Einträge ‘Fukushima’

Tschernobyl-Tag am 25. April – Kinospot

Dienstag, April 12th, 2011

Vor 25 Jahren kam es in Tschernobyl zum SuperGAU – und alle hatten gehofft, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Dann kam Fukushima. Seit gestern ist auch der Atomunfall in Japan, der als Folge eines Erdbebens auftrat, in der höchsten Gefahrenstufe 7  auf der INES eingeordnet – analog Tschernobyl. Experten vor Ort sprechen sogar davon, dass die Strahlenbelastung diejenige von Tschernobyl weit übersteigen könnte.  Deshalb ist es umso wichtiger, so schnell es geht für eine alternative, sichere und nachhaltige Energieversorgung zu sorgen. Dafür ist ein breiter Konsens in der Bevölkerung wichtig.

Deshalb rufen viele Umweltschutzverbände und Organisationen auf, sich gegen die Kernenergie einzusetzen – insbesondere zum 25 Jahrestag der Atom-Katastrophe von Tschernobyl.

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Verfasser: Energiewende Landkreis Starnberg e.V.

Reck: "Energiesystem wird dezentraler und mittelständischer sein"

Donnerstag, März 31st, 2011

Debatte: EU-Energiepolitik nach Fukushima

Eine Technologie, deren Einsatz absolute Sicherheit voraussetzt, kann keine Zukunftsoption für die Energieversorgung sein, meint Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). In einem Standpunkt auf EurActiv.de fordert Reck Investitionen in intelligente Netze und dezentrale Speicherlösungen. Gefragt sei eine ökologische Industrialisierung.

Die dramatischen Ereignisse in Japan haben die Welt bis ins Mark erschüttert. Obwohl die (ökologischen und ökonomischen) Folgen heute im Einzelnen noch nicht absehbar sind, ist eines unumstritten: Das schwere Unglück in Fukushima wird die Welt nachhaltig verändern. Eine Neubewertung der Kernenergie ist vor diesem Hintergrund zwingend notwendig. Fest steht: Wir benötigen Energie, sie ist die Grundlage unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands. Aber woher wollen wir diese beziehen? Und vor allem: Wie wollen wir sie zukünftig erzeugen?

Fossile Energien schädigen das Klima nachhaltig

Europa muss jetzt intensiv darüber nachdenken, wie es in absehbarer Zukunft ohne Kernenergie auskommen kann. Der jetzt von EU Energiekommissar Oettinger mit den Unternehmen vereinbarte „Stresstest“ ist ein erster wichtiger Schritt, um die Sicherheit der europäischen Kernkraftwerke zu prüfen. Er darf allerdings kein Feigenblatt sein, um danach wieder einfach zur Tagesordnung zurückzukehren. Eine Technologie, deren Einsatz absolute Sicherheit voraussetzt und bei der die Frage der Endlagerung nicht gelöst ist, kann keine Zukunftsoption für eine nachhaltige europäische Energieversorgung sein. Gleichzeitig werden fossile Energien immer knapper und teurer. Aber es ist noch genug davon da, um das Klima nachhaltig zu schädigen.

Die Verantwortung für unser Weltklima – und damit für unsere Wirtschaft und das Gemeinwohl – erfordert ein deutlich engagierteres Handeln. Das gilt auch und gerade für die Energieerzeugung und den -verbrauch. Wir müssen das Energiesystem deshalb gründlich umbauen. Dabei sollten wir auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, auf den Aufbau und Ausbau intelligenter Energienetze und auf Effizienzsteigerungen setzen.

Effizienteste Technologie: Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)

Die tragende Säule einer sinnvollen und nachhaltigen Klima- und Energiepolitik ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Für 2020 strebt die Europäische Union einen Anteil von 20 Prozent am Primärenergieverbrauch an. Dieser Ausbau ist machbar, doch er kostet Geld. Umso wichtiger ist es, Investitionen verstärkt in erneuerbare Energien umzulenken. Da die technisch-wirtschaftliche Lebensdauer von Kraftwerken rund 40 Jahre beträgt, ist es wichtig, bereits heute umzudenken. Schaffen wir das nicht, wird es schwer und teurer die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen.

Wenn wir die Erneuerbaren sinnvoll einbinden wollen, müssen wir parallel den Netzausbau forcieren – insbesondere die Verteilnetze vor Ort. Nur eng vermaschte und intelligente Netze, die sogenannten Smart Grids, können schwankende Einspeisemengen von Wind- und Sonnenenergie ausgleichen. Zudem sind eine effizientere Erzeugung und ein effizienterer Umgang mit der vorhandenen Energie notwendig. Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sind mit Wirkungsgraden von bis zu 90 Prozent die effizienteste Energieerzeugungstechnologie. Zudem sind sie sind ein hervorragender Türöffner für erneuerbare Energien, weil sie flexibel hinsichtlich der einsetzbaren Brennstoffe sind. In Deutschland haben wir mit diesen Anlagen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Energieversorgung: dezentral und intelligent

