Einträge ‘KWK’

Infotag KWK am 10. April

Donnerstag, April 4th, 2019

10. April.2019 findet in München der 8. Infotag

zur Flexibilisierung von Erdgas-KWK-Anlagen bei Fern- und Nahwärmeversorgern sowie in Industrie, Gewerbe, Krankenhäusern, Alten-/Pflegeheimen und Wohnungswirtschaft statt. Integraler Bestandteil der Tagung ist eine Fachausstellung. Der Infotag richtet sich primär an Unternehmen in Bayern.
WORUM GEHT ES?
Den KWK-tangierten Unternehmen steht ein enormer Paradigmenwechsel bevor, verbunden mit großen Chancen für Betreiber sowie Anbieter von KWK-Anlagen und Dienstleistungen. Anlagen über 100 kW elektrisch werden künftig in der Regel nicht mehr für die Grundlast mit mehr als 5000 Betriebsstunden pro Jahr ausgelegt werden, sondern für 2000 bis 3000 Stunden. Die Anlagenleistung für Neu- und Bestandsanlagen (!) wird sich im betriebswirtschaftlichen Optimum mehr als verdoppeln, der KWK-Wärmeanteil deutlich erhöhen und ein Großteil des erzeugten Stroms wird – anders als in der Vergangenheit – auch bei Eigenerzeugern in Industrie, Gewerbe usw. in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden.
WAS IST GESCHEHEN?
Das KWK-Gesetz 2017 hat für Anlagen mit mehr als 100 kW elektrischer Leistung die Wirtschaftlichkeitsparameter grundlegend verschoben. Denn bei solchen Anlagen wird in der Regel nur noch derjenige Strom mit einem Zuschlag gefördert, der in das Netz der allgemeinen Versorgung eingespeist wird. Strommarktorientierte Einspeisung bringt höhere Erlöse. Dies hat eine selbst für Fachleute überraschend starke Veränderung für die wirtschaftlich optimale Auslegung zur Folge. Das Ausmaß dieser Veränderung wird erst mittels Optimierungssoftware vollständig ersichtlich. Dies gilt nicht nur für neue Standorte, sondern auch für bestehende Anlagen. Auch hier bietet sich in vielen Fällen mit dem neuen KWK-Gesetz eine außerordentliche Ertragsmöglichkeit auf der Stromseite, mit der die Kosten der Wärmeerzeugung deutlich gesenkt werden können. Voraussetzung ist, dass ein zusätzliches Potenzial zur Substitution von Wärme aus Kesselfeuerung durch Wärme aus KWK gegeben ist.

WAS BIETET DER INFOTAG?
Die Veranstaltung informiert kompakt an einem Tag über Voraussetzungen und Chancen einer flexiblen Fahrweise von KWK-Anlagen und die erforderlichen Schritte. Dazu dienen Vorträge erfahrener Fachleute in Verbindung mit viel Zeit für Fragen und Diskussionen unmittelbar im Anschluss an die Vorträge. Zwischen den Fachbeiträgen besteht viel Zeit für Gespräche zwischen den Teilnehmern und mit den ausstellenden Firmen, die spezielle Anlagen und Dienstleistungen für den Flex-Betrieb von KWK-Anlagen anbieten. Letztere sind neben den Vorträgen und Diskussionen ein wesentliches Element der Informationsvermittlung.
WEITERE INFORMATIONEN UND ANMELDUNG
auf www.kwkkommt.de

direkt: https://app1.edoobox.com/KWKkom18/Infotage%20Flex-KWK/Veranstaltung.ed.359456/?edref=kwkkom18

Kraft-Wärme-Kopplung: Sorptive Wärmespeicherung mit Zeolith

Mittwoch, Juni 6th, 2012

In Kraftwerken wird bei der Erzeugung von elektrischem Strom oft viel Wärme erzeugt, die nicht genutzt werden kann. Zum einen fehlt in ländlichen Gebieten die entsprechende Infrastruktur zur Wärmeversorgung, meist aber wären die Leitungsverluste durch die großen Entfernungen vom Erzeuger zum Verbraucher zu hoch. Eine marktfähige Speichertechnik wäre hier die ideale Lösung. Das Fraunhofer IGB in Stuttgart hat nun gemeinsam mit Industriepartnern eine vielversprechende Technik entwickelt, die die Wärme verlustfrei speichern soll. Für die breite technische Anwendung wurde die sorptive Speicherung mit Zeolith bislang nicht eingesetzt. Eine Containerlösung steht nun kurz vor der Marktreife.

Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auf Basis der erneuerbaren Energien birgt großes Potenzial. Etwa die Hälfte der im Brennstoff enthaltenen Energie wird als Wärme freigesetzt. Statt mit wasserbefüllten Pufferspeichern lässt sich Wärme mittels sorptiver Speicherung mit Zeolith speichern. Das Besondere: Der Speicher kann drei- bis viermal so viel Wärme wie Wasser über längere Zeiträume hinweg einlagern. Die Behälter müssen demnach etwa ein Viertel so groß sein wie Wasserspeicher.

Die Speicherfähigkeit von Zeolithen wird in vielen technischen Bereichen bereits genutzt, angefangen von Geschirrspülmaschinen über Kühlaggregaten bis hin zu Gas-Wärmepumpen. Das Potenzial steckt in ihrer Oberfläche: Diese ist porös; in einem Gramm der Zeolith-Kügelchen stecken bis zu 1.000 Quadratmeter Oberfläche. Kommt das Material mit Wasserdampf in Berührung, bindet es diesen in den Poren und Wärme entsteht. Zum Speichern der Wärme wird das Wasser entfernt und das Material – wiederum mit Wärme – getrocknet. Das Prinzip ist nicht neu, doch bislang gibt es noch keine breite technische Anwendung in Speichern. „Wir haben das Prinzip aufgegriffen und technisch umgesetzt“, erklärt Mike Bicker, Gruppenleiter Wärme- und Sorptionssysteme am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB. Zusammen mit Industriepartnern, unter anderem mit ZeoSys, hat das Fraunhofer IGB den neuen Wärmespeicher entwickelt. Die Forscher zeigten zunächst an einem 1,5-Liter-Reaktor und später an einem 15-Liter-Reaktor, wie das Verfahren grundsätzlich funktioniert. Sie untersuchten, welche der verschiedenen Zeolithe sich am besten eignen und wie groß die Kügelchen sein müssen. In den Versuchen konnte darüber hinaus die Wärme ohne größere Verschleißerscheinungen viele tausend Male gespeichert werden.

Ergebnis der Versuche und Markanwendung

Die Ergebnisse übertrugen die Forscher auf eine Versuchsanlage mit 750 Liter Speichervolumen. Der Speicher befindet sich in einem transportablen Container – Wissenschaftler können so die Anlage unter realistischen Bedingungen an den unterschiedlichsten Einsatzorten testen.
Im nächsten Schritt wollen die Fraunhofer Forscher die Herstellungskosten reduzieren, die Anlage weiter optimieren und für verschiedene Anforderungen anpassen. Zentrales Ziel sei vor allem, die Wärme sowohl in Industrieanlagen speichern zu können als auch in kleineren Blockheizkraftwerken (z. B. Wohnhäuser). Industrielle Anwendungen stünden zunächst im Vordergrund: „Ideal wäre eine Art Baukastensystem, aus dem man den Speicher je nach Anforderung zusammensetzen kann“, so Blicker.

Wärme, Kälte und Strom speichern

BINE-Projektinfos zum Thema Speicherung von Wärme, Kälte und Strom: „Heizen mit Zeolith-Heizgerät“ (02/2005) und „Kühlgeräte mit Zeolith und Wasser“ (16/2010). Außerdem gibt basisEnergie „Wärme und Strom speichern“ (19) einen Überblick, wie Energie dann nutzbar wird, wenn sie gebraucht wird.

Quelle: bine-Informationsdienst

Foto: Fraunhofer IGB/bine-info

Vorentscheidung für energetische Verwertung der Bioabfälle im Landkreis Starnberg

Freitag, Mai 13th, 2011

Stellungnahme des Vorstands zum „Biomüll-Export“

Die Vorstände des Energiewende-Vereins, und sicher auch viele Mitglieder, freuen sich über die Entscheidung der AWISTA-Verbandsversammlung, die  Bio-Abfallmengen in der Region in Eching energetisch zu verwerten. Man kann jetzt nach Haaren in der Suppe suchen und vom „St.-Florians-Prinzip“ sprechen, aber unterm Strich ist es womöglich die beste Entscheidung, die getroffen werden konnte.

