.de

Energiewende: Photovoltaik vor Denkmalschutz

Dienstag, Oktober 11th, 2011

Photovoltaik-Anlagen auf denkmalgeschützten Häusern sind möglich. Der 1. Senat des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg (VGH) hat mit Urteil vom 01.09.2011 entschieden, dass durch Photovoltaik-Anlagen hervorgerufene Beeinträchtigungen eines Kulturdenkmals wegen des in der Verfassung verankerten Klimaschutzes in stärkerem Maße hinzunehmen sind als Beeinträchtigungen durch andere bauliche Veränderungen.

Die Kirchengemeinde St. Urban in Emeringen (Baden-Württemberg/Alb-Donau-Kreis) beantragte 2008 die denkmalschutzrechtliche Genehmigung zum Aufbau einer Photovoltaik Anlage auf ihrer Pfarrscheuer, die sich neben der katholischen Pfarrkirche und dem dazugehörigen Pfarrhaus am Ortsrand der Gemeinde Emeringen befindet.

Das Landratsamt Alb-Donau-Kreis lehnte die Genehmigung nach Einholung einer Stellungnahme des Referats Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Tübingen ab. Das Regierungspräsidium hatte darauf verwiesen, dass die Pfarrscheuer sich im Ensemble von Kirche und Pfarrhaus befinde, die beide Kulturdenkmale von besonderer Bedeutung seien. Die spiegelnde Glasdachdeckung der PhotovoltaikAnlage beeinträchtige sowohl das Kulturdenkmal als auch die Umgebung über alle Maßen.

Nach erfolglosem Widerspruchsverfahren erhob die Kirchengemeinde Klage beim Verwaltungsgericht Sigmaringen. Dort blieb sie ohne Erfolg.

Auf ihre Berufung verpflichtete der VGH die Denkmalschutzbehörde, noch einmal über den Genehmigungsantrag zu entscheiden. Nach Einnahme eines Augenscheins kam der VGH zu dem Ergebnis, dass eine Photovoltaik Anlage das Erscheinungsbild der – wegen seiner heimatgeschichtlichen Bedeutung als einfaches Kulturdenkmal unter Denkmalschutz stehenden – Pfarrscheuer nicht erheblich beeinträchtige.

Bei dieser Einschätzung komme es auf das Empfinden des für Belange des Denkmalschutzes aufgeschlossenen Durchschnittsbetrachters an, heißt es in den Entscheidungsgründen. Dieses Empfinden werde beeinflusst durch die tatsächliche Entwicklung der letzten Jahre, in denen Photovoltaik Anlagen auf Dächern – gerade auch auf Scheunendächern – in so großer Zahl errichtet worden seien, dass derartige Anlagen in ländlich strukturierten Gegenden heute zum normalen Erscheinungsbild gehörten.

Der Durchschnittsbetrachter nehme solche Anlagen daher nicht mehr als exotische Fremdkörper wahr, die schon per se und erst recht auf einem Kulturdenkmal als störend empfunden würden, wie dies vielleicht in der Anfangszeit der Nutzung dieser Technik noch der Fall gewesen sei. Vielmehr sei ein Gewöhnungseffekt eingetreten, der durch die gewandelten Anschauungen über die Notwendigkeit der vermehrten Nutzung regenerativer Energien und die damit einhergehende positive Grundeinstellung des Durchschnittsbetrachters zu dieser Form der Energiegewinnung noch verstärkt werde.

Allerdings, so der VGH weiter, würde eine Photovoltaik Anlage auf dem Dach der Pfarrscheuer das unter besonderem Schutz stehende und wegen seiner Lage auch besonders schützenswerte Erscheinungsbild des Pfarrhauses und der Pfarrkirche – als einzelne Kulturdenkmale – erheblich beeinträchtigen. Deshalb sei der Antrag aber noch nicht abzulehnen. Vielmehr habe die Denkmalschutzbehörde nach pflichtgemäßem Ermessen zu entscheiden, ob sie die Genehmigung dennoch erteile.

Bei dieser Entscheidung sei dem Regierungspräsidium ein Fehler unterlaufen. Es habe auf eine Beeinträchtigung des „Ensembles“ aus Kirche, Pfarrhaus und Pfarrscheuer abgestellt und damit einen falschen rechtlichen Bezugspunkt gewählt. Die zuständige Behörde müsse daher erneut über den Genehmigungsantrag entscheiden. Hierbei sei die Rechtsauffassung des VGH zu beachten.

