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Die Energiewende findet dezentral statt

Dienstag, November 13th, 2012

Vom 7. bis 9. November fand die 3rd Dii Desert Energy Conference in Berlin statt. Es wurden viele Prominente und Sponsoren begrüßt, die bisher versucht haben, eine Energiewende hin zu einer dezentralen Energieversorgung zu verhindern oder aufzuschieben. Aktuelle Beispiele sind die Beibehaltung Angriffe von Bundeswirtschaftsminister Rösler oder EU-Energie-Kommissar Oettinger gegen eine Beibehaltung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG). Das EEG ist eines der erfolgreichsten Instrumente zur Förderung Erneuerbarer Energien und wurde von vielen Ländern übernommen.

„Die gegenwärtige Phase der Energiewende wird dereinst historisch als diejenige bezeichnet werden, in der darum gerungen wurde, ob sich die Erneuerbaren Energien an das fossil-nukleare hochzentralisierte Funktionssystem der vergangenen Jahrzehnte einpassen oder sich das zukünftige System an die größte Chance der Erneuerbaren anpasst, den Strom nah am Verbrauch und damit dezentral zu erzeugen“, meint Dr. Axel Berg, Vorsitzender der deutschen EUROSOLAR-Sektion.

Die Versprechen der Desertec-Initiative erwiesen sich stets als unerfüllbar: Keine Rede mehr von den achtzig bis hundert neuen Stromtrassen mit eine Länge von je 3000 – 5000 Kilometern. Stattdessen soll die alte Verbindung zwischen Afrika und Europa in der schmalen Straße von Gibraltar wiederbelebt werden. Anstatt der Stromerzeugung von 15 % des europäischen Verbrauchs bis 2050, ist die Rede von einem überschaubaren Projekt in Marokko für Marokko. Siemens als technischer Konsortialführer hat sich bereits aus Desertec zurückgezogen.

Afrika selbst braucht Desertec nicht, da die eigene Bevölkerung nicht viel davon hat. Es werden vielmehr dezentrale Inselanlagen für die Dörfer und nationale Einspeisegesetze für dicht besiedelte Regionen benötigt. „Wir brauchen keine neuen Ölscheichs in der Wüste, sondern Wertschöpfung, Steuern und Jobs zuhause“, so Dr. Axel Berg. Eine lokale Selbstversorgung führt zu einer besseren Handelsbilanz durch weniger Stromimporte und einem geringeren Erpressungspotential durch oligopolitische Konzerne. Das planwirtschaftliche Konzept reduziert die Anzahl der Aktuere anstatt sie zu vergrößern, beschränkt die Standorte und führt zu räumlicher und unternehmerischer Konzentration.

Mit den geplanten HGÜ-Leitungen wären die schwachen Verteilnetze der Städte und Gemeinden mit zu viel Strom überfordert und würden zusammenbrechen. Sicherheitspolitisch ist das Desertec-Projekt höchst fragwürdig. Dies belegt auch beispielsweise die Bundeswehr-Studie „Umweltdimensionen von Sicherheit“.

„Desertec ist ein Schritt zurück ins konzeptuelle Gestrüpp des frühen 20. Jahrhunderts: teuer, zentralisiert, riskant, störanfällig, lokal verarmend und letztendlich ein utopisches Ablenkungsmanöver von der eigentlichen Aufgabe: die lokal und regional absichernde Wende zur großen energetischen und marktwirtschaftlichen Emanzipation des 21. Jahrhunderts nicht weiter aufzuhalten.“ kommentiert Prof. Peter Droege, Eurosolar-Präsident, und erinnert daran, dass die  historische Wende zur dezentralen, erneuerbaren Vollversorgung in Deutschland und Europa bereits voll im Gange ist.

Verfasser: Energiewende Starnberg e. V., Daniela Köhler B.A., Quelle: Eurosolar e. V.

Foto: Energiewende Starnberg

Bayerische Solarinitiativen: Es geht nicht mehr um fossil oder erneuerbar

Freitag, Februar 4th, 2011

Starnberg, 30. Januar 2011. Von 28.-29. Januar fand in Starnberg das 18. Treffen der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solarinitiativen und das 13. Treffen Bayerischer und Österreichischer Solarinitiativen statt. Fazit der zweitägigen Veranstaltung: Es geht nicht mehr um die Frage „fossile Energieträger versus erneuerbare“ – der energetische Umbau ist unstrittig – es geht ausschließlich um die Frage zentral oder dezentral, um die Verteilung und künftige Struktur der Energieversorgung.

Paradigmenwechsel: Der Entscheidungskampf hat begonnen

Über 150 Teilnehmer diskutierten am Freitag und Samstag Stand und Zukunft der Erneuerbaren Energien und die Struktur der Energieversorgung im Freistaat, in Deutschland und in Europa.

