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Energiewende in Deutschland

Mittwoch, August 2nd, 2017

Energiewende Deutschland – zwei Begriffe, die zusammengehören. So hat sich dieser Begriff im Englischen mittlerweile als eigener Ausdruck für die Transformation des Energiesystems weg von atomar-fossilen Energien hin zu erneuerbaren Energien durchgesetzt. Ausschlaggebend hierfür waren sicher die ab 1980 in Deutschland leidenschaftlich geführten Debatten um Atomausstiegsszenarien und Laufzeitverlängerungen und der 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima gefasste Beschluss des endgültigen Abschieds von der Kernenergie bis zum Jahr 2022.

 

Hier gehts zum vollständigen Artikel von caterva

Fluchtursachen bekämpfen

Mittwoch, Februar 24th, 2016

Kann Entwicklungshilfe wirklich helfen, Fluchtursachen zu bekämpfen? Eine ganz klare Meinung dazu vertritt Karin Riedl, Lehrbeauftragte am Institut für Ethnologie, Ludwig-Maximilians-Universität in München: „Nein – jedenfalls nicht die Sorte ‚Entwicklungshilfe‘, die bisher geleistet wurde. Fluchtursachen sind vor allem in der global ungerechten Verteilung von Ressourcen zu suchen sowie in Kriegen, die aufgrund dieser ökonomischen Spannungen, aber auch westlicher Einflussnahme  – wie etwa in Afghanistan und im Irak – ausbrechen.“  Und dazu gehört insbesondere auch das Erdöl.  Staaten wie Saudi-Arabien, die radikal-islamische Milizen unterstützen und im eigenen Land ein eisernes Regime mit vielfacher Verletzung von Menschenrechten führen, werden von westlichen Staaten ohne Skrupel unterstützt, weil von dort ‚wertvolles‘ Erdöl kommt.

Nur die Geldgeber und westliche Unternehmen profitieren

Und Entwicklungshilfe bedeutet in den meisten Fällen, dass Geld gezahlt wird und zwar unter der Bedingung, dass sich die Unterstützer für den „neoliberalen Weltmarkt“ öffnen. So sollen einerseits Investitionsmöglichkeiten und andererseits Ressourcenzugang für westliche Unternehmen geschaffen werden. Dirk Niebel erklärte 2011 die Bedeutung von  Entwicklungshilfe so:  „Jeder bilateral umgesetzte Euro fließt nach Expertenschätzungen mit 1,80 Euro zurück in die deutsche Exportwirtschaft.“

„Die Probleme, die die ‚Entwicklungshilfe‘ zu bekämpfen vorgibt, sind (…) durch sie mitverursacht.“ (K.Riedl)

Laut Riedl können sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge häufig ihren Lebensunterhalt in den Heimatländern genau deshalb nicht mehr bestreiten, „weil die lokale Produktion nicht mit den billigen Gütern mithalten kann, mit denen der Weltmarkt ihre Märkte überschwemmt“.
Mit Konzessionen für Schlüsselbranchen, wie z.B. Öl in Nigeria oder Minen in Peru, an Konzerne aus den reichen Industrienationen, werden, so Riedls Analyse, auch Umwelt- und Sozialstandards systematisch ausgehebelt. Und so den Menschen vor Ort die Lebensgrundlage entzogen: durch Umweltschäden, Gewässer- und Luftverschmutzung und durch die Klimaveränderung mit regionalen Auswirkungen. Noch weit schwerer wiegt die Tatsache, dass um die Rohstoffe – insbesondere um fossile Energieträger wie Erdöl und Erdgas – fast pausenlos und immer wieder erbitterte Kriege geführt werden. Golfkrieg I+ II, Irakkrieg und Syrienkrieg – es hängt letztlich alles mit dem Energiehunger und der Ausbeutung dieser Ressourcen und den resultierenden Macht-Gemengelagen zusammen. Diese Kriege sind eine Fluchtursache – die mit der eingangs beschriebenen Entwicklungshilfemaßnahmen garantiert nicht bekämpft werden kann.
Wie wäre es mit der Energiewende? Diese kann letztlich dazu beitragen, dass weniger Menschen ihre angestammte Heimat und ihre Region verlassen oder gar bis nach Europa flüchten müssen ….

Dazu auch das Video von Hans-Josef Fell

Zusammenfassung: E. Villing

Quellen: BR24-Nachrichten, 20.02.16; Fluchtursache:Kriege um Energie? in: hlz – Zeitschrift der GEW Hamburg 12/2015:24-26

Foto: WWF-Jugend

World Future Council: AKW-Stresstests in Europa als Placebo?