In diesem Zusammenhang führte der VGH aus, dass bei der zu treffenden Ermessensentscheidung das öffentliche Interesse an der Erschließung Erneuerbarer Energien mit dem ihm zukommenden Gewicht in die Abwägung einzustellen sei. Denn der Klimaschutz sei als Staatszielbestimmung im Grundgesetz und in der Landesverfassung verankert. Das bedeute, dass den Belangen des Denkmalschutzes auch bei einer erheblichen Beeinträchtigung nicht automatisch der Vorrang gegenüber den Belangen des Klimaschutzes einzuräumen sei.

Es spreche einiges dafür, dass das Regierungspräsidium dies bisher nicht hinreichend beachtet habe, urteilte der VGH. Dagegen sei die Gewinnung regenerativer Energien, auch wenn sie religiös motiviert sei, keine Religionsausübung. Die Kirchengemeinde könne sich daher nicht auf ihr kirchliches Selbstbestimmungsrecht oder die Religionsfreiheit berufen.

Die Revision wurde nicht zugelassen. Die Nichtzulassung der Revision kann binnen eines Monats nach Zustellung des schriftlichen Urteils durch Beschwerde zum Bundesverwaltungsgericht angefochten werden (Az.: 1 S 1070/11).

Quelle: Informationsdienst Erneuerbare Energien, Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg

Energiewende: Sonderaktion Heizungspumpentausch

Mittwoch, September 14th, 2011

Eine gemeinsame Aktion der  Gemeinden Seefeld, Weßling, Wörthsee und Gilching

Auftakt der Aktion in Seefeld!

Viele wissen es gar nicht: Der Energiefresser Nr. 1 im privaten Haushalt ist die alte Heizungspumpe.

Sie benötigt bis zu 90 Watt elektrische Energie und läuft über 6.000 Stunden pro Jahr, das heißt, sie verbraucht bis zu 800 kWh Strom. Das kostet den Hauseigentümer bei 20 Cent/kWh bis zu 150 Euro im Jahr.

Eine neue Heizungspumpe verbraucht dagegen nur noch bis zu 5 kWh Strom, also übers  Jahr aufsummiert zwischen 60 und 150 kWh – und das kostet dann nur noch ca. 11 bis 29 Euro im Jahr.

Mit einer modernen Hocheffizienzpumpe sparen Hausbesitzer also pro Jahr über 100 € an Stromkosten und sie tragen zusätzlich zum Klimaschutz bei! Warum?

Wenn nur 100 Pumpen erneuert werden, bedeutet das 51.000 kWh weniger Strom. Was heißt das für unser Klima? Pro kWh wird mit einem CO2-Ausstoß von 563 g gerechnet. Werden also 100 Pumpen erneuert, entlastet das um rund 29 Tonnen CO2 pro Jahr. Und das Beste: Der Einbau einer neuen Pumpe zum aktuellen Aktionspreis hat sich bereits nach 3 Jahren amortisiert!

Denn die teilnehmenden Installateure haben für sechs ausgewählte Pumpentypen der marktführenden Pumpenhersteller Biral, Grundfos und WILO mit den Händlern günstige Sonder-Konditionen ausgehandelt. Diese Pumpen passen für alle gängigen Heizungsanlagen. Und die Installateure gewähren für die Montage zusätzlich eine ordentliche Ermäßigung. Die so erzielten günstigen Festpreise (Die kleineren Pumpentypen kosten einheitlich 299 Euro, die etwas größeren 329 Euro) sind also inklusive Mehrwertsteuer. Sie beinhalten den Ausbau sowie die Entsorgung der alten Heizungspumpe und den Einbau der neuen Hocheffizienz-Heizungsumwälzpumpe mit der höchsten Energieeffizienzklasse A.

Die Aktion wurde von der Gemeinde Seefeld initiiert und wird nun – unterstützt von den lokalen Umweltgruppen und örtlichen Handwerkern – gemeinsam in den Gemeinden Seefeld, Weßling, Gilching und Wörthsee durchgeführt. Der Energiewende-Verein fördert die Öffentlichkeitsarbeit. So gibt es in Kürze einen Flyer für jede Gemeinde, der die Bürgerinnen und Bürger über den Ablauf der Aktion informiert und einen örtlichen Ansprechpartner nennt. Die Flyer werden in den Gemeinden an alle Haushalte verteilt und die Aktion in den Gemeindeanzeigern sowie auf den Internetseiten der Gemeinden Seefeld, Weßling, Wörthsee und Gilching vorgestellt. Selbstverständlich soll auch über die lokale Presse informiert werden. Und auf der Internetseite des Energiewendevereins gibt es unter dem Menüpunkt Gemeinsam handeln! die Seite Aktionen & Kampagnen. Dort wird über die Heizungspumpenaktion informiert und es werde zudem alle an der Aktion teilnehmenden Handwerker auflistet.

Allerdings ist die Sonderaktion zeitlich begrenzt: Sie findet nur vom 1. Oktober 2011 bis 31. März 2012 statt!