Heute ist die Energieversorgung in Europa noch vorwiegend zentral ausgerichtet. Wenige Großkraftwerke in der Hand weniger Unternehmen bringen die Energie über die Übertragungsnetze zu den Verbrauchern. Dezentrale Erzeugungsanlagen sind bislang nur eine Ergänzung der Strukturen. Genau hier wird eine Trendwende erfolgen: Das zukünftige Energiewirtschaftssystem wird dezentraler und mittelständischer geprägt sein. Weitreichende Veränderungen zeichnen sich vor allem in den Erzeugungs- und Netzinfrastrukturen ab. Um die Potenziale an Ort und Stelle zu nutzen, werden zukünftig kleinere Erzeugungsanlagen Strom in die Verteilnetze einspeisen. Erzeugung und Verbrauch werden lokal und intelligent ausgesteuert und überregional verteilt. Unterstützt wird dieses System von zentralen Stromspeichern aber auch von dezentralen Speicherlösungen wie etwa Fernwärmenetzen und Elektrofahrzeugen. Damit dreht sich das Bild um: Künftig werden die zentralen Strukturen die dezentralen ergänzen.

Ökologische Industrialisierung: EU als Vorbild

Die EU muss die Führung für den Umbau der Energieversorgung übernehmen. Wie einst die Industrialisierung Europas zum Vorbild wurde, muss nun die ökologische Industrialisierung zum Vorbild werden. Green Tech ist Europas Zukunft. Das bedeutet nachhaltige Jobs und Wertschöpfung. Dafür benötigen wir aber einen europäischen Energiebinnenmarkt mit ausgebauten Grenzkuppelstellen, für den Übergang eine zuverlässige Rohstoffversorgung und ein verbindliches internationales Abkommen zur Senkung der CO2-Emissionen. Das kann nur die EU organisieren und leisten!

Zum Autor

Hans-Joachim Reck ist Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) in Deutschland. Der VKU vertritt die Interessen von mehr als 1.400 Mitgliedsunternehmen, die in den Bereichen Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung und Umweltschutz tätig sind.
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Quelle: EurAktiv.de

Atomkraft – eine unbeherrschbare Technologie

Montag, März 14th, 2011

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert die Bundesregierung auf, aus der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima Konsequenzen für die deutschen Atomkraftwerke zu ziehen.

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima I ist das Kühlsystem eines dritten Reaktors zusammengebrochen. Beim Ausfall des Kühlsystems in einem Atomreaktor drohen die Brennstäbe zu überhitzen, es kann zu einer Kernschmelze kommen. Tepco, der Kraftwerksbetreiber, leitet Meerwasser ein, um das System zu kühlen.

Zur atomaren Lage in Deutschland

„Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel Atomkraftwerke auf den Prüfstand stellen will, muss das bedeuten, alle Atomkraftwerk in Deutschland abzuschalten, die ältesten und gefährlichsten Anlagen sofort“, sagt BUND-Vorsitzender Hubert Weiger.

Laut Prof. Dr. Klaus Buchner, Atomphysiker und Sprecher der Bundesprogrammkommission der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) ist in Deutschland das Atomkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg besonders gefährdet. „Unter den beiden Blöcken von Neckarwestheim sackt laufend die Erde ab, wobei große unterirdische Hohlräume entstehen“, erklärt er und führt aus, dass sich 1995 der Kühlturm um 14 Zentimeter absenkte und 2002 in nur 4,5 Kilometer Entfernung ohne Vorwarnung plötzlich ein 18 Meter tiefes Loch entstand. Wenig später, im Jahr 2009, wurden neue unterirdische Hohlräume nachgewiesen. „Obwohl sehr viel Beton in die neu entstandenen Hohlräume gegossen wurde, ist das Problem nicht einmal annähernd gelöst“, so Buchner.

Aber auch in den anderen deutschen Atomkraftwerken gibt es unlösbare Sicherheitsprobleme. Insbesondere in den älteren Reaktoren führten Konstruktionsmängel und jahrelang ausgebliebene Nachrüstungen zu steigenden Risiken. Für wesentliche Konstruktionsmängel der alten Reaktoren wie veraltete Reaktorgebäude, Sicherheitsbehälter, Reaktordruckbehälter und Lagerbecken seien Nachrüstungen nicht möglich.

Es stellt sich verschärft die Frage nach der Sicherheit, nachdem die Kraftwerke nun vielfach sogar über den Zeitraum hinaus betrieben werden sollen, der ursprünglich in den Betriebsgenehmigungen zugrunde gelegt wurde.  „Wer nach einem solchen Störfall, wie er jetzt  in Japan eingetreten ist, einfach so weitermacht wie bisher und die Risiken weiter bagatellisiert, der handelt unverantwortlich und zynisch“, so der BUND-Vorsitzende Weiger.

Des Weiteren kritisiert der BUND die Äußerungen von Bundeskanzlerin Merkel, die Atomkraft sei für Deutschland eine wichtige Brückentechnologie. „Wer so argumentiert, der führt die Bevölkerung hinters Licht. Die Atomkraftwerke in Brunsbüttel oder Krümmel stehen nach Störfällen seit Jahren still. Sechs alte AKWs laufen für den Strom-Export. Wir können und müssen diese acht Atomkraftwerke sofort und endgültig vom Netz nehmen“, sagte Weiger. „Die Erneuerbaren Energien brauchen keine Brücke. Die Atomkraft passt nicht zum weiteren Ausbau von Sonne, Wind und Biomasse.“

Quelle: www.bund.net, www.oedp.de, www.tagesschau.de; Foto: ddp