Mindestens 5 gute Gründe sprechen dafür:

  1. Die Kommunen haben sich zu den Vorreitern des Klimaschutzes gemacht und nach vielen Rahmenbeschlüssen haben sie mit dem Projekt ihr erstes großes interkommunales Energiewende-Projekt auf den Weg gebracht, das endlich auch in der CO2-Bilanz spürbar wird.
  2. Sie wollen es in interkommunaler Kooperation durchziehen und spannen nun 2 Leistungsträger der kommunalen Dienstleistung im Landkreis, AWISTA und AWA-Ammersee,  zusammen, um dem Projekt eine gute Realisierungschance und einen größtmöglichen kommunalen Nutzen zu geben.
  3. Die Entscheidung für die Kläranlage Ammersee ist die ökologisch sinnvollste Variante, die Ressourcen schont, weil vorhandene Infrastruktur genutzt wird und dort der effizienteste Betrieb möglich ist, weil die Abwärme vollständig verwertet werden kann.
  4. Der durchaus wertvolle Grünschnitt der Wertstoffhöfe wird nicht der Abfallfraktion zuschlagen, sondern weitere energetische Nutzungsmöglichkeiten bleiben offen, z. B. in einer weiteren Biogasanlage und/oder durch Verbrennung der abgetrennten „Holzfraktion“.
  5. Die Anlage geht in eine Gemeinde, die mögliche Chancen höher bewertet als mögliche
    Nachteile. Die Projektbetreiben haben jetzt die große Chance diese positive Erwartungshaltung zu erfüllen und damit eine Trendwende in der Akzeptanzdiskussion für erneuerbare Energieanlagen einzuleiten.  Vielleicht kommen wir ja doch vom „not-in-my-backyard“ zum „me-too“!

Ökologische und wirtschaftliche Win-Win-Situation

Bissig von „weiterhin Export der Bioabfälle“ zu reden, geht unseres Erachtens an der Realität vorbei.

Die Gemeinde Eching ist seit langem ein guter kommunaler Kooperationsparter des Landkreises Starnberg (bzw. 5 seiner Gemeinden) – und zwar nicht definiert durch Landkreisgrenzen,  sondern durch gemeinsame Ver- und Entsorgungsaufträge. Mit solchen Partnern geht man pfleglich um und beabsichtigt nicht, ihnen unseren Müll einfach auf die Straße zu kippen.

Verfasser: Energiewende Landkreis Starnberg e.V. – Der Vorstand

Reck: "Energiesystem wird dezentraler und mittelständischer sein"

Donnerstag, März 31st, 2011

Debatte: EU-Energiepolitik nach Fukushima

Eine Technologie, deren Einsatz absolute Sicherheit voraussetzt, kann keine Zukunftsoption für die Energieversorgung sein, meint Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). In einem Standpunkt auf EurActiv.de fordert Reck Investitionen in intelligente Netze und dezentrale Speicherlösungen. Gefragt sei eine ökologische Industrialisierung.

Die dramatischen Ereignisse in Japan haben die Welt bis ins Mark erschüttert. Obwohl die (ökologischen und ökonomischen) Folgen heute im Einzelnen noch nicht absehbar sind, ist eines unumstritten: Das schwere Unglück in Fukushima wird die Welt nachhaltig verändern. Eine Neubewertung der Kernenergie ist vor diesem Hintergrund zwingend notwendig. Fest steht: Wir benötigen Energie, sie ist die Grundlage unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands. Aber woher wollen wir diese beziehen? Und vor allem: Wie wollen wir sie zukünftig erzeugen?

Fossile Energien schädigen das Klima nachhaltig

Europa muss jetzt intensiv darüber nachdenken, wie es in absehbarer Zukunft ohne Kernenergie auskommen kann. Der jetzt von EU Energiekommissar Oettinger mit den Unternehmen vereinbarte „Stresstest“ ist ein erster wichtiger Schritt, um die Sicherheit der europäischen Kernkraftwerke zu prüfen. Er darf allerdings kein Feigenblatt sein, um danach wieder einfach zur Tagesordnung zurückzukehren. Eine Technologie, deren Einsatz absolute Sicherheit voraussetzt und bei der die Frage der Endlagerung nicht gelöst ist, kann keine Zukunftsoption für eine nachhaltige europäische Energieversorgung sein. Gleichzeitig werden fossile Energien immer knapper und teurer. Aber es ist noch genug davon da, um das Klima nachhaltig zu schädigen.

