Einträge ‘Netzausbau’

Jahr 2050: 60 % des Stroms aus fossilen Kraftwerken?

Montag, August 27th, 2012

Integration von Wind- und Solarstrom erfordert langfristigen Umbau des Stromsystems

das sagt die neue dena-Studie.  Doch sind die Schlussfolgerungen der dena wirklich richtig? Die dena behauptet:

  • Ohne neues Marktdesign werden erneuerbare Energieträger zur Stromerzeugung auch 2050 nicht marktfähig sein
  • Europäische Kapazitätsmärkte und grundlegende EEG-Novelle erforderlich
  • Integration fluktuierender Leistung nur im europäischen Rahmen möglich
  • Deutschland wird vom Netto-Stromexporteur zum Netto-Stromimporteur
  • 2050: 240 GW installierte Gesamtleistung, davon 170 GW erneuerbar und 61 GW fossil

Die aktuellen Weichenstellungen in der Energiepolitik halten an den vorhandenen Marktstrukturen fest, das Überleben der Großkonzerne steht dabei im Vordergrund. Wen wundert es, wenn dann in der Studie der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) prognostiziert wird, dass 60 Prozent der gesicherten Leistung im Jahr 2050 voraussichtlich von effizienten Gas- und Kohlekraftwerken gestellt werden müssen? Im Fokus der Studie stehen Konsequenzen, Grenzen und notwendige Maßnahmen einer Integration der erneuerbaren Energien in das Stromversorgungssystem. Untersucht wurde die Entwicklung des Stromsystems bis 2050 bei einem Ausbau des Anteils der erneuerbaren Energien auf über 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs gemäß Leitszenario 2009 des Bundesumweltministeriums unter Fortführung der heutigen Rahmenbedingungen. Es wird weiterhin ein ausgewogener Technologiemix zwischen erneuerbaren Energien und konventionellen Kraftwerken benötigen, um die Versorgungssicherheit bei stark fluktuierender Erzeugung aus Wind- und Solarkraftwerken zu gewährleisten und diese ins Stromsystem zu integrieren, so die Studie. Was heißt das? Ein Weiter-so bringt uns gewiss nicht ans Ziel. Statt einer konsequenten Strategie der Dezentralisierung und Kommunalisierung bei der erneuerbaren Stromversorgung werden „Großprojekte“, nämlich Off-Shore-Windparks und der Ausbau der Kohlekraft von der Regierung gefordert und gefördert. Dabei könnten gerade Gemeinden (vornehmlich Privathaushalte sowie kleine und mittlere Betriebe) und auch einzelne Unternehmen in der Struktur eines Micro-Grids versorgt werden (Wind, Biogas, PV, Geothermie + Speichereinheit (z.B. Wasserstoffspeicher, Gasspeicher) und Erzeuger-Einheit (mit konventionellem Energieträger zur Reserve), z.B. Blockheizkraftwerk)  und energieintensive Industrien in Ballungszentren könnten mit EE und zusätzlich Gaskraftwerken versorgt werden. Der Verbrauch vor Ort entlastet auch die Netze. Ausbau und Modernisierung der Netze im Bereich der Nieder- und Mittelspannung ist leichter machbar als der Zubau an Hochspannungsleitungen. Spannungsschwankungen können ausgeglichen werden, eine intelligente Steuerung der Microgrids ist kein Hexenwerk und kann in ein virtuelles Kraftwerk integriert werden.

Ja: Der Ausbau erneuerbarer Energien bringt eine Menge Herausforderungen mit sich. Werden die alternativen Energieträger ungesteuert installiert, kann ein zunehmender Anteil der Erzeugung nicht genutzt werden. Dass der Bedarf an gesicherter Leistung nicht vollständig durch inländische Anlagen gedeckt werden kann, wie dena behauptet, ist jedoch nicht nachvollziehbar und ebensowenig die Schlussfolgerung, Deutschland werde bis zum Jahr 2050 mehr Strom importieren als exportieren, wofür das Netz erheblich ausgebaut werden müsse. Wenn die Versorgungsstrukturen grundlegend geändert würden und die Netze flexibler würden, könnten die Herausforderungen geschafft werden.  Dazu bedarf es des politischen Willens und der richtigen Entscheidungen. Die Rahmenbedingungen müssen so schnell wie möglich für eine neue, flexible Versorgungsstruktur geschaffen werden. Daran scheiden sich jedoch die Geister: small is beautiful – big is beautiful? Großkraftwerke in Reserve sind jedenfalls nicht rentabel! Also brauchen wir solche Kohlekolosse nicht – auch und gerade nicht in der Zukunft!