Donnerstag, März 31st, 2011

Debatte: EU-Energiepolitik nach Fukushima

Die ersten Befürworter der Atomenergie werden sich bald zurückmelden, prophezeien Experten des World Future Council (WFC) in einem Standpunkt auf EurActiv.de. Die Politik müsse sich endlich mit der Vorstellung vertraut machen, dass eine Vollversorgung mit Erneuerbaren in den kommenden Jahrzehnten möglich ist.

Atomunfälle wie Tschernobyl 1986, Ölkatastrophen wie 2010 auf der Deepwater Horizon, Kriege, die um Öl und Ressourcen geführt werden – die Gefahren unserer konventionellen Energiequellen sind uns nicht erst durch die Katastrophe von Fukushima in Folge des Erdbebens vor Augen geführt worden. Und doch scheint es, als wäre der Mensch schlicht nicht imstande, aus den Fehlern zu lernen und alle notwendigen Schritte zu tun, diese unsicheren und zerstörerischen Energien hinter sich zu lassen. Wir werden die Uhr danach stellen können, bis die ersten Atomenergiebefürworter sich wieder lauthals zurückmelden und vor einem schnellen Ausstieg aus der Atomkraft warnen. Verständlich ist, dass die Bevölkerung vor allem dann für die Gefahren unserer derzeitigen Energieversorgung sensibilisiert ist, wenn die schrecklichen Bilder einer Katastrophe allgegenwärtig sind. Verantwortungslos allerdings sind Politiker, die sich immer nur in solchen Momenten für eine saubere Energieversorgung einsetzen, und ansonsten deren Einführung mit allen Mitteln blockieren.

In Deutschland, wo vor sechs Monaten noch eine vor allem den Energiekonzernen dienende Laufzeitverlängerung verabschiedet wurde, hat als Reaktion auf den Reaktorunfall in Japan und begleitet durch das hastig beschlossene Moratorium für die Laufzeitverlängerung die Debatte um Atomenergie wieder Fahrt aufgenommen. Allein am vergangenen Wochenende gingen in vier Städten zusammen über 200.000 Menschen auf die Straße und forderten einen schnellen Atomausstieg.

Die Regierung begründet das Moratorium damit, dass man erst einmal den gesellschaftlichen Konsens suchen müsse. Dies allerdings verwundert: Der von der rot-grünen Regierung beschlossene Atomausstieg stützte sich bereits auf die große Mehrheit in der Gesellschaft, die vor einigen Monaten beschlossene Laufzeitverlängerung dagegen nicht. Das Moratorium ist damit im Grunde das Eingeständnis der deutschen Regierung, die Laufzeitverlängerung nicht im Sinne der Versorgungssicherheit der Bevölkerung, sondern in erster Linie im Interesse der Energiekonzerne verabschiedet zu haben.

Noch beim EU-Energiegipfel im Februar betonten europäische Energieminister die große Bedeutung der Nuklearenergie für das Erreichen der EU-Klimaziele. Die unvorstellbar hohen und weitreichenden Gefahren der Technologie für Mensch und Umwelt werden dabei mit dem Begriff Restrisiko beiseite debattiert und sogar für Wachstums- und Wettbewerbschancen in Kauf genommen. Fukushima zeigt nun, was der Begriff Restrisiko beinhaltet, welchen Preis dieses Risiko hat.

Der Vorschlag von EU Energiekommissar Günther Oettinger nach Stresstests für alle europäischen Atomkraftwerke ist wohl eher der verzweifelte Versuch, die Atomenergie in Europa trotz der tragischen Bilder aus Japan am Leben zu halten. Freilich kann man gegen eine erneute Sicherheitsüberprüfung von Atomanlagen schwer etwas haben. Zu vermuten steht allerdings, dass diese Stresstest nichts als ein Placebo für die Bevölkerung sind, die im Angesicht der Katastrophe von Japan besonders empfindlich auf Atomenergie reagiert.

Auch ein Stresstest wird die Sicherheit von Atomanlagen nicht garantieren. Das weltweite Atommüllproblem und die Gefahr der militärischen Nutzung von Nukleartechnologie („Proliferationsrisiko“) bleiben ebenso ungelöst. Das alles wäre bereits Grund genug, schnellstmöglich aus der Atomenergie auszusteigen.