Am Freitagnachmittag stand die Windenergie im Zentrum der Tagung. Der Bayerische Windatlas, der vergangenes Jahr vom Bayerischen Wirtschaftsministerium herausgegeben wurde, zeigt, dass es auch in Bayern Potenzial für diese Energieform gibt. Bayern gehört bislang zu den Schlusslichtern bei der Erschließung der Windenergie. Auch im Landkreis Starnberg könnten Windkraftanlagen errichtet werden, um die beschlossene Energiewende 2035 zu schaffen. Landrat Roth zeigte sich im Rahmen der Tagung zuversichtlich, dass dies machbar sei. Im vergangen Jahr habe man schon Flächen untersucht, auf denen Windräder stehen könnten. Laut einem Vertreter des bayerischen Wirtschaftsministeriums sind bayernweit rund 1000 solcher Anlagen geplant.

Eine sichere und nachhaltige Energieversorgung für die Zukunft war zentrales Thema am Freitag. Die Vortragenden und Teilnehmer diskutierten die Möglichkeiten und Grenzen einer dezentralen, kommunalen Energieversorgung angesichts der Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke und die Vor- und Nachteile von Großprojekten wie z.B. Desertec oder Off-Shore-Windparks. Auch die Auswirkungen der bestehenden zentralen Großkraftwerksstruktur auf die Stromkostenentwicklung wurde beleuchtet. Auf neue Überlandleitungen von Tausenden von Kilometern könnte, so ein wesentliches Ergebnis, weitestgehend verzichtet werden, wenn der Strom künftig dezentral erzeugt und verbraucht, und wenn der schwankende Strombedarf durch so genannte Kombikraftwerke und smart grids intelligent geregelt würde. Letzteres ist technisch machbar. Kommunale Energiewerke sind daher unverzichtbar und werden den Anforderungen an eine sichere und bezahlbare Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien besser gerecht als die bisherige Kraftwerks- und Netzstruktur. Prof. Schrimpff dazu: „Eine dezentrale und kommunale Energieversorgung ist die Alternative zur teuren „Stromdiktaktur“ in Deutschland. Seit 2000 steigen die Strompreise um jährlich 6,5 %, allein im Jahr 2009 haben die 4 großen Energieversorger 23 Milliarden Gewinn erwirtschaftet, das sind pro Bürger und Jahr rund 280 Euro.“

Neugewählte ABSI-Sprecher 2011

Der Paradigmenwechsel lautet: Stromdiktatur oder Energie in Bürgerhand. „Wir sind ganz offensichtlich in einer Umbruchsphase“ so unisono das Resümee der Referenten und Teilnehmer. Dieser Entscheidungskampf wird künftig Blickwinkel, Diskussion und Handeln der Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bestimmen.

Neue ABSI-Sprecher/innen gewählt

Am Samstagvormittag wurden die Sprecher der ABSI gewählt. Das neue Team besteht nun aus sechs anstatt bisher fünf Sprecher/innen. Gewählt wurden Prof. Dr. Ernst Schrimpff, MdB Hans Josef Fell, Raimund Becher, Birgit Baindl, Heide Schmidt-Schuh und Daniel Miller.

Highlight zum Abschluss der Tagung war die kontroverse Podiumsdiskussion zur aktuellen Energiepolitik, der eigenen Utopie und den tatsächlichen Erwartungen. Mit in der Runde: Horst Meierhofer (MdB, FDP) als Vertreter der schwarz-gelben Regierungskoalition, Hans-Josef Fell (MdM, Grüne) für die Opposition und der Unternehmer Klaus Gehrlicher (Gehrlicher Solar) als Vertreter der Solar-Branche. Die Statements und Einschätzungen, wie sich die Bundespolitik auf die Entwicklung der Energieversorgung bis 2020  auswirkt und was letztlich im Jahr 2050 die Folge der unterschiedlichen energiepolitischen Weichenstellungen sein könnte, fielen dementsprechend unterschiedlich aus.

Die Veranstalter werten die Tagung als großen Erfolg und sehen darin einen Ansporn für die Solarinitiativen, den Umbau der Energieversorgung mit aller Kraft voranzutreiben.  Dazu Prof. Ernst Schrimpff: „Der Klimawandel findet global statt – wir Bürger werden deshalb nicht locker lassen. Die solare Energiewirtschaft mit einer dezentral-demokratischen Stromversorgung führt zu mehr sozialem Frieden und trägt zu regionalem Wohlstand bei. Das ist und bleibt unser Ziel, dafür setzen wir uns gemeinsam ein.“

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier!

Verfasser: Energiewende Landkreis Starnberg e.V.                          Fotos: Evelyn Villing