Einträge ‘Umlage’

Die Stromkostenlüge

Dienstag, Juli 22nd, 2014

Jedes Jahr aufs Neue müssen die deutschen Verbraucher mehr für ihren Strom bezahlen. Die Schuld daran trägt – so die Auskunft der Politik – der Ausbau und die Förderzahlungen für die Erneuerbaren Energien.

Inwieweit diese Schuldzuweisung begründet ist, wollte EU-Energie-Kommissar Günther Öttinger herausfinden, und hat hierfür eine Studie zur Marktfähigkeit der Regenerativen in Auftrag gegeben. Das Ergebnis dürfte nicht nur ihn überrascht haben: Im Jahr 2011 wurden die Erneuerbaren Energien in der EU mit rund 30 Milliarden Euro staatlich gefördert. Gleichzeitig aber erhielt die Atomindustrie rund 35 Milliarden Euro, der Kohle- und Gasförderung wurde sogar mit 40 Milliarden unter die Arme gegriffen. Noch nicht eingerechnet sind hierbei die Kosten für die gesundheitlichen Folgeschäden. Zahlen, die auch Öttinger so nicht erwartet haben dürfte – und die er unmittelbar nach Ihrer Veröffentlichung wieder kurzerhand unter den Tisch fallen ließ, da sie offenbar zu wenig dem politischen Konzept entsprechen.

Anders als Windkraft und Co. werden die fossilen und konventionellen Energien nun nicht direkt über die Stromrechnung finanziert – sondern über Steuergelder. Wie viel der deutsche Bürger hierfür letztendlich genau bezahlt, hat eine Studie des Forums Ökologisch Soziale Marktwirtschaft errechnet: rund 40 Milliarden Euro (2012). Würde man diese versteckten Kosten nun ebenfalls über den Strompreis verrechnen, so käme demnach eine „Konventionelle-Energien-Umlage“ von ca. 10 Cent/kWh zusammen.

Mehr Informationen zum Thema sehen Sie in dem Videobeitrag „Versteckte Kosten – Ökostrom ist günstiger als konventioneller Strom“ von René Kirschey und Thomas Hauer. Der Clip ist im Rahmen der 3sat-Reihe „nano“ entstanden und ist in der Mediathek abrufbar.

 

Quelle: 3sat, sueddeutsche.de
Bild:
3sat

EEG-Umlage: Immer weniger Firmen wollen zahlen und steigen aus

Freitag, August 31st, 2012

Immer mehr Firmen „drücken sich“ vor der EEG-Umlage. So berichtet IWR, dass sich beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)  die Anträge von Firmen auf Befreiung von der EEG-Umlage stapeln. Nach einer IWR-Anfrage vom 23. August 2012 hätten 2024 Unternehmen einen Antrag auf Befreiung von der EEG-Umlage für das Jahr 2013 gestellt. Grund ist eine gesetzliche Änderung zum 01.01.2013, wonach Unternehmen mit einem Stromverbrauch von einer Gigawattstunde (GWh) pro Jahr von der EEG-Umlage befreit/reduziert sind. Bisher lag die Grenze bei 10 GWh Stromverbrauch. Die Folge: Mit der Absenkung der Verbrauchsgrenze zahlen immer weniger Firmen in den EEG-Umlagefonds ein. Die prognostizierte Strommenge, die von der EEG-Umlage befreit ist, erhöht sich von bisher 85 Mrd. Kilowattstunden (kWh) auf etwa 107 Mrd. kWh.

Steigende Umlage durch weniger Einzahler befürchtet

Weil die Zahl derjenigen, die die EEG-Umlage zahlen, sinkt, steigt voraussichtlich die Höhe der EEG-Umlage je kWh. Mit Spannung wird erwartet, wie die Höhe der EEG-Umlage für das Jahr 2013 ausfallen wird. Mitte Oktober wird dieser Wert für das Folgejahr von den Übertragungsnetzbetreibern bekannt gegeben. Klar ist, dass sich der Beitrag pro kWh erhöhen wird, wenn sich die Zahl der an der Umlage beteiligten Unternehmen und damit die Höhe der voll umlagepflichtigen Strommenge reduziert.
Die Entlastung für die Industrie ist nach der abgenommenen Strommenge gestaffelt. Nach der sog. „Besonderen Ausgleichsregelung“ zahlen Industriebetriebe ab der ersten GWh nur zehn Prozent der Ökostrom-Umlage, ab der zehnten GWh nur ein Prozent. Für ganz große Energieverbraucher, die mehr als 100 GWh im Jahr abnehmen, ist der EEG-Umlage-Beitrag auf 0,05 Cent je kWh festgeschrieben. Private Stromverbraucher zahlen derzeit pro kWh eine EEG-Umlage in Höhe von 3,592 Cent/kWh. Das ist mehr als das 70-fache dessen, was die größten Abnehmer aus der Industrie je kWh zahlen.

Berechnung der EEG-Umlage

Die EEG-Umlage funktioniert wie ein Fonds mit Ausgaben und Einnahmen. Die Vergütungszahlungen an die Betreiber sind die Bruttoausgaben (in 2011: rd. 16,4 Mrd. Euro). Einnahmen entstehen aus den Verkaufserlösen für den EEG-Strom an der Strombörse (in 2011 laut EEG-Umlagekonto rd. rd. 4,4 Mrd. Euro). Die EEG-Umlage setzt sich grob aus den Vergütungszahlungen (Ausgaben), vermindert um die Verkaufserlöse (Einnahmen) zusammen, und beträgt für 2011 etwa 12 Mrd. Euro (vereinfachte Darstellung). Aus diesem Grund führt auch ein sinkender Strompreis an der Börse, was durch die zunehmende Vermarktung von EEG-Strom über die Börse aktuell feststellbar ist, paradoxerweise zu einer Erhöhung der EEG-Umlage. Als weitere Faktoren für die exakte Ermittlung der EEG-Umlage spielen noch eine vorzuhaltende Liquiditätsreserve sowie der Verlustvortrag aus dem Vorjahr eine Rolle. Der umzulegende Betrag für die Förderung erneuerbarer Energien wird durch die Ausnahmeregelungen für die Industrieverbraucher auf immer weniger Letztverbraucher verteilt und steigert die EEG-Umlage je kWh.

Weitere Meldungen und Informationen zum Thema EEG-Umlage und Strompreisdiskussion
Altmaier gegen vorschnelle EEG-Reform
EEG-Umlage: Energieintensive Industrie trägt nur 0,3 Prozent
Presseinfos: Fakten rund um die Energiewende
IWR im Spiegel der Medien

Quelle: IWR-Pressedienst, 2012