Einträge ‘Strompreis’

Neue Inforeihe klärt über Vorteile der Energiewende auf

Montag, Dezember 9th, 2013

Die erneute Erhöhung der Strompreise im kommenden Jahr 2014 hat dafür gesorgt, dass in der Debatte um die Energiewende viele wesentliche Aspekte mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wurden. Aus diesem Grund hat das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg eine neue Reihe veröffentlicht, die weniger die Preise und kurzfristigen Risiken als vielmehr die ökologischen Werte und nachhaltigen Chancen der Energiewende in den Fokus rückt.

In Ihren „Vorteile[n] der Energiewende“ beschäftigen sich die Autoren dabei vor allem mit vier Aspekten:

1. Wie kommt der Strompreis tatsächlich zustande, welche Schuld trägt dabei der Ausbau der erneuerbaren Energien und wie sähen die Alternativen aus?

2. Mit welchen Maßnahmen können Bürgerinnen und Bürger mit erneuerbaren Energien Geld sparen und gleichzeitig etwas für die Umwelt tun?

3. Wie können durch erneuerbare Energien nicht nur Ausgaben reduziert, sondern sogar Geld verdient werden?

4. Welche Impulse setzen die regenerativen Energien für die Wirtschaft?

Die Reihe „Vorteile der Energiewende“ finden Sie hier!

 

Quelle: Energiewende Baden-Württemberg
Bild:
© Günther Hamich / www.pixelio.de

Sündenbock erneuerbare Energien?

Freitag, September 6th, 2013

Warum der Strompreis steigt – eine Analyse

Besser spät als nie: Mit den TV-Duellen in der vergangenen Woche ist der Wahlkampf doch noch etwas in Fahrt gekommen. Dabei wurde erwartungsgemäß auch die Thematik der ansteigenden Strompreise immer wieder kontrovers diskutiert. Viele Parteien machten dabei nochmals konkret ihren Standpunkt deutlich, nach dem die Schuld vor allem am raschen Ausbau der regenerativen Energien läge und stellen den Haushalten schnelle Entlastungen durch entsprechende Eindämmungskonzepte in Aussicht. Doch kann diese Rechnung aufgehen? Oder wird die Rolle des Sündenbocks den Erneuerbaren im Stimmenfang schlicht aus taktischen Gründen zugeschoben? Zwar steht der Gang zur Wahlurne kurz bevor, doch noch bleibt genug Zeit, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Hierfür lohnt sich eine konkrete Analyse der Stromkostenzusammensetzung.

Nach aktuellen Prognosen wird der durchschnittliche Haushaltsstrompreis im Jahr 2013 in Deutschland bei etwa 28,7 Cent pro Kilowattstunde liegen, was zunächst einmal einem deutlichen Anstieg von knapp 67% in den vergangenen zehn Jahren entspricht. Um diesen massive Erhöhung erklären zu können, empfiehlt es sich, die verschiedenen Faktoren einzeln unter die Lupe zu nehmen, aus denen sich der Haushaltsstrompreis zusammensetzt.

Der kleinste von den insgesamt sieben Bestandteilen ist mit einem Gewicht von 1,3% die so genannte „Offshore-Haftungsumlage“, die erst zu Beginn dieses Jahres ins Leben gerufen wurde. Durch diese Zahlung übernehmen Verbraucher zu einem großen Teil Schadensersatzkosten, die durch verspäteten Anschluss von Offshore-Windparks an das Übertragungsnetz oder auch durch langfristigere Netzunterbrechungen entstehen können. Die effektive Mehrbelastung für die Verbraucher aufgrund der Einführung dieser Umlage liegt jedoch im Moment bei 0,4 Cent pro Kilowattstunde und ist daher für die langfristige Preisentwicklung des Haushaltsstroms vorerst nicht maßgeblich.