Die Verantwortung für unser Weltklima – und damit für unsere Wirtschaft und das Gemeinwohl – erfordert ein deutlich engagierteres Handeln. Das gilt auch und gerade für die Energieerzeugung und den -verbrauch. Wir müssen das Energiesystem deshalb gründlich umbauen. Dabei sollten wir auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, auf den Aufbau und Ausbau intelligenter Energienetze und auf Effizienzsteigerungen setzen.

Effizienteste Technologie: Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)

Die tragende Säule einer sinnvollen und nachhaltigen Klima- und Energiepolitik ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Für 2020 strebt die Europäische Union einen Anteil von 20 Prozent am Primärenergieverbrauch an. Dieser Ausbau ist machbar, doch er kostet Geld. Umso wichtiger ist es, Investitionen verstärkt in erneuerbare Energien umzulenken. Da die technisch-wirtschaftliche Lebensdauer von Kraftwerken rund 40 Jahre beträgt, ist es wichtig, bereits heute umzudenken. Schaffen wir das nicht, wird es schwer und teurer die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen.

Wenn wir die Erneuerbaren sinnvoll einbinden wollen, müssen wir parallel den Netzausbau forcieren – insbesondere die Verteilnetze vor Ort. Nur eng vermaschte und intelligente Netze, die sogenannten Smart Grids, können schwankende Einspeisemengen von Wind- und Sonnenenergie ausgleichen. Zudem sind eine effizientere Erzeugung und ein effizienterer Umgang mit der vorhandenen Energie notwendig. Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sind mit Wirkungsgraden von bis zu 90 Prozent die effizienteste Energieerzeugungstechnologie. Zudem sind sie sind ein hervorragender Türöffner für erneuerbare Energien, weil sie flexibel hinsichtlich der einsetzbaren Brennstoffe sind. In Deutschland haben wir mit diesen Anlagen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Energieversorgung: dezentral und intelligent

Heute ist die Energieversorgung in Europa noch vorwiegend zentral ausgerichtet. Wenige Großkraftwerke in der Hand weniger Unternehmen bringen die Energie über die Übertragungsnetze zu den Verbrauchern. Dezentrale Erzeugungsanlagen sind bislang nur eine Ergänzung der Strukturen. Genau hier wird eine Trendwende erfolgen: Das zukünftige Energiewirtschaftssystem wird dezentraler und mittelständischer geprägt sein. Weitreichende Veränderungen zeichnen sich vor allem in den Erzeugungs- und Netzinfrastrukturen ab. Um die Potenziale an Ort und Stelle zu nutzen, werden zukünftig kleinere Erzeugungsanlagen Strom in die Verteilnetze einspeisen. Erzeugung und Verbrauch werden lokal und intelligent ausgesteuert und überregional verteilt. Unterstützt wird dieses System von zentralen Stromspeichern aber auch von dezentralen Speicherlösungen wie etwa Fernwärmenetzen und Elektrofahrzeugen. Damit dreht sich das Bild um: Künftig werden die zentralen Strukturen die dezentralen ergänzen.

Ökologische Industrialisierung: EU als Vorbild

Die EU muss die Führung für den Umbau der Energieversorgung übernehmen. Wie einst die Industrialisierung Europas zum Vorbild wurde, muss nun die ökologische Industrialisierung zum Vorbild werden. Green Tech ist Europas Zukunft. Das bedeutet nachhaltige Jobs und Wertschöpfung. Dafür benötigen wir aber einen europäischen Energiebinnenmarkt mit ausgebauten Grenzkuppelstellen, für den Übergang eine zuverlässige Rohstoffversorgung und ein verbindliches internationales Abkommen zur Senkung der CO2-Emissionen. Das kann nur die EU organisieren und leisten!

Zum Autor

Hans-Joachim Reck ist Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) in Deutschland. Der VKU vertritt die Interessen von mehr als 1.400 Mitgliedsunternehmen, die in den Bereichen Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung und Umweltschutz tätig sind.
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Quelle: EurAktiv.de