100 Prozent Ökostrom sind möglich

Die Forderung nach einem schnellen Atomausstieg ist richtig und notwendig. Ebenso deutlich müssen wir allerdings benennen, welche politischen Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den effizienteren Umgang mit Energie konkret, zuverlässig und rasch zu erreichen. Dabei muss sich die Politik auch endlich mit der Vorstellung vertraut machen, dass eine Energieversorgung, die sich zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien speist, in Europa innerhalb der kommenden Jahrzehnte möglich und notwendig ist.

Zahlreiche Organisationen, Institute und Verbände haben die technische und wirtschaftliche Machbarkeit bereits nachgewiesen. Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) zeigten bereits Anfang 2010, dass im Jahr 2020 statt der von der EU geforderten 18 Prozent in Deutschland bereits ein Anteil der EE von knapp 30 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch möglich ist. Und genau so wie die Gefahren der Atomenergie müssen auch die enormen Möglichkeiten der  Erneuerbaren Energien überzeugend in der Öffentlichkeit vermittelt werden. Denn nur dann wird die Bevölkerung die Transformation unserer Energieversorgung mittragen.

Zusätzlich brauchen wir größere Schritte auf europäischer Ebene. Die EU-Klimaziele, die bis 2020 einen Anteil der Erneuerbaren von 20 Prozent, eine Treibhausgasreduktion von 20 Prozent und eine Senkung des Energieverbrauchs von 20 Prozent vorsehen, müssen übertroffen werden. Zu den notwendigen Maßnahmen gehören unter anderem die Stärkung der nationalen Förderinstrumente im Bereich erneuerbarer Wärme und der beschleunigte Ausbau der Stromnetze.

Quelle: EurActiv.de-Newsletter / World Future Council (WFC)

RWE und E.on: Die solare Energiewende rechnet sich

Sonntag, April 18th, 2010

Die hundertprozentige Versorgung mit erneuerbaren Energien ist für Europa nicht teurer als die Energieversorgung mit Kohle, Öl, Gas und Atomkraft. Dies ergab eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, die in dieser Woche in Brüssel vorgestellt wurde. Ihr Titel „Fahrplan 2050: Ein praktikabler Weg für ein reiches Europa“.

Am meisten Geld müsste für den Ausbau leistungsstarker Stromnetze zwischen Nord- und Südeuropa ausgegeben werden. Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake, der an der Studie mitgearbeitet hat: „Die in der aktuellen deutschen Diskussion ständig wiederholte Behauptung, Erneuerbare Energien seien sündhaft teuer und nicht in der Lage eine verlässliche Vollversorgung mit Strom sicherzustellen, erweist sich als interessegeleitete Angstkampagne“.

Überraschend ist diese Studie deshalb, weil neben Umweltverbänden auch die klassischen Energieriesen wie RWE, E.on und Vattenfall beteiligt sind, die noch vor kurzem die hundertprozentige Stromversorgung in Europa für eine versponnene Utopie gehalten haben.

Die neue Studie meint, dass künftig zu windreichen, aber sonnenarmen Zeiten Strom von Nord- nach Südeuropa fließen werde und zu windarmen, aber sonnenreichen Zeiten Strom von Süd- nach Nordeuropa. Insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich und zwischen Frankreich und Spanien müssten die Stromnetze in den nächsten Jahren jedoch stark ausgebaut werden.

Der Umbau der europäischen Stromwirtschaft mit dem Ziel der solaren Energiewende würde nach der Studie pro Jahr 52 Milliarden Euro kosten. Dies sei „ungefähr dieselbe Summe“ wie die Energieversorgung aus den heutigen fossil-atomaren Energiequellen.

Die neue McKinsey-Studie beweist, dass die Vollversorgung mit Energie aus Sonne, Wind, Wasserkraft, Bioenergie und Erdwärme kostengünstig, versorgungssicher und umweltfreundlich möglich ist. Endlich hat auch die Großindustrie dieser von Umweltverbänden seit Jahren vertretenen These zugestimmt.

Ein Fortschritt, der hoffen lässt und ein starkes Argument auch für den atomkritischen Umweltminister Norbert Röttgen in Berlin. Deutschland und Europa brauchen weder längere Laufzeiten der Atomkraftwerke noch den Bau neuer Kohlekraftwerke.

Wir haben bessere, innovativere und intelligentere Lösungen – ohne Klimaschäden und ohne riesige Folgekosten für künftige Generationen.

Quelle: ©Franz Alt 2010