Mit 5,9% ist eine Konzessionsabgabe an den 28,7 Cent pro Kilowattstunde Strom beteiligt. Sie kommt den Kommunen zu Gute und ist faktisch ein Nutzungsentgelt für die Beanspruchung öffentlicher Verkehrswege, um Versorgungsleitungen für Strom zu legen oder zu betreiben. Die Vergütung erfolgt hierbei auf Basis der Größe der jeweiligen beziehenden Gemeinde und blieb seit 2006 unberührt. Somit liefert auch diese Position noch keinerlei Anhaltspunkte für die massive Preisentwicklung.

Etwas mehr fällt wiederum die Stromsteuer mit insgesamt 7,2% ins Gewicht, die aktuell auch immer wieder im Fokus politischer Auseinandersetzungen steht. Sie wurde 1999 von der rot-grünen Regierung im Zuge der ökologischen Steuerreform eingeführt, mit dem Ziel das Bewusstsein für das endliche Gut „Energie“ zu stärken und dadurch den nationalen Energieverbrauch zu senken, bzw. ressourcenschonende Produkte zu entwickeln. Energieintensive Unternehmen können in Bezug auf die Stromsteuer eine Reihe von Ermäßigungen in Anspruch nehmen. Insgesamt kommt jedoch auch diese Abgabe nicht zur Beantwortung der Ausgangsfrage in Betracht, vor allem deshalb, weil der Bund rund 90% der Einnahmen für die Aufstockung der Rentenkasse aufwendet.

Ebenfalls diskutiert wird aktuell der 16%-Anteil der Mehrwertsteuer, die in Deutschland grundsätzlich auf Strom und Gas mit 19% angerechnet wird. Da sich diese proportional zur Höhe des Strompreises entwickelt, ist das praktizierte Modell im Moment deutlich in der Kritik und es werden immer wieder Forderungen nach einer geringeren Besteuerung für Energie laut. Erklärungen für die Frage nach dem Anstieg des Strompreises liefert allein diese Größe jedoch nicht.

Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) macht 18,4% des aktuellen Strompreises aus. Ziel bei der Einführung des EEG war es, durch die auf diesem Wege erhaltenen Einnahmen Vorrangregeln und garantierte Mindestvergütungen im Ausbau regenerativer Energien zu bewerkstelligen und gleichzeitig deren Entwicklung in Richtung Marktfähigkeit zu fördern. Insofern ist das wahre Ausmaß der Schuld der Erneuerbaren an der Strompreisentwicklung sicherlich in dieser Position zu suchen, weshalb sie im Anschluss nochmals genauer betrachtet werden soll.

Mit 22,7% der zweitgrößte Anteil am Verbraucherstrompreis sind die Netzentgelte, also der Transport, die Messung und die Abrechnung des Stroms. Auf der Suche nach den Gründen für den hohen Strompreis muss dieser Posten jedoch nicht betrachtet werden, weil er in Folge der Regulierung durch die Bundesnetzagentur seit 2006 zunehmend geschrumpft ist und somit nicht zur Mehrbelastung der Haushalte beiträgt.

Den größten Anteil nimmt mit 28,6% die Beschaffung und der Vertrieb der Energie durch die einzelnen Stromkonzerne ein. Für die Beschaffung fallen hierbei sowohl Kosten für die eigene Erzeugung als auch für den Einkauf von Strom an. Dies erfolgt entweder an der Strombörse „European Energy Exchange“ (EEX) in Leipzig oder auf der Basis direkter Lieferverträge. Hierbei fällt auf, dass der Börsenpreis für Strom, an dem sich auch der Handel orientiert, in den letzten Jahren stark gesunken ist. Schuld an dieser – eigentlich erfreulichen – Entwicklung ist neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien (mehr dazu im folgenden Abschnitt) unter anderem der stark sinkende Kohlepreis. Entstanden ist dieser durch die massive Eigenförderung von Schiefergas in den USA, die damit als Großabnehmer wegfielen und somit ein weltweites Überangebot provozierten. Paradoxerweise werden die niedrigeren Kosten für den Strom an der Börse nicht an den Verbraucher weitergegeben, vielmehr stieg der Gesamtposten „Beschaffung und Vertrieb“ gleichzeitig immer mehr an. Da die Schuld hierfür nicht im Einkaufspreis zu suchen ist, muss sie an einer oder mehreren der drei Unbekannten liegen, die hier ebenfalls von den Stromkonzernen einkalkuliert werden: an der Wirtschaftlichkeit der Eigenproduktion, am Vertrieb und an der Höhe der Gewinnmargen. Welche Mechanismen also genau zum anhaltenden Anstieg dieses (größten) Anteils am Haushaltsstrom führen, bleibt ihr großes Geheimnis.