„Der Atomausstieg und der Ausbau der erneuerbaren Energien sind erst der Anfang“, betonte Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, bei der Präsentation der Studienergebnisse in Berlin. „Energiewende heißt auch: neue effiziente fossile Kraftwerke, mehr Netze, mehr Speicher, mehr Flexibilisierung bei Erzeugung und Nachfrage – und Energiesparen wo immer wirtschaftlich möglich. Die Rahmenbedingungen dafür müssen jetzt geschaffen werden. Unsere Studie zeigt, mit welchen grundsätzlichen Herausforderungen wir es zu tun haben.“

2050 80 % des Stroms aus erneuerbaren Energien

Für eine sichere Stromversorgung kann die installierte Leistung der konventionellen Kraftwerke bis 2030 nur um rund 14 Prozent auf 83 Gigawatt und bis 2050 nur um 37 Prozent auf 61 Gigawatt im Vergleich zu 2010 zurückgehen. Die erneuerbaren Energien werden zwar 2050 über 80 Prozent des Stroms liefern, jedoch nur knapp 24 Prozent der gesicherten Leistung stellen. Speichertechnologien sollen etwa 9 Prozent der gesicherten Leistung stellen. 7 Prozent des Bedarfs an gesicherter Leistung müssten nach dem berechneten Szenario durch weitere Kraftwerke, die Modernisierung älterer Anlagen oder auf Basis von verbindlichen Verträgen aus dem Ausland bereitgestellt werden.

Bis 2050 werden neben den Atomkraftwerken auch die meisten derzeit noch aktiven Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke stillgelegt sein. Die neuen fossilen Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 49 Gigawatt müssen gemäß Modellergebnis zum größten Teil bis 2020, spätestens bis 2030 gebaut werden. Ob diese Kapazitäten tatsächlich gebaut werden, ist fraglich, weil die Kraftwerke aufgrund des Vorrangs der erneuerbaren Energien immer weniger Betriebsstunden haben und sich unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kaum noch wirtschaftlich rechnen.

Keine Marktfähigkeit erneuerbarer Energien ohne Änderung des Marktdesigns

In dem Szenario wird deutlich, dass die Stromversorgung 2050 deutlich mehr als heute kosten wird. Grund sind hohe Kosten für die deutlich höheren Stromerzeugungskapazitäten, den Aus- und Umbau der Netzinfrastruktur, für Reserve- und Regelenergie, Anbindung der Offshore-Windparks und Flexibilisierungsmaßnahmen wie Stromspeicher. Erneuerbare Energien würden unter dem heutigen Marktdesign auch im Jahr 2050 nicht marktfähig sein, das heißt, die Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien können nicht komplett über den Verkaufspreis an der Strombörse gedeckt werden, die Differenzkosten müssen daher auch weiterhin auf den Endverbraucher umgelegt werden. Die Konsequenz: Ein anderes Marktdesign muss her – dann klappt auch die Energiewende! Und wie wäre es, wenn Industrien mit hohem Stromverbrauch zum Sparen gezwungen würden? Mit mehr Energieeffizienz könnte der Strombedarf gesenkt werden.

Energieeffizienz und europäischer Binnenmarkt

Bei der Studie wurde angenommen, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland bis 2050 gemäß dem Leitszenario 2009 des Bundesumweltministeriums auf über 80 Prozent ausgebaut wird. Für den Strombedarf wurde ein gleichbleibendes Niveau vorausgesetzt. Maßnahmen zur Senkung des Strombedarfs und damit der Reduzierung von Kraftwerkskapazitäten seien zu unterstützen.

Außerdem geht die Studie von einem bisher nicht vorhandenen intakten europäischen Strommarkt mit barrierefreien Netzen aus. Um dies zu realisieren, ist eine Europäisierung der Energiepolitik und viel politische Unterstützung notwendig.

