Was kostet die Energiewende?

Diese Kostenfrage für die Umstellung auf Erneuerbare Energien wird immer wieder diskutiert. Dabei kommt es oft zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Volkswirtschaftlicher Gewinn oder Belastung, die Bewertung hängt insbesondere davon ab, wie die Kostenentwicklung der fossilen Energieversorgung prognostiziert wird. Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, meint dazu: „Nur wer die zukünftigen Preise von Öl, Gas und Kohle nicht unterschätzt, kann den ökonomischen Nutzen der Erneuerbaren Energien richtig beurteilen“.

Heute noch überwiegend fossile Energieversorgung

Derzeit basiert die Energieversorgung zum großen Teil auf dem Einsatz der fossilen Rohstoffe Kohle, Öl und Erdgas. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, das Versorgungssystem bis zum Jahr 2050 zu mindestens 60 Prozent auf regenerative Quellen umzustellen. Um diesen grundlegenden Umbau ökonomisch zu bewerten, ist ein Vergleich der Kosten mit den Kosten einer fossilen Energieversorgung erforderlich. Denn die Volkswirtschaft für Energieimporte in Deutschland wird derzeit von den fossilen Brennstoffpreisen bestimmt. Auch bei den Stromgestehungskosten fossiler Kraftwerke spielen sie eine große Rolle.

Große Bandbreite der Preisprognosen

Die Entwicklung der Preise für fossile Energieträger wird von verschiedensten Instituten untersucht. Dabei gehen die Prognosen jedoch stark auseinander. In einem Vergleich zwischen den Studien der letzten drei Jahre, weichen die Annahmen für das Jahr 2030 um teilweise 150 Prozent voneinander ab. IER/RWI/ZEW schätzen in der „Energieprognose 2009“ den Importpreis 2030 für eine Tonne Steinkohle auf 76 Euro, das Bundesumweltministerium geht hingegen von 200 Euro pro Tonne aus. Auch bei Gas- und Ölimporten sind derart große Preisunterschiede zu finden.

Besonders interessant ist der Vergleich der Prognosen zur künftigen Entwicklung der Energiepreise in den energiepolitisch relevanten Studien vor dem Hintergrund der bisherigen Preisentwicklung. So lag der Importpreis für Rohöl im Jahr 2011 bereits bei rund 580 Euro pro Tonne, also deutlich höher, als einige Studien für die nächsten zehn Jahre annehmen. „Mit Blick auf die Preissteigerungen der vergangenen Jahre erscheinen Prognosen, die von einem stagnierenden oder gar sinkenden Preis fossiler Energieträger ausgehen, als sehr unrealistisch“, urteilt Vohrer.

Auswirkungen der Preisentwicklung auf die Kosten

Die großen Unterschiede bei den Preisannahmen haben entscheidende Konsequenzen für die Abschätzung der volkswirtschaftlichen Kosten. Rechnet man auf Basis der Minimalannahmen die im Jahr 2011 importierten Energiemengen hoch, entstünden 2030 Importkosten von 60 Milliarden Euro. Legt man stattdessen die Studien mit den höchsten Energiepreisannahmen für 2030 zugrunde, betrügen die Ausgaben für die gleiche Menge fossile Energieimporte hingegen 140 Milliarden Euro. Die Ausgaben für fossile Energieimporte könnten also auch mehr als doppelt so hoch ausfallen.

Kostenentwicklung Erneuerbarer Energien langfristig kalkulieren

„Wer die Ausgaben für fossile Energieträger systematisch kleinrechnet, bringt die aktuelle Diskussion über die Kosten der Energiewende in eine gefährliche Schieflage“, warnt Vohrer. Denn die Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien erscheint umso teurer, wenn Studien für die Zukunft niedrige fossile Energiepreise sowie geringe CO2-Preise vorgeben. „Solche Prognosen spielen jenen in die Hände, die im Ausbau der Erneuerbaren Energien lediglich Belastungen und mögliche Wachstumseinbußen der Volkswirtschaft sehen wollen“, so Vohrer weiter. Und das, obwohl gerade der Ausbau der Erneuerbaren Energien eine bedeutende Rolle für die erfolgreiche Entwicklung von Volkswirtschaften spielt: „Im Gegensatz zu einer rohstoffbasierten Energieversorgung, die von sich verknappenden Ressourcen oder geopolitischen Entwicklungen abhängig ist, ist die Kostenentwicklung der Erneuerbaren Energien langfristig kalkulierbar.“ Sie wird vor allem durch technologische Entwicklungen und den dazu erforderlichen Kapitaleinsatz beeinflusst. „Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Förderung der Erneuerbaren Energien eine Investition, die sich mittelfristig für die Volkswirtschaft auszahlen wird“, so Vohrer. Die Förderung sei nötig, damit die Erneuerbaren Energien in der Lage sind, sich gegenüber bereits eingeführten Techniken auf dem Markt behaupten zu können und wettbewerbsfähig zu werden.

Interessante Links zum Thema:

Weitere Grafiken zu historischen Daten und Prognosen zur Entwicklung von Rohstoffpreisen für Öl und Gas finden Sie hier!

Ein Grafikdossier, das die Annahmen verschiedener Studien über die zukünftige Preisentwicklung fossiler Ressourcen einander gegenüberstellt, ist in der Mediathek des Forschungsradars Erneuerbare Energien verfügbar.

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

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