Konkrete Hinweise darauf, inwieweit auch die Erneuerbaren zur Mehrbelastung der Haushalte beitragen, lassen sich bei der eingehenden Beleuchtung der EEG-Umlage finden. Der durch das EEG geförderte Strom wird seit dem Jahr 2010 durch die Übertragungsnetzbetreiber an der Strombörse vermarktet. Die Höhe der Umlage errechnet sich demnach grundsätzlich aus der Differenz zwischen den Vermarktungserlösen und den gesetzlich geregelten Vergütungszahlen. In der Tat ist diese Umlage in den letzten Jahren stetig gestiegen. Um dieser Entwicklung auf den Grund zu gehen, lohnt auch hier der Blick auf die konkreten Einflussfaktoren.

Erstmals seit 2012 wird über die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zunächst in eine Liquiditätsreserve einbezahlt, die im Moment einem Anteil von 3% entspricht. Diese Reserve soll für mögliche Schwankungen bei Wind- und Sonnenenergie dienen. Nachdem diese Reserve einmalig aufgebaut ist, soll die Einzahlung langfristig wieder relativiert bzw. eingestellt werden.

Ebenfalls seit 2012 wird der Umlage eine Marktprämie beigerechnet, die im Moment mit einem Anteil von 4% zu Buche schlägt. Diese Prämie wird allen Erzeugern als Anreiz ausgezahlt, die freiwillig aus der EEG-Vergütung aussteigen und ihren Strom direkt an der Börse vermarkten. Ziel dabei ist vor allem die Marktintegration der Erneuerbaren.

Bereits ganze 19 % der EEG-Umlage sind auf ein Paradoxon zurückzuführen, dass weniger Defizite der regenerativen Energien, als vielmehr am aktuell praktizierten System ans Tageslicht bringt: der so genannte Merit-Order-Effekt. Dessen Ursprung liegt in der bereits erwähnten Strombörse EEX. Der Preis, zu dem Strom dort gehandelt wird, ergibt sich aus der so genannten „Merit Order“: der Reihenfolge, in der Kraftwerke eingesetzt werden müssen, um die Nachfrage des Stromkonsums zu decken. Konkret werden hierbei die Kraftwerke in der Reihenfolge ihrer Grenzkosten aktiviert – angefangen mit demjenigen, das am billigsten produziert. Das letzte und gleichzeitig auch teuerste Kraftwerk, das zur Deckung des Bedarfs benötigt wird bestimmt letztlich den Börsenpreis. Erneuerbare Energien haben nun grundsätzlich äußerst geringe Grenzkosten und stehen daher zu Beginn der „Merit Order“. Sie werden deshalb – auch in Folge ihres zunehmenden Ausbaus – immer mehr in die Netze eingespeist. Damit werden teurere Kraftwerke verdrängt und der Börsenpreis für Strom sinkt. Besagtes Paradoxon ergibt sich nun genau daraus, dass die Verbraucher letztlich genau die Differenz zahlen, die sich zwischen den staatlichen Vergütungszahlungen für erneuerbaren Strom und ihren Erlösen am Markt ergibt – welche jedoch gemäß der Merit-Order-Berechnung im Moment stark sinken.