Die Studie „Integration der erneuerbaren Energien in den deutsch-europäischen Strommarkt“ wurde von der dena im Auftrag der RWE AG und in Zusammenarbeit mit dem Institut für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen erstellt. Die Zusammenfassung und den Endbericht der Studie finden Sie unter www.dena.de/studien

Quelle: dena

Zusammenfassung: Daniela Köhler (BA Europ. Energiewirtschaft) und Evelyn Villing (PM Alternative und Erneuerbare Energien)

Netzausbau doch nicht so teuer

Dienstag, Juli 17th, 2012

Der Netzausbau in Deutschland wird möglicherweise doch nicht so teuer wie gedacht. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland habe die Bundesnetzagentur (BNetzA) die Kosten für die Umsetzung des Netzentwicklungsplans mit den Kosten verglichen, die auch ohne die Energiewende angefallen wären. Mit Energiewende wären nach aktuellem Plan Kosten bis 2022 bei jährlich mindestens 2 Mrd. Euro anzusetzen. Ohne Energiewende würden die Kosten laut BNetzA 1,2 Mrd. Euro pro Jahr betragen. Diese Zahlen würden die aktuelle Debatte und Diskussion um die Kosten des Netzausbaus in Deutschland relativieren.

Nord-Süd-Verbindungen

Der Netzausbau gilt als zentrale Aufgabe für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. Insbesondere werden Netzverstärkungen und Neubaumaßnahmen für leistungsstarke Nord-Süd-Leitungen gefordert, um die verbrauchsstarken und vom Ausstieg aus der Kernenergie besonders betroffenen Regionen in Südwestdeutschland mit dem durch den Zubau an Windenergie geprägten Norddeutschland zu verbinden. Zuletzt hatte die Bundesnetzagentur prüfen lassen, inwieweit die Stromtrassen der Bahn für den Stromtransport mit einbezogen werden können.

Netzneubau heißt nicht gleichzeitig Trassen-Neubau

In den vergangenen Monaten wurde viel über den Netzausbau in Deutschland im Rahmen der Energiewende berichtet. Oftmals wird das jedoch in den Medien falsch dargestellt. Der Ausbau der Stromnetze bedeutet nicht automatisch auch die Planung neuer Trassen. Meist werden Netz-Neubauten in bereits bestehenden Stromtrassen vorgenommen. In der Energiewirtschaft bezeichnet man auch das als Netzneubau, obwohl das Stromnetz in einer bereits vorhandenen Trasse oftmals lediglich ertüchtigt wird und anschließend größere Strommengen transportiert werden können.

Quelle: IWR

Wirtschaftsministerium verheimlichte Studie zum kostengünstig Ausbau erneuerbarer Energien

Montag, April 11th, 2011

Nach Angeben der Klima-Allianz Deutschland vom vergangenen Freitag, hat das Bundeswirtschaftsministerium unter Rainer Brüderle (FDP) monatelang versucht, eine Studie zu verheimlichen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien für deutlich schneller und kostengünstiger möglich hält, als dies von der Bundesregierung ständig behauptet wird. Die entsprechende Studie liegt dem BMWi seit Juni letzten Jahres vor und wurde erst im Februar dieses Jahres klammheimlich auf der Internetseite des Ministeriums veröffentlicht, wo sie bislang niemand bemerkte.

Vor allem beim Thema Netzausbau kommt die Studie laut Klima-Allianz zu dramatisch abweichenden Ergebnissen: So soll ein 50-prozentiger Ökostrom-Anteil bis 2020 nur etwa 1.100 Kilometer neuer Stromtrassen erfordern. Das BMWi und die mehrheitlich staatseigene Deutsche Energie-Agentur (dena) postulieren wider besseren Wissens 3.600 Kilometer für nur 37 Prozent Erneuerbare bis 2020.

Dazu erklärt die Klima-Allianz, als ein breites gesellschaftliches Bündnis aus insgesamt über 110 Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen: „Einmal mehr wird das Märchen von den teuren erneuerbaren Energien eindrucksvoll widerlegt. Für einen Wirtschaftsminister, der nur als verlängerter Arm der vier großen Stromkonzerne agiert, ist dies natürlich eine sehr unbequeme Wahrheit“, erklärt Dr. Katharina Reuter, Koordinatorin der Klima-Allianz. Nach Ansicht von Reuter mache sich auch die Deutsche Energie-Agentur mehr und mehr überflüssig. „Nachdem sie bereits mit ihrer behaupteten „Stromlücke“ völlig falsch lag, müssen nun die dena-Zahlen zum Netzausbau stark bezweifelt werden“, so Reuter. „Als bedeutender Ratgeber der Bundesregierung in Fragen der Energieversorgung erweist sie sich schon wieder als inkompetent.“

Downloads des BMWi zum Thema Energieversorgung:

Quelle: Klima-Allianz Deutschland und www.bmwi.de, 8. April 2011


Offshore-Wind-Branchenverband fordert Offshore-Ausbauvertrag

Mittwoch, März 30th, 2011

WAB erarbeitet Sieben-Punkte-Programm für schnelleren Offshore-Ausbau

Der Offshore-Wind-Branchenverband (WAB) stellt heute sein sieben Punkte-Programm zur Beschleunigung des Offshore-Wind-Ausbaus vor. Die Branchenvertreter fordern vor allem stabile Rahmenbedingungen für Investoren und eine verbesserte Finanzierung sowie einen beschleunigten Netzausbau. Die Forderungen sollen in einem Offshore-Branchenvertrag zwischen der Politik und der Offshore-Windbranche fixiert werden.