Wie läuft der Pumpenaustausch genau ab?

Die Aktion wird in jeder Gemeinde von örtlichen Handwerkern unterstützt Jeder Handwerker kann mitmachen. Die Liste mit den bis jetzt teilnehmenden Installateuren sind nach Gemeinde sortiert unten aufgelistet. Sobald sich ein weiterer Installateur an der Aktion beteiligt, wird er unter seiner Gemeinde neu in die Liste aufgenommen.

Und es gibt in jeder Gemeinde einen Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger.

Die Initiatoren hoffen, dass sich möglichst viele Handwerker aus den vier Gemeinden und viele Hausbesitzer an der Aktion beteiligen und sie sind davon überzeugt, dass alle Beteiligten von der Aktion profitieren. Schließlich bleibt das Geld im Ort und die Energiewende rückt wieder ein Stück näher.

Wie geht ein/e Hausbesitzerin vor, wenn die Pumpe ausgetauscht werden soll?

  1. Einen Termin mit einem der an der Aktion teilnehmenden Installateure vereinbaren.
  2. Dieser kommt ins Haus und berät Hausbesitzer vor Ort, welche Pumpe für die Heizungsanlage passt.
  3. Binnen einer Stunde montiert er die neue, stromsparende Pumpe und nimmt die alte gleich mit.

Ab jetzt kann richtig viel Strom gespart werden – bei gleichem Komfort!

Anbei der Pumpentausch Flyer für Seefeld und der Link auf die Aktion Heizungspumpentausch auf der Homepage des Energiewendevereins.

Hier finden Sie auch weiterführende Informationen zu den Heizungspumpen der Firma BIRAL, GRUNDFOS und WILO sowie eine neu erschienene Informationsbroschüre des BAFA zu Umwälz- und Solarpumpen


Energiewende Landkreis Starnberg e.V.,

Autor: Evelyn Villing – Fotos: Biral, Grundfos, WILO – Grafik (Nachbau): Evelyn Villing/ Stiftung Warentest

Neu: Broschüre energieeffiziente Umwälz- und Solarpumpen

Montag, September 5th, 2011

Die Energiewende erfordert nicht nur den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien, sondern insbesondere Energieeinsaprungen und mehr Energieeffizienz.

Das Bundesamt für Ausfuhr- und Wirtschaftskontrolle – BAFA hat deshalb druckfrisch eine neue Broschüre herausgegeben. Unter dem Titel: Erneuerbare Energien – Umwälzpumpen der Energieeffizienzklasse A und Solarpumpen in BC-Bauweise werden auf 30 Seiten energieeffiziente Pumpen mit exakter Typenbezeichnung und nach Herstellern geordnet in einer Tabelle aufgelistet. In der letzten Spalte sind Bemerkungen, z.B. zu Bauart, Besonderheiten, baugleichen Pumpen mit anderer Typenbezeichnung oder vergleichbare Pumpen anderer Hersteller zu finden. Die Liste mit Stand 29.08.2011 – also August dieses Jahres – erhebt zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie ist aber mit Sicherheit eine gute Hilfe für Hausbesitzer und Installateure, die sich mit dem Thema Heizungs- und Solarpumpentausch befassen, einen Pumpentausch in Erwägung ziehen oder Kunden diesbezüglich beraten.  Schließlich kann mit Pumpen der Effizienzklasse A jede Menge Pumpenstrom gegenüber den herkömmlichen, alten Pumpen eingespart werden, denn die neuen Pumpen verbrauchen bis zu 95 % weniger Energie und sparen so über 100 Euro Stromkosten pro Jahr ein. Das lohnt sich nicht nur für Geldbeutel, sondern spart viel Energie, wertvolle Ressourcen und Kosten für fossile Brennstoffe und wirkt sich deshalb positiv auf Umwelt und Klima aus!

Viele Gemeinden und Landkreise bieten schon Heizungspumpen-Tauschaktionen für ihre Bürger an, um mit wenig Aufwand die CO2-Bilanz zu verbessern.  Die örtlichen Installateure gewähren bei diesen zeitlich limitierten Aktionen meist besonders günstige Festpreise für den Heizungsumwälzpumpentausch an. Dieser beinhaltet die Kosten für den Ausbau der alten, den Preis für die neue Pumpe und die Montage.