Ziemlich genau ein Viertel der gesamten Umlage dient daneben der Entlastung so genannter „priviligierter Verbraucher“. In der Praxis beruht dies auf der gesetzlich festgeschriebenen Möglichkeit für energieintensive Verbraucher aus der Industrie, sich von der gesamten Umlage befreien zu lassen, um nicht den Anschluss an internationale Wettbewerbe zu verlieren („Besondere Ausgleichsregelung“). Die entsprechenden Voraussetzungen für die Unternehmen wurden in der jüngsten Vergangenheit immer stärker aufgelockert, weshalb 2013 die Zahl der Antragssteller im Vergleich zum Vorjahr auch um das Zweieinhalbfache angestiegen ist. Angerechnet werden die entgangenen Einnahmen schlussendlich den Verbrauchern – die so wohl in Zukunft noch weit mehr Ausgleichszahlungen für die Industrie auf ihrer Rechnung finden werden.

Mit lediglich 49% entfällt de facto nicht einmal die Hälfte der Gesamtumlage tatsächlich auf die Förderung erneuerbarer Energien. Zwar hat sich auch dieser Anteil in den vergangenen Jahren erhöht, dies liegt allerdings zunächst einmal daran, dass sich der Ausbau der Regenerativen in der Praxis deutlich schneller vollziehen konnte, als ursprünglich kalkuliert. Neben der Tatsache, dass ihre produzierte Energie tatsächlich auch zunehmend die konventionelle vom Markt verdrängt und somit bereits Millionen Tonnen Treibhausgase verhindert werden konnten, wurde dadurch vor allem auch ein riesiger Wirtschaftssektor etabliert. Ein Wirtschaftssektor, dem laut aktuellen Prognosen die Zukunft gehört – was angesichts der bevorstehenden Erschöpfung fossiler Energieträger nicht überrascht.

Hält man sich nun die einzelnen Faktoren Augen, so wird vor allem eines deutlich: Die Erneuerbaren Energien, respektive die EEG-Umlage, tragen zwar im Moment sicherlich (noch) nicht zur Preisminderung, allerdings aber auch nur in einem weit geringerem Maße zur Steigerung des Strompreises bei, als es viele Parteien den Menschen im Moment glauben machen wollen. Nicht zu unterschätzen ist dagegen der Einfluss der intransparenten Wirtschaft der Stromkonzerne sowie internationaler, vor allem aber nationaler ökonomischer und politischer Rahmenbedingungen, unter denen der aktuelle Status Quo letztendlich erst herbeigeführt wurde. Wie jedes Projekt muss auch die Energiewende nach ihrer (beeindruckenden) Anlaufzeit früher oder später kontrolliert und korrigiert werden. Dabei sollte vor allem im Fokus stehen, an Erreichtem festzuhalten und die Schienen für eine optimale Weiterführung der Energiewende neu auszurichten. Wenn viele Politiker (zu einem erheblichen Teil selbst verschuldete) Strompreissteigerungen schlicht auf die erneuerbaren Energien schieben, dann ist das dagegen ein gefährliches Spiel. Sie werden damit weder den Fakten gerecht, noch den Aufgaben, die sie als politische Vertretung unseres Landes zu bewältigen haben. Stattdessen konstruieren sie, im Kampf um die schnelle Wählerstimme, eine Stimmung, die die Bedingungen für die Fortführung einer unvermeidlichen Entwicklung in unserem Land massiv beeinflussen kann. Diese Rechnung kann und wird nicht aufgehen.

 

Quellen:

AG Energiebilanzen e.V. (AGEB): Energieverbrauch in Deutschland 2012, 04.09.2013
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
Bundesnetzagentur.de
www.deutschlandfunk.de: Billige Kohle durch Fracking, 04.09.2013
DIHK: Faktenpapier Strompreise in Deutschland
www.eeg-kwk.net, 04.09.2013
www.energiehoch3.de, 04.09.2013
SPIEGEL ONLINE: Experten fordern niedrige Mehrwertsteuer, 04.09.2013
www.umwelt-im-unterricht.de, 04.09.2013
www.unendlich-viel-energie.de, 04.09.2013
www.verivox.de, 04.09.2013
www.wie-energiesparen.info, 05.09.2013

Grafiken:

www.unendlich-viel-energie.de

Titelbild:

AP Achiv

Atommüll – Steuerzahler tragen die Folgekosten

Freitag, Januar 14th, 2011

12. Januar 2011. 70.000 Tonnen hochradioaktiven Giftmülls sollen im staatlichen Zwischenlager Lubmin eingelagert werden. Ein großer Teil des Abfalls entstand in deutschen Kernkraftwerken. Die Brennstäbe wurden dann in der Wiederaufarbeitungsanlage Karslruhe (WAK) jahrzehntelang aufgearbeitet.  Es entstanden nach Darstellung des ARD-Polit-Magazins Kontraste „70.000 Liter hochradioaktive Säure, versetzt mit zig Tonnen Uran und Plutonium“, die nun mit hohem technischen Aufwand verfestigt  und anschließend verfüllt werden müssten. Für diese Kosten müsste nach Ansicht von Experten eigentlich die Industrie aufkommen, die den Müll verursacht hat. Dies sind vor allem die Energiekonzerne.  Doch das ist nicht der Fall – stattdessen werden die Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Wie Kontraste am vergangenen Dienstagabend berichtete, gibt es exklusive Verträge zwischen Bund und Energiewirtschaft, die es ermöglichen, dass die Konzerne ihren Atommüll auf Kosten der Steuerzahler entsorgen können. Auch bei den jüngsten Verhandlungen zur Laufzeitverlängerung ergriff die  schwarz-gelbe Regierung nicht die Chance, die entsprechenden Verträge mit den Energiekonzernen zu ändern.

Nun wird der Industriemüll aus Karsruhe in Castorbehältern in das staatliche Lager nach Lubmin verschoben und dort auf Kosten des Steuerzahlers jahrzentelang zwischengelagert.

Prof. Wolfgang Irrek, Energieökonom an der Hochschule Ruhr-West, Institut für Energiewirtschaft, hat die Vertragsdokumente ausgewertet. Sein Fazit:

„Aus ökonomischer Sicht müsste das Verursacherprinzip gelten, dass diejenigen, die einen bestimmten Anteil an radioaktiver Belastung verursacht haben, auch einen entsprechenden Anteil an den Kosten tragen müssten. Und das haben wir hier eindeutig nicht.“

Dies wurde, wie die Autoren des Beitrags, Manka Heise und Chris Hums, in Kontraste darstellen,  möglich, weil „die Industrie den Staat überlistet hat“.

„Die Entsorgung des Atommülls wurde pro Tonne Gewicht berechnet und eben nicht nach dessen Umwelt belastender Strahlenaktivität. Da Industrie und Staat gemeinsam für die Wiederaufarbeitungsanlage verantwortlich waren, mussten die Kosten für die Entsorgung aufgeteilt werden. In den Verträgen ordnete man 40 Prozent des Mülls der Industrie zu – 60 Prozent dem Staat, so genannter Forschungsmüll,“ so der Wortlaut in Kontraste.

„Auffällig ist jedoch, dass auf Seiten der Industrie mehr orange Fässer produziert wurden. Und in diesen orangenen Fässern ist die Radioaktivität wesentlich höher als in den gelben,“ erklärt das Politmagazin.

Warum bezahlt die Industrie dann nur 40 % für die Entsorgung?

Dazu Prof. Wolfgang Irrek in dem Beitrag von Kontraste: „Aus meiner Sicht ist es nicht nachvollziehbar, dass die Quote auf 40:60 reduziert wurde. Denn der Anteil der radioaktiven Belastung, der von der Industrie verursacht wurde, beträgt etwa 70 Prozent.“

 

Laut Kontraste wird das auch vom Bundesumweltministerium bestätigt: 70 Prozent der strahlenden Aktivität kommt von den kommerziellen Kernkraftwerken und ist somit der Industrie zuzurechnen.  Da bei der Endlagerung die Strahlenaktivität eine zentrale Rolle spielt, wäre also eine Kostenaufteilung von 70:30 angemessen gewesen.  Letztlich geht es aber bei dem Geschiebe um Abermillionen Euro und deshalb setzte die Industrie in den Verträgen sogar durch, dass die Entsorgungskosten auf einen Höchstbetrag gedeckelt werden. Das heißt: Entstehen höhere Kosten als geplant, muss der Staat zahlen – und das ließ sich offenbar gut in die gewünschte Richtung steuern.