„Die Branche erwartet von der Politik stabile Rahmenbedingungen unter denen sich der Ausbau der Offshore-Windenergie auch rentiert.“, sagt Ronny Meyer, Geschäftsführer des Branchenverbandes WAB. „Wir brauchen daher eine Vergütung von 15 ct/kWh und den Wegfall der Befristung des Netzanbindungsanspruchs, wie er auch für konventionelle Kraftwerke gilt.“, so Meyer weiter. Die finanziellen Bedingungen für Offshore-Wind sind in Großbritannien derzeit besser als in Deutschland. Der Verband befürchtet daher, dass Großbritannien einen großen Teil des nötigen Investitionskapitals binden wird. Fixe Vergütungssätze für den Offshore-Strom wie sie das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) bietet, geben den Investoren zwar Sicherheit, dennoch bleibt die Offshore-Windenergie für Investoren und Betreiber in den Anfangsjahren ein risikoreiches Geschäft. Dieses Risiko wird nach Branchenangaben derzeit nicht oder nur unzureichend durch die zu erwartenden Renditen widergespiegelt. Dies wirkt sich nach Branchenumfragen derzeit als Investitionshemmnis aus.

„Damit der geplante Ausbau der Offshore-Windenergie von 10 Gigawatt

(GW) bis 2020 beschleunigt werden kann, müssen sich die Bedingungen für die Finanzierung verbessern.“, so Meyer weiter. Hinter dem Ausbau der Offshore-Windenergie bis 2020 verbirgt sich ein Investitionsvolumen von bis zu 30 Milliarden Euro in Deutschland. Eine Summe, die von Stromversorgern, Banken und Privatinvestoren aufgebracht werden muss.

Aufgrund der Risikostruktur sind derzeit aber nur wenige Banken bereit, Offshore-Windparkprojekte zu finanzieren. „Derzeit herrscht kein Wettbewerb unter den Banken nach Finanzierung der Projekte, sondern ein Wettbewerb der Projekte nach Finanzierung.“, so Meyer. Die Bundesregierung hat daher in ihrem Energiekonzept ein Sonderprogramm „Offshore Windenergie“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit einem Volumen von insgesamt 5 Mrd. EUR zu Marktzinsen angekündigt. „Die Branche wartet auf das KfW-Programm. Es muss endlich umgesetzt werden.“, fordert Meyer.

Der Verband fordert zudem, dass das geplante KfW-Programm auch den Stadtwerken offen steht. „Es ist jetzt schon klar, dass das vorgesehene KfW-Programm aufgestockt werden muss.“, so Meyer.

Das Branchenpapier sieht zudem weitere Hindernisse im Netzausbau, im Ausbau der Hafeninfrastruktur und bei der Schiffsfinanzierung. „Die Dauer des Genehmigungsverfahren beim Netzausbau muss verringert und die Netzplanung des Übertragungsnetzes muss in Zukunft Aufgabe des Bundes sein.“, sagt Meyer. Hierzu schlägt der Branchenverband vor, dass ein Bundesnetzplan von einer Bundesbehörde erstellt wird und dieser dann zukünftig das Raumordnungsverfahren der Länder ersetzt. Um die Errichtung von rund 2.500 Anlagen in der deutschen Nord- und Ostsee bis 2020 nicht weiter zu verzögern, fordert der Branchenverband, dass der Ausbau der Hafeninfrastruktur zügig voran getrieben wird.

„Investoren und Betreiber brauchen stabile Rahmenbedingungen. Wir wollen unsere Forderungen daher in einen Branchenvertrag zwischen der Offshore-Windbranche und der Bundesregierung einbringen.“, so Meyer abschließend.

Die Windenergie-Agentur WAB ist das führende Unternehmensnetzwerk für Windenergie in der Nordwest-Region und bundesweiter Ansprechpartner für die Offshore-Windenergiebranche in Deutschland. Dem Verein gehören mehr als 300 Unternehmen und Institute aus allen Bereichen der Windenergieindustrie, der maritimen Industrie sowie der Forschung an.

Quelle: iwr-pressedienst