Quelle: BAFA

Verfasser: Energiewende Landkreis Starnberg e.V., Evelyn Villing

Foto: WILO

Buchtipp: Altbauten sanieren – Energie sparen

Mittwoch, Juni 1st, 2011

3. aktualisierte Auflage des BINE-Fachbuchs

Autoren: Doris Haas-Arndt und Fred Ranft

Energiewende ganz konkret: Altbauten verbrauchen viel und zunehmend teure Energie. Investitionen in Wärmedämmung und eine bessere Haustechnik zahlen sich also bei der Energiebilanz und den Heizkosten aus. Und: Energie die eingespart wird, muss auch nicht in Kraftwerken erzeugt werden. Mit abgestimmten Sanierungsmaßnahmen lässt sich – bei gestiegenem Wohnkomfort – der Wärmebedarf von Altbauten um bis zu 70% reduzieren, das schont Geldbeutel und Klima. Wie das geht, zeigt das BINE-Fachbuch “Altbauten sanieren – Energie sparen”, das jetzt als 3. aktualisierte Ausgabe erschienen ist.

Weil Sanierungsmaßnahmen eine Generation und mehr überdauern, hilft eine professionelle Planung der Maßnahme, Fehler zu vermeiden und an alle wichtigen Details zu denken. Das Buch führt in die architektonischen, physikalischen und technischen Grundlagen der Sanierung ein. Schwerpunkte sind die Analyse von Schwachstellen, Maßnahmen für die Gebäudehülle und die Gebäudetechnik sowie Erfahrungen aus realisierten Projekten. Der gesetzliche Standard bildet dabei die Untergrenze der Möglichkeiten. So bietet das Buch eine Fülle an Anregungen, um auch aus Altbauten echte Energiesparhäuser zu machen.

Autoren sind Prof. Fred Ranft und Prof. Dr.-Ing. Doris Haas-Arndt. Herr Ranft lehrt als Professor für “Entwerfen – ökologische Planungs- und Entwurfskonzepte” an der FH Köln und verfügt als Architekt über eine langjährige Erfahrung in der energetischen Gebäudesanierung. Frau Haas-Arndt leitet seit 2010 den Fachbereich “Baubetriebsmanagement” an der Fachhochschule des Mittelstands in Pulheim.

Das BINE-Fachbuch “Altbauten sanieren – Energie sparen” können Sie online über den Link bei BINE bestellen.Quelle: BINE-Informationsdienst – Energieforschung und Praxis

Fukushima ist nicht vorbei: Energiewende jetzt!

Dienstag, Mai 31st, 2011

Die große Mehrheit der Bevölkerung, der Fachleute und der Wirtschaftsunternehmen fordert zum Atomausstieg und aus Klimaschutzgründen einen rascheren Umstieg auf saubere und sichere erneuerbare Energienquellen. Eine Beschleunigung der Energiewende ist allerdings im Entwurf zur EEG-Novelle nicht erkennbar.

Stattdessen wird die maritime Windkraft (offshore) bevorzugt – eine weitgehend unerprobte, teure und verbrauchsferne Energieform, die zudem auch einen umfangreichen und teuren Netzausbau erfordern würde. Mit Solarkraftwerken auf Freiflächen sowie Windenergie an Land (onshore) ließe sich die Energiewende dagegen schnell und günstig umsetzen. Denn Strom aus Windenergie-Anlagen im Binnenland kostet schon heute nur die Hälfte des Offshore-Stroms; Solarkraftwerke können ab 2012 preiswerter den Strom produzieren als maritime Windräder.

Folgende Maßnahmen sind umgehend erforderlich, um bis zum Jahr 2020 die doppelte Menge erneuerbarer Energien zum halben Preis zu realisieren:

  • Erhöhung des Ausbauziels für erneuerbare Energien (EE)
  • Ausweitung der Flächenkategorien für Solarkraftwerke
  • Beibehaltung der derzeitigen Rahmenbedingungen für Windenergie an Land (Systemdienstleistungsbonus; Degression: 1% / anno)

Der Zubau von 2012 bis 2020 wird damit schneller und günstiger:

  • 28% statt 13% mehr EE-Anteil am Strommarkt
  • rd. 0,8 Mrd. € statt 1,5 Mrd. € je % EE-Anteil

Anteil der EE am Strommarkt 2011 (prognostiziert):

  • Wind Onshore 10%
  • Wind Offshore 0%
  • Solarstrom 4%
  • Sonstige EE 8%

Summe 22%

Anteil der EE am Strommarkt 2020 (Bundesregierung)

  • Wind Onshore 13%
  • Wind Offshore 5%
  • Solarstrom 9%
  • Sonstige EE 8%

Summe 35%

Anteil der EE am Strommarkt 2020 (Stiftung 100 % erneuerbar):

  • Wind Onshore 25%
  • Wind Offshore <1%
  • Solarstrom 15%*
  • Sonstige EE 10%

Summe rd. 50%

* jeweils zu 50% auf Dach- und günstigen Freiflächen

Quelle: Stiftung 100 % erneuerbar