Prof. Irrek hält die gewählte Vertragsklausel und Vorgehensweise wörtlich „für unverantwortlich“, da es sich um radioaktive Abfälle handle, die Jahrtausende strahlten. Nach seiner Meinung werde die Industrie durch die Begrenzung auf einen Höchstbetrag ermutigt, die Entsorgungskosten auf dem Papier so gering wie möglich erscheinen zu lassen – was ihr ganz offensichtlich gelang:  In einem Terminplan, der Bestandteil des Vertrags ist, wurde das Endlager Gorleben als ab Mitte 1990 nutzbar und ab 2003 als voll einsatzfähig deklariert.  Dieser Terminplan war aber  schon damals obsolet, und Gorleben ist bis heute kein Endlager. Doch der Vertragspartner hat sich daran offenbar nicht gestört.

Nach Darstellung von Kontraste fallen insgesamt für die Entsorgung des Mülls und den gesamten Rückbau der Wiederaufbereitungsanlage nach aktueller Kalkulation zusätzlich 1,6 Milliarden Euro für den Steuerzahler an. An dieser Summe beteiligt sich die Industrie mit keinem einzigen Cent.

Fazit: Würden die Kosten der Aufbereitung, Zwischen- und Endlagerung samt der jahrzehntelangen Subventionen für Atomstrom allesamt auf den Preis für Atomstrom umgerechnet, wäre dieser augenscheinlich unrentabel. So aber müssen die Bürger die Kosten eben indirekt tragen – und diese „atomenergiefreundliche“ Politik geht nicht zuletzt auf Kosten der Entwicklung der Erneuerbaren Energien.

Verfasser: Energiewende Landkreis Starnberg e.V., Quelle: Kontraste, ARD, 12.01.2010

Der Strompreisanstieg im Januar ist nicht gerechtfertigt!

Dienstag, Januar 11th, 2011

Bereits im August vergangenen Jahres schlug das Thema der geplanten „Erhöhung der Energiepreise“ hohe Wellen, der Ökostrom soll für die Preissteigerungen verantwortlich sein, wie Interessenverbände, die Energiekonzerne und zahlreiche Politiker betonen. Der Verein Energiewende Landkreis Starnberg veröffentlichte in einem aktuellen Beitrag am 9. August ein Kurzgutachten, welches das Gegenteil belegt. Die Untersuchung von Gunnar Harms im Auftrag von Bündnis 90/Die Grünen zeigt: Wenn die Stromversorger die höheren Ökostromkosten voll an die Verbraucher weitergeben, vergrößern Sie nur die eigenen Gewinne, weil nämlich die Beschaffungskosten für Strom an der Börse erheblich niedriger geworden und damit die Gesamtkosten für Strom gesunken sind.

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Ende Dezember wurde nun aus aktuellem Anlass erneut ein Kurzgutachten von Gunnar Harms veröffentlicht, das wir Ihnen nicht vorenthalten möchten: Download Kurzgutachten Strompreiserhöhung Harms Dez 2010

Die Kosten für die Strombeschaffung an der Börse  sind nämlich seit Herbst 2008 um ein Drittel gesunken und auch die Umlage für die Kraft-Wärme-Kopplung ist weniger geworden. Das heißt,  seit 2008 haben die Stromversorger Jahr für Jahr lediglich ihre Gewinne erhöht statt die Preisvorteile an die Verbraucher weiterzugeben.

Verbraucher sollten daher die aktuellen Strompreiserhöhungen zum Anlass nehmen, über einen Wechsel des Stromversorgers nachzudenken. Dabei sollte nicht nur der Preis eine Rolle spielen: „Wie beim Wahlzettel stimmt der Verbraucher mit dem Versorgerwechsel auch über die Geschäftspolitik des Versorger ab“, sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher.

Quelle: Bund der Energieverbraucher, Energiewende Landkreis Starnberg e.V., Bündnis 90/